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Portätbild von Mathis Wackernagel
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Mathis Wackernagel, Mitbegründer des Global Footprint Network, macht planetare Grenzen messbar – und fordert die Weltgemeinschaft zum Handeln auf. Bild: pd

Sustainable Shapers Knowledge & Opinion

Mathis Wackernagel: Ein Basler macht den Ressourcenverbrauch messbar

Mit dem ökologischen Fussabdruck und dem Earth Overshoot Day prägt der Nachhaltigkeitspionier die globale Klimadebatte – und zeigt, warum Vorsorge und Resilienz zur Währung der Zukunft werden.

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Mathis Wackernagel: Ein Basler macht den Ressourcenverbrauch messbar

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Wenn Mathis Wackernagel über die Zukunft spricht, tut er das ohne Pathos, aber mit Klarheit. «Die Zukunft war noch nie so voraussehbar wie heute», sagt er. «Wir wissen, dass Klimawandel und Ressourcenknappheit sie immer deutlicher bestimmen werden – und dass diese Zukunft schneller auf uns zukommt, als sich unsere Infrastruktur anpassen kann.» Wackernagel, 1962 in Basel geboren, ist Mitbegründer des Global Footprint Network, einer Organisation, die den weltweiten Ressourcenverbrauch messbar macht. Ihr bekanntestes Konzept ist der Earth Overshoot Day, jener symbolische Tag, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen eines Jahres aufgebraucht hat. Im 2025 fiel er auf den 24. Juli. Die Schweiz hat ihre eigene jährliche Ressourcenkapazität schon nach 3 Monaten überschritten; bildlich gesprochen bräuchte es «fast vier Schweizen», um all das zu regenerieren, was hierzulande genutzt wird.

Der promovierte Ingenieur entwickelte in den 1990er Jahren den ökologischen Fussabdruck, der heute in Nachhaltigkeitsdebatten, Schulbüchern und politischen Strategien präsent ist. «Wir leben vom Abbau der natürlichen Ressourcen», sagt er nüchtern. Doch anstatt in moralische Appelle zu verfallen, denkt er strategisch: Wer versteht, wie die Welt funktioniert, kann vorausschauender handeln – wirtschaftlich wie gesellschaftlich. Overshoot sei nicht das grösste Risiko, betont er. «Das grösste Risiko ist, sich nicht darauf vorzubereiten.»

«Klimawandel und Ressourcenknappheit werden unsere Zukunft bestimmen […] Das grösste Risiko ist, sich nicht darauf vorzubereiten.»

Mathis Wackernagel

Wackernagel ist kein Aktivist, sondern ein Analytiker. Seine Argumente sind pragmatisch und unbequem zugleich. Er plädiert dafür, Nachhaltigkeit nicht als moralische Pflicht, sondern als ökonomische Notwendigkeit zu begreifen. Unternehmen und Staaten, die rechtzeitig auf zukunftsfähige Modelle setzen, hätten schlicht einen Wettbewerbsvorteil. «In jedem Szenario des Klimawandels werden die biophysikalischen Spielräume enger», fasst er zusammen. «Wertvoll wird, was in dieser Zukunft funktioniert.»

Für Wackernagel ist Nachhaltigkeit kein Zustand, sondern Resilienz – die Fähigkeit, Entwicklungen zu antizipieren und standzuhalten. «Die langfristige Funktionsfähigkeit von Ländern, Städten und Unternehmen hängt davon ab, wie gut sie verstehen, was auf sie zukommt. Dann können sie auch besser entscheiden.»

Die Auszeichnungen für seine Arbeit häufen sich. 2024 erhielt Wackernagel den erstmals vergebenen Nachhaltigkeitspreis der Nobel Familie – eine Anerkennung für sein jahrzehntelanges Engagement, den ökologischen Fussabdruck als Grundlage nachhaltiger Entwicklung zu etablieren. Im September wurde er zudem als Sustainable Shaper geehrt, als Vordenker, der Wissen in Wandel übersetzt. Trotz internationaler Aufmerksamkeit bleibt er bescheiden: Preise und Ehrungen seien vor allem Plattformen, um über den Umgang mit Ressourcen zu sprechen – «als etwas Notwendiges, nicht etwas Nobles».

Sein Wirken reicht längst über die Wissenschaft hinaus: Staatsoberhäupter, der Generalsekretär der Vereinten Nationen oder der frühere Papst zitieren seine Statistiken. Wackernagel hat der Welt ein Mass gegeben – und damit ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass die Zukunft nicht wartet, bis wir dafür bereit sind.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
12 - Verantwortungvoller Konsum und Produktion
13 - Massnahmen zum Klimaschutz

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