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Reinigung

Nicht alle gängigen Putzmittel sind wirksam und gleichzeitig gesundheitlich unbedenklich. Bild: Unsplash

Produktion & Konsum

Auch Haushaltsreiniger setzen schädliche Abgase frei - ökologische Produkte deutlich weniger als herkömmliche

Eine amerikanische Umweltgruppe hat 30 gängige Mittel aus dem Supermarkt analysieren lassen. Die Ergebnisse zeigen zudem, warum wir besser auf Sprühflaschen verzichten.

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Auch Haushaltsreiniger setzen schädliche Abgase frei - ökologische Produkte deutlich weniger als herkömmliche

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Das WC soll richtig sauber sein, die Waschbeckenarmatur soll glänzen und das Spülbecken in der Küche natürlich auch. Und zudem soll bitte alles gut riechen. Dafür steht eine Vielzahl von speziellen Reinigungsmitteln zur Verfügung, die nahezu jeder Haushalt auch tapfer versprüht und verwischt. Hand aufs Herz: Wie viele verschiedene Haushaltsreiniger stehen in Ihrem Putzschrank?

Doch diese Mittel tun nicht nur das, was sie versprechen, nämlich Flecken und Bakterien entfernen. Sie können auch schädlich sein, sowohl für die Anwenderin und den Anwender als auch für die Umwelt.

Mehr als 500 Substanzen gefunden

Denn die Mittel setzen beim Sprühen und Schrubben eine Vielzahl von gasförmigen Substanzen frei, sogenannte flüchtige organische Verbindungen, abgekürzt VOC (vom englischen Ausdruck «volatile organic compounds»). Dazu zählen Kohlenwasserstoffe, Chlorgase, Alkohole und auch Duftstoffe. Eine neue Untersuchung der amerikanischen Umweltorganisation Environmental Working Group hat kürzlich 30 gängige, in normalen amerikanischen Supermärkten erhältliche Putzmittel auf VOC getestet.

Untersucht wurden Glas-, WC-, Boden-, Teppich- sowie Allzweckreiniger. 14 von ihnen waren sogenannte konventionelle Mittel, die anderen waren als ökologisch oder «grün» deklariert. Vergleichbare Produkte mit denselben Inhaltsstoffen gibt es auch hierzulande.

Man habe gezielt untersuchen wollen, ob die «grünen» Produkte tatsächlich weniger schädlich seien, betonten die Forscher der Umweltorganisation. Für die Versuche wurde in einem speziellen Prüflabor die laut Anleitung empfohlene Zahl von Sprühstössen beziehungsweise Gelportionen in einer Kammer ausgebracht. Die entstehenden Gase wurden sofort abgesaugt und analysiert. Die Putzleistung der Produkte wurde nicht untersucht.

Die Sieger sind parfümfreie Öko-Putzmittel

Insgesamt setzten diese Mittel 530 unterschiedliche VOC frei. Wie versprochen gaben die «grünen» Reinigungsmittel pro Anwendung weniger Substanzen ab als die konventionellen, nämlich nur halb so viele. Unrühmlicher Ausreisser war das untersuchte Bio-Raumspray. Dieses produzierte insgesamt sehr viele VOC und war zudem nicht besser als das konventionelle Vergleichsprodukt. Am abgasärmsten waren die ökologischen Reiniger ohne Duftstoffe. Sie produzierten achtmal weniger VOC als die konventionellen Produkte.

Natürlich ist nicht jede VOC gefährlich. Doch 193 der detektierten Substanzen aus den Reinigungsmitteln werden gemäss Toxizitätslisten von Behörden in den USA wie in Europa als schädlich für Menschen und/oder die Umwelt eingestuft. So wurden Substanzen entdeckt, die die Atemwege, die Leber oder das Gehirn beeinträchtigen oder Krebs auslösen können.

Zahlreiche der aus den Reinigungsmitteln freigesetzten VOC wurden jedoch in einer derart geringen Menge abgegeben, dass das Einatmen nicht gefährlich war. Aber es gab auch Ausnahmen: So setzten zwei konventionelle Bleichmittel, wie sie zum Beispiel zur Reinigung des WC verwendet werden, Chlorgase und Formaldehyd frei. Diese können bereits in geringen Konzentrationen die Atemwege verätzen oder Allergien auslösen, nach häufigerem Kontakt auch Krebs.

Auch einige freigesetzte Duftstoffe wie Pinene oder das unter anderem in Zitronen vorkommende Limonen sind nicht unbedenklich, teilweise auch in kleinen Mengen nicht. Sie reizen die Atemwege, lösen Allergien aus und sind für Wassertiere schädlich. Erneut zeigten die konventionellen Produkte im Schnitt ein schlechteres Ergebnis.

Zwar setzen andere VOC-Quellen wie der Strassenverkehr, Verbrennungen oder industrielle Prozesse insgesamt deutlich mehr schädliche VOC frei als Putzmittel. Allerdings sind wir den Letztgenannten meist direkt und regelmässig ausgesetzt. Aus früheren Studien ist bekannt, dass Putzmittel und ihre Abgase daher langfristig gesundheitsschädlich sein können.

So leiden Menschen, die im Beruf oder auch zu Hause häufig bis nahezu täglich putzen, öfter an Allergien, Atemwegserkrankungen oder Störungen der Lungenfunktion. Eine internationale Studie hat bei mehr als 6000 Probanden mehrmals Lungenfunktionstests durchgeführt. Diejenigen Frauen, die 20 Jahre lang regelmässig mit Putzmitteln hantiert hatten, wiesen eine ähnlich schlechte Lungenleistung auf wie Personen, die ein Jahr lang täglich 20 Zigaretten rauchten.

Basierend auf den neuen Ergebnissen sowie auf früheren Studien liessen sich einige Handlungsempfehlungen ableiten, betonen die Forscher der Environmental Working Group. So seien als ökologisch deklarierte Reiniger wirklich besser, sowohl für die Nutzer als auch für die Umwelt. Vor allem solle man zu Produkten ohne Duftstoffe greifen. Zudem solle man wenn möglich Gele oder Flüssigkeiten statt Sprays nutzen, da bei den Letztgenannten mehr Gase und Partikel in unsere Atemwege gelangten. Und last, but not least solle auf Raumduftsprays verzichtet werden. Stattdessen sei es besser, die Quellen lästiger Gerüche zu entfernen und ausreichend zu lüften.

Stephanie Lahrtz, «Neue Zürcher Zeitung» (15.09.2023)

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