Logo image
Porträtbild von Julia Carpenter
Porträtbild von Julia Carpenter

Julia Carpenter sucht die Balance zwischen Energiehunger und Klimazielen – mit Lösungen, die Effizienz neu definieren. Bild: pd

Sustainable Shapers Leadership & Transformation

Vom Labor ins Rechenzentrum: Wie Julia Carpenter die Vision einer nachhaltigen Datenindustrie ermöglicht

Flüssigkeit durch poröse Metalle zu führen, verbessert die Kühlleistung genau dort, wo der Energiehunger am grössten ist. Mit ihrem ETH-Spin-off Apheros schliesst Julia Carpenter eine zentrale Lücke zwischen anhaltendem IT-Wachstum und Klimazielen.

0

Teilen
Hören
Logo image

Vom Labor ins Rechenzentrum: Wie Julia Carpenter die Vision einer nachhaltigen Datenindustrie ermöglicht

Teilen
Hören

3 Min.  •   • 

«Datenzentren haben das Potenzial, eine der nachhaltigsten Industrien überhaupt zu sein»: Das zu realisieren ist die Mission von Apheros-Gründerin Julia Carpenter. Sie ist Materialwissenschaftlerin und Mitgründerin des 2023 entstandenen ETH-Spin-offs Apheros, das Metallschäume für besonders effiziente Wärmeabfuhr entwickelt und daraus Kühlhardware baut. Das Unternehmen ging aus Carpenters ETH-Promotion und einer radikal pragmatischen Idee hervor: Was wäre, wenn sich die Abwärme grosser Rechenzentren irgendwann zu 100 % wiederverwenden liesse? Heute setzen Carpenter und ihre Mitgründerin Gaëlle Andreatta ihre Expertise dort um, wo der Energiehunger der Digitalökonomie aktuell besonders spürbar ist: in der Kühlung.

Carpenters Weg begann an der ETH Zürich: «Ich wollte etwas studieren, das breit gefächert ist. Die Materialwissenschaften verbinden Chemie und Physik, sogar Biologie. Man muss interdisziplinär denken und das liegt mir.» Während ihrer Promotion arbeitete sie an einem Schäumverfahren für poröse Metalle, das später patentiert wurde. Genau dieses Verfahren stellt heute die technische Grundlage ihres Unternehmens dar: Mit Apheros skaliert Carpenter ihr Verfahren für offenporige, hochleitfähige Metallschäume und baut daraus Kühlmodule die Flüssigkeit durch die Poren führen und so den Wärmeübergang massiv erhöhen – auch für zweiphasige oder verdampfungsbasierte Kühlung in Rechenzentren.

«Es ist unsere Aufgabe, Nachhaltigkeit zur einzigen ökonomischen Option zu machen.»

Julia Carpenter

Das Potenzial dieser Technologie liegt auf der Hand: Bis 2030 wird ein spürbarer Anteil des weltweiten Stroms allein für das Kühlen von Elektronik – insbesondere Rechenzentren – benötigt werden. Der Schwenk von luft- zu flüssigkeitsbasierten Systemen gilt als absehbar und ökonomisch geboten. Genau dort positioniert Carpenter ihr Unternehmen, mit Erfolg: 2024 wird Carpenter in die globale Liste der «Innovators Under 35» des MIT Technology Review aufgenommen. Im August 2024 schliesst Apheros eine seine allererste Finanzierungsrunde im siebenstelligen Bereich (rund 1,85 Mio. US-Dollar) ab. Das Kapital fliesst in Produktion, Qualifizierung und erste Roll-outs. 2025 folgt die Ehrung als Sustainable Shaper.

Julia Carpenter bei der Verleihung des Sustainable Shaper Award 2025. Bild: NZZ

Was sie antreibt, fasst Carpenter knapp zusammen: Effizienz so gestalten, dass sie sich rechnet – für Betreiber, Städte und Netze. Dazu gehört die konsequente Nutzung der Abwärme. In der flüssigkeitsbasierten Kühlung von Rechenzentren sieht sie noch viel ungenutztes Potenzial: «Ich würde gerne dazu beitragen, dass grosse Datenzentren nur noch mit Flüssigkeit gekühlt werden und dass die Abwärme zu 100 % wiederverwendet wird. Dadurch spart man nicht nur bis zu 90% Wasser und bis zu 35% Elektrizität, man kann auch die gesamte Energie zweimal verwenden – einmal für Compute (Rechenleistung, Anm. d. Red.) und einmal z. B. für Fernwärme.»

Nahe beieinander liegende Standorte mit Abwärme wie Rechenzentren, Spitäler oder Schwimmbäder würden so planbare, ganzjährig verfügbare Wärmequellen darstellen. Mit kluger Standortwahl und Systemkopplung liesse sich aus einem Kühlproblem ein Infrastrukturvorteil schaffen, der Strom spart, Wasser schont und die Dekarbonisierung von Wärme beschleunigt. Für Carpenter liegt der Anreiz auch im ökonomischen Potenzial neuer Abwärmelösungen: «Nachhaltigkeit allein ist selten ein Anreiz zu Veränderung. Es ist unsere Aufgabe, Nachhaltigkeit zur einzigen ökonomischen Option zu machen.»

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

7 - Bezahlbare und saubere Energie
9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur
13 - Massnahmen zum Klimaschutz

Werbung

Beliebteste Artikel

Empfohlene Artikel für Sie

https://pixabay.com/photos/cave-cavern-dark-daylight-1835823/
Klima & Energie

Revolution in der Tiefe: Ingenieure sehen die Zukunft der Städte im Untergrund

In Hechingen bei Tübingen entsteht ein Erdbeckenspeicher
Klima & Energie

Saisonale Energiespeicher: Mit der Wärme des Sommers wird es im Winter behaglich

Microsoft baut in Finnland an neuen Datenzentren, die mittels grüner Energie auch das Nachhaltigkeits-Image des Unternehmens stärken sollen.
Klima & Energie

Tech-Giganten ringen mit einem grünen Dilemma: Der KI-Boom untergräbt ihre Klimaziele

Entdecken Sie unsere Serien

Mehr anzeigen
Porträtbild von Vincent Vida
Sustainable Shapers

Vincent Vida: der Upcyling-Pionier aus Appenzell

Die Gründer von Fridge Diego Prado und Ivy Zhao
Sustainable Start-up

Vom guten Vorsatz zur Routine: Fridge bringt Habit-Tracking in die Community

Portätbild von Priming Jung
Sustainable Shapers

Pirmin Jung macht Holz zum Hightech-Baumaterial

Porträtbild von Albin Kälin
Sustainable Shapers

Albin Kälin: Ein Innovator aus Leidenschaft

Nathalie Agosti in hellem Blazer, lächelnd vor weisser Wand; steht für soziale Nachhaltigkeit und mentale Gesundheit als Führungsaufgabe in Unternehmen.
Sustainable Shapers

Nathalie Agosti – Die Unternehmerin rückt mentale Gesundheit in die Chefetage

Porträtbild von Philipp Furler
Sustainable Shapers

Sonnenklare Energiewende: Philipp Furlers Weg von der ETH zum eigenen Cleantech-Unternehmen

Die neustark-Mitgründer Valentin Gutknecht und Johannes Tiefenthaler stehen nebeneinander vor neutralem Hintergrund und tragen graue T-Shirts mit dem neustark-Logo.
Sustainable Start-up

Weg zu Netto-Null: neustark entfernt CO₂ aus der Atmosphäre

Porträtbild von Walter R. Stahel
Sustainable Shapers

Walter R. Stahel: der Architekt der Kreislaufwirtschaft

Ähnliche Artikel

Die Heizzentrale der EPFL nutzt die Abwärme des Rechenzentrums zur Heizung von Gebäuden.
Lebensräume

Warme Computer, die Häuser heizen: Noch wird das riesige Potenzial kaum genutzt

Foto: PD
Lebensräume

Für mehr Energieeffizienz im Gebäudesektor

Foto: BMW
Klima & Energie

Den ganzen Lebenszyklus im Fokus