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Portätbild von Priming Jung
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Pirmin Jung setzt auf Holz als Schlüssel zu klimagerechtem Bauen – mit Ideen, die über die Schweiz hinaus Wirkung entfalten sollen. Bild: pd

Sustainable Shapers Vision & Innovation

Pirmin Jung macht Holz zum Hightech-Baumaterial

Schweizer Präzision mit globalem Hebel: Pirmin Jung will Lösungen entwickeln, die über die Schweiz hinaus wirken – für klimagerechtes Bauen in grossem Massstab.

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Pirmin Jung macht Holz zum Hightech-Baumaterial

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Pirmin Jung entschied sich vor Jahren für den Holzweg. Das hat sich bezahlt gemacht. Sein visionäres Büro- und Wohngebäude mit dem treffenden Namen «Haus des Holzes» steht in Sursee, mitten in der Zentralschweiz. Er und seine Frau haben es zusammen realisiert, nicht ohne Risiko: bis zu 40% Mehrkosten entstanden, vieles war neu und musste erst entwickelt werden. In der angespannten Phase halfen zwei private Darlehen – Zufallsbegegnungen, ermöglicht durch das Vertrauen in die Idee von Jung: «Wir wollten von Anfang an ein kompromisslos nachhaltiges Gebäude realisieren. Ein Gebäude, das zeigt, wie wir zukünftig planen und bauen müssen, damit auch die kommenden Generationen ein lebenswertes Leben führen dürfen.» Mit derselben Haltung führt der Holzbauingenieur sein Unternehmen, das heute an mehreren Standorten in der Schweiz und in Deutschland plant: die Pirmin Jung Gruppe.

Pirmin Jung mit dem Modell des Büro- und Wohngebäudes «Haus des Holzes», welches in Sursee steht. Bild: pd

Pirmin Jungs Weg zum eigenen Ingenieur- und Planungsbüro mit über 150 Mitarbeitenden begann allerdings nicht im Hörsaal, sondern auf der Baustelle. Noch vor seiner Laufbahn als Holzingenieur absolvierte er eine Lehre als Zimmermann und lernte so die Baubranche aus dem Innersten kennen. Das hat ihn geprägt: «Als ich 1996 als 27-Jähriger startete, durften in der Schweiz wegen der Brandschutzvorgaben höchstens zwei- bis dreigeschossige Wohnbauten aus Holz entstehen. Hotels und anderes waren ausgeschlossen.» Aus Jungs Überzeugung, dass mit Holz trotzdem brandsicher, dauerhaft, kostenoptimiert und schalldicht gebaut werden konnte, wuchs ein Büro, das Architektinnen und Planer in immer höhere Dimensionen begleitete – bis an die Hochhausgrenze und darüber hinaus. Der Weg bis hierhin verlief nicht nur geradlinig: «Die Chance ist gross, dass Mutige, aber nicht Blauäugige, belohnt werden. Es braucht aber ganz viel positives Denken, ein tragendes Umfeld und Zuversicht. Und immer die Überzeugung, dass es auch weiter geht, wenn das Projekt scheitern sollte.»

«Uns muss es in der Schweiz gelingen, Lösungen zu entwickeln, die weltweit skaliert werden können und einen Hebeleffekt haben.»

Pirmin Jung

Heute spezialisiert sich der Baudienstleister Pirmin Jung rund um Tragwerksplanung, Bauphysik und Brandschutz und begleitet diese vom Konzept bis zur Ausführung. Das aktuell bedeutendste Projekt ist der Ersatzbau des Dock A am Flughafen Zürich: ein Grossprojekt, dessen Tragwerk zu weiten Teilen in Holz entsteht. Die Auszeichnung mit dem Sustainable Shaper Award trägt nicht nur Jungs Expertise im Holzbau Rechnung, sondern auch seiner Ambition und seinem Engagement für einen nachhaltigeren Gebäudepark: «Mir ist bewusst, dass wir allein klein sind – aber je mehr wir mit diesem Gedanken durch die Welt gehen und Mitstreiter gewinnen, desto eher können wir etwas bewirken. Zum Beispiel mit Holzbausystemen, welche den Anforderungen einzelner bevölkerungsreichen Weltregionen gerecht werden. Werden diese akzeptiert, könnten wir mit einer viel grösseren Hebelwirkung klimagerechter bauen.»

Auch wenn die Schweiz auf dem Gebiet des Holzbaus eine Führungsrolle einnimmt, ist Pirmin Jung überzeugt, dass noch viel zu tun ist – national und global: «Mich beschäftigt immer mehr der Gedanke, dass wir in der Schweiz mit unseren Technologien zwar bereits gut situiert sind, unsere Anstrengungen aber kaum Auswirkungen auf den weltweiten CO₂-Ausstoss haben – gerade mal 0,2%, um genau zu sein. Darum muss es uns gelingen, dass wir in der Schweiz Lösungen entwickeln, die weltweit skaliert werden können und einen Hebeleffekt haben. Nur so erreichen wir ein besseres Weltklima und eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen.»

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur
11 - Nachhaltige Städte und Gemeinde
13 - Massnahmen zum Klimaschutz

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