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Hans-Dietrich Reckhaus im dunkelblauen Anzug mit einem Insect-Respect-Pin vor einer Wand mit floralem Muster
Hans-Dietrich Reckhaus im dunkelblauen Anzug mit einem Insect-Respect-Pin vor einer Wand mit floralem Muster

Hans-Dietrich Reckhaus vernetzt Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Gesellschaft, um die Artenvielfalt zu stärken. Bild: pd

Sustainable Shapers Leadership & Transformation

Hans-Dietrich Reckhaus: Vom Insektizidhersteller zum Anwalt der Biodiversität

Mit Insect-Respect verschiebt der Unternehmer den Kulturmassstab von Geld und Konsum hin zu Sinn und Verantwortung – und zeigt, wie ein Familienbetrieb zum Vorbild für nachhaltige Entwicklung werden kann.

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Hans-Dietrich Reckhaus: Vom Insektizidhersteller zum Anwalt der Biodiversität

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Hans-Dietrich Reckhaus ist ein Unternehmer, der sein Geschäftsmodell einmal auf links gedreht hat. Der promovierte Betriebswirt aus St. Gallen führt in zweiter Generation das Familienunternehmen Reckhaus, das jahrzehntelang für Insektenschutzmittel bekannt war. Heute steht der Name für eine Bewegung, die das Leben der kleinsten Lebewesen in den Mittelpunkt rückt: Insect-Respect.

Der Wandel begann mit einer Provokation. Als Reckhaus vor über zehn Jahren die Schweizer Künstler Frank und Patrik Riklin mit einer Vermarktungsidee für ein neues Produkt beauftragen wollte, forderten sie ihn heraus, das Töten von Insekten nicht länger als Geschäftsmodell hinzunehmen. Durch den Dialog mit den Künstlern kam Reckhaus die Idee den Insektenverlust durch seine Produkte auszugleichen – durch die Schaffung neuer Lebensräume. «Für mich war die Begegnung mit den Künstlern Frank und Patrik Riklin wegbereitend», sagt der 59-jährige Unternehmer heute. «Sie ermöglichten mir erst den Ausbruch und den grundlegenden Sinneswandel: Nicht mehr möglichst viel Geld verdienen und damit etwas Sinnvolles leisten – sondern möglichst viel Sinnvolles leisten und damit etwas Geld verdienen.» Seither wird für jedes verkaufte Produkt ein insektenfreundlicher Lebensraum geschaffen – kleine Habitate, die Nahrung, Nist- und Überwinterungsräume bieten.

Hans-Dietrich Reckhaus wandelt mit Insect-Respect jedes verkaufte Produkt in insektenfreundliche Habitatflächen um. Bild. pd

Mit dieser Umkehrung hat er nicht nur sein Unternehmen transformiert, sondern auch eine Haltung formuliert, die in Zeiten ökologischer Krisen weit über die Branche hinausreicht. Das Label Insect-Respect dient inzwischen als Qualitätsstandard für Produkte, die ökologisch kompensiert werden, und ist in Kooperationen im gesamten europäischen Raum präsent.

Doch Reckhaus denkt weiter. Sein Ziel ist es, «den gesellschaftlichen Kulturmassstab von Geld und Konsum zu verschieben – hin zu einer solidarischen Kultur des Mitgefühls für Mensch und Natur». In diesem Sinne engagiert sich das Unternehmen zunehmend im Bereich gesellschaftliche Bewusstseinsbildung, entwickelt Lebensräume für Insekten, veröffentlicht Bücher, produziert Filme und organisiert den «Tag der Insekten» – eine jährlich stattfindende Tagung, die Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Gesellschaft vernetzt. 2026 wird sie im belgischen Leuven stattfinden.

«Mein Ziel ist es, den gesellschaftlichen Kulturmassstab von Geld und Konsum zu verschieben – hin zu einer solidarischen Kultur des Mitgefühls für Mensch und Natur.»

Hans-Dietrich Reckhaus

Im September wurde Reckhaus als «Sustainable Shaper 2025» in der Kategorie Leadership & Transformation geehrt – eine Auszeichnung für Führungspersönlichkeiten, die Rahmenbedingungen für eine nachhaltigere Schweiz prägen und unternehmerischen Wandel vorantreiben. Er versteht sich weniger als Unternehmer im klassischen Sinn denn als kultureller Gestalter. «Stolz empfinde ich weniger, vielmehr bin ich dankbar», sagt er. «Dankbar für die Möglichkeiten, die mir das Familienunternehmen bietet und für die Partner, die den ungewöhnlichen Weg mitgehen.»

Sein Wirken zeigt: Nachhaltigkeit ist für ihn kein Etikett, sondern eine Haltung – und Wirtschaft ein Werkzeug für gesellschaftliche Gestaltung, um Sinn zu schaffen. Hans-Dietrich Reckhaus hat damit bewiesen, dass Wandel möglich ist – wenn man den Mut hat, ihn zuzulassen.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur
13 - Massnahmen zum Klimaschutz
15 - Leben an Land

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