Swiss Olympic verfügt über eigene Leitlinien zu Nachhaltigkeit, Raum und Umwelt. Wie stellen Sie sicher, dass die Schweizer Delegation – von der Anreise bis zur Unterbringung – den ökologischen Fussabdruck möglichst klein hält?
Einige unserer Delegationsmitglieder reisen mit dem öffentlichen Verkehr an die Austragungsorte. Grundsätzlich verzichten wir möglichst auf individuelle Anreisen, auf unnötige Autofahrten und auf Flüge. Ausserdem sind wir und unsere Lieferanten bei der Beschaffung der Delegationsbekleidung unseren Nachhaltigkeitsstandards verpflichtet. Aber wir müssen ehrlich sein: Unsere Aufgabe besteht auch darin, im Hochleistungssport für bestmögliche Bedingungen für unsere Athletinnen und Athleten zu sorgen. Nicht immer können wir deshalb den ökologischen Fussabdruck so klein halten, wie wir es uns wünschen würden.
Das «House of Switzerland» in Norditalien soll die Schweiz als innovatives, nachhaltiges Alpenland präsentieren. Welche Rolle spielt diese Plattform für das Swiss Olympic Team und wie möchten Sie dort das Bild der Schweiz als Wintersport‑ und Nachhaltigkeitsnation stärken?
Das «House of Switzerland» in Cortina, betrieben von Präsenz Schweiz, besteht aus einer Holzkonstruktion, die wiederverwendet werden kann. Nach den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro und den Winterspielen 2018 in Pyeongchang kommt das gleiche Gebäude bereits zum dritten Mal an Olympischen und Paralympischen Spielen zum Einsatz. Swiss Olympic, bzw. die Schweizer Delegationsmitglieder, dürfen jeweils im House of Switzerland zu Gast sein und die Athletinnen und Athleten prägen hoffentlich auch mit ihrem Aufenthalt dort das Bild der Schweiz in Mailand und in Cortina.
Viele Schweizer Schneesportverbände haben eigene Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt. Spüren Sie bei Athletinnen und Athleten einen gesteigerten Anspruch, dass Olympische Spiele nicht nur sportlich fair, sondern auch ökologisch und sozial verantwortungsvoll organisiert werden? Wie reagieren Sie als Delegationsleiter darauf?
Dieses Bedürfnis spüren wir auf jeden Fall. Verschiedene Athletinnen und Athleten haben auch schon öffentlich gesagt, dass sie sich in ihrer Sportart eine intensivere Auseinandersetzung mit ökologischen Themen und entsprechende Massnahmen in diesem Bereich wünschen. Und auch bei den Verbänden wird viel dazu geforscht und nachgedacht. Ich finde das positiv. Gleichzeitig steckt der Spitzensport auch hier im Dilemma: Damit das Publikum in unterschiedlichen Märkten bedient werden kann, müssen die Wettkämpfe in verschiedenen Regionen der Welt stattfinden. Das bedeutet, dass entsprechend gereist werden muss. Und auch den Athletinnen und Athleten ist bewusst, dass auch sie besser von ihrem Sport leben können, je populärer dieser weltweit ist.
Die Winter werden generell wärmer und weniger schneesicher. Wo und wie werden Winterspiele in mittel- und längerfristiger Zukunft überhaupt noch durchgeführt werden können?
Mit dieser Frage hat sich 2023 eine unabhängige Studie befasst, die 93 Wintersportstandorte untersuchte, die grundsätzlich für die Austragung Olympische und Paralympische Winterspiele in Frage kommen. 52 dieser Standorte sind gemäss dieser Untersuchung auch in den 2050er Jahren nach wie vor schneesicher. Mittelfristig bestehen somit Optionen. Nichtsdestotrotz muss das Engagement gegen den Klimawandel auch in Zukunft aufrechterhalten werden und Swiss Olympic will seinen Beitrag dazu leisten. Auch mit der Kandidatur für Olympische und Paralympische Spiele 2038 in der Schweiz. Mit einem fortschrittlichen, dezentralen Konzept wollen wir nachhaltige Spiele organisieren, die zur Schweiz passen und über den Sport hinaus ein wertvolles Vermächtnis hinterlassen.