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Flugreisen haben nach der Covid-​19-Pandemie wieder zugenommen - auch an der ETH Zürich.

Bild: Pixabay

Klima & Energie

ETH Flugreisen-Projekt: Mittels Data Stewardship zu mehr Datentransparenz

2022 hat der Flugverkehr wieder stark zugenommen - und das nach einem rund zweijährigen Unterbruch aufgrund der Covid-​19-Pandemie. Um die Emissionen von Flugreisen zu reduzieren, hat die ETH Zürich bereits 2017 ein Flugreisen-Projekt ins Leben gerufen.

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ETH Flugreisen-Projekt: Mittels Data Stewardship zu mehr Datentransparenz

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Die ETH Zürich hat 2017 als eine der ersten Universitäten weltweit ein hochschulweites Projekt mit konkreten, auf Departementsebene definierten Zielen zur Reduktion von Emissionen aus dienstlichen Flugreisen gestartet. Ziel des ETH Flugreisen-​Projekts ist es, einen Reduktionspfad zu verfolgen, der mit wissenschaftlicher Exzellenz und bestmöglichen Karrierechancen für Forschende vereinbar ist und gleichzeitig zu einer messbaren Reduktion der Treibhausgas-​Emissionen der Hochschule beiträgt. Seit Anfang 2022 ist das Flugreisen-​Projekt Teil des von ETH Sustainability geführten Portfolios.

Seit seinem Auftakt vor sechs Jahren hat das Flugreisen-​Projekt in der gesamten ETH-​Gemeinschaft einen regen Dialog über Alternativen zum Fliegen sowie über neue Formen des Austauschs und Formate für Konferenzen, Arbeitstreffen und anderen Arten von Veranstaltungen ausgelöst. Es hat auch zur Formulierung von konkreten Reduktionszielen und - an einigen Departementen - zur Einführung von internen CO₂ g-​Abgabesystemen geführt.

Warum ist die Erfassung der Flugreisen-​Emissionen an der ETH Zürich relevant?

Wesentlicher Grundpfeiler des ETH Flugreisen-​Projekts sind die flugspezifischen, quantitativen Emissionsdaten, die einen bedeutenden Teil der Treibhausgasemissionen der ETH ausmachen und seit 2006 erfasst werden. Damit verfügt die ETH im internationalen Vergleich über eine der längsten Datenreihen zum akademischen Flugverkehr. Die kann als Ausdruck von Kompetenz, aber auch als Ansporn interpretiert werden, entsprechend ehrgeizig zu agieren und Vorreiterin im Bereich des Flugverhaltens sowie in der Forschung und Innovation in der Luftfahrtindustrie zu sein.

Mit dem Daten-​Dashboard auf der aktualisierten Flugreisen-​Website können die ETH-​Flugemissionen in aggregierter Form und in einer bewusst klein gehaltenen Auswahl erkundet werden. Die neue Website umschreibt auch das 2022 von ETH Sustainability ent-​wickelte Konzept des Data Stewardship für die Aufbereitung, Verwaltung und das Monitoring der Emissionsdaten des ETH-​Flugverkehrs. Dabei handelt es sich um einen dreigliedrigen Ansatz, an dem die Einheiten ETH Sustainability, Institutional Research und das Competence Center SAP beteiligt sind, die beiden letzteren aus der Abteilung Controlling. Das Ziel des Ansatzes ist es, die Flugreisen-​Emissionsdaten im Sinne der Datentransparenz und -​offenheit und zur Förderung der Konzepte von Data Sharing und Open Research Data für ETH-​Angehörige und die allgemeine Öffentlichkeit leichter zugänglich und einsehbar zu machen.

Somit können die Flugreisen-​Emissionsdaten mit anderen Reduktions-​ und Effizienzzielen auf dem Campus und im Forschungs-​ und Lehrbetrieb in Zusammenhang gebracht werden und bilden ein wesentliches Monitoring-​Element des Absenkpfads in Richtung Netto-​Null-Ziel der ETH Zürich. Wie im White Paper «Die ETH Zürich strebt nach Netto-​Null bis 2030» dargelegt, will die ETH Zürich die Vorgaben des Klimapakets des Bundes aus dem Jahr 2019 in Bezug auf ihre Treibhausgas-​Emissionen erfüllen. Konkret bedeutet dies, dass sich die Hochschule das Ziel gesetzt hat, bis 2030 unter dem Strich keine Emissionen mehr auszustossen. Dies will sie erreichen, indem sie ihre Emissionen im Vergleich zum Referenzjahr 2006 um mindestens 50% senkt und zur Erreichung des Netto-​Null-Punkts den Rest glaubwürdig kompensiert.

Dienstreisen - ein Bereich, auf den alle ETH-​Angehörigen einen grossen Einfluss haben

Um beim Daten-​Monitoring und bei der Berichterstattung zu Emissionswerten eine möglichst einheitliche Datengrundlage zu haben, orientiert sich die ETH Zürich an den drei Emissionstypen (sogenannte «Scopes») gemäss Greenhouse Gas Protocol. Scope 1 bezeichnet die direkten Emissionen aus eigenen Gebäuden und Fahrzeugen und Scope 2 die indirekten Emissionen aus eingekauftem Strom und Fernwärme. Scope 3 umfasst alle indirekten Emissionen, die sich in den vor-​ und nachgelagerten Wertschöpfungsketten der konsumierten Produkte und Dienstleistungen verbergen. Dienstreisen gehören zu den Scope 3-​Emissionen.

Im Jahr 2017 beliefen sich die Scope 3-​Emissionen der ETH Zürich auf rund 140'000 Tonnen CO₂ -​Äquivalente (tCO₂ eq) und waren damit zehnmal grösser als die Scope 1- und 2-​Emissionen kombiniert (Stolz und Frischknecht, 2019[1]). Die Emissionen aus Dienstreisen an der ETH, von denen rund 93% auf Flugreisen entfallen, sind schätzungsweise mehr als doppelt so gross wie die Scope 1- und 2-​Emissionen zusammen und machen rund 13% der gesamten Scope 3-​Emissionen aus.

Dienstreisen haben somit den drittgrössten Anteil an den gesamten Scope-​3-Emissionen und – noch wichtiger - sie weisen ein entscheidendes Merkmal auf: Alle Studierenden und Mitarbeitenden der ETH können durch eine Änderung ihres Reiseverhaltens die Emissionen dieser Kategorie direkt beeinflussen.

Mittels Datentransparenz zu strikteren Reduktionszielen

In einem partizipativen Prozess setzten sich 2019 alle 16 ETH-​Departemente sowie einige zentrale Einheiten Reduktionsziele für Flugemissionen pro Vollzeitäquivalente (VZÄ) zwischen 5% und 50%, bezogen auf die Basisjahre 2016-​2018. Das ETH-​weite Reduktionsziel von 15% wurde als Mittelwert aus den Einzelzielen abgeleitet. Das Jahr, bis zu dem diese Reduktionen erreicht werden sollten, wurde damals auf 2025 festgelegt.

Nachdem die Emissionen pro VZÄ im Jahr 2019 schon um ca. 20% gesunken waren in Bezug auf die Basisjahre, haben die beiden Pandemie-​Jahre (2020 und 2021) eine aussagekräftige Analyze erschwert und verzögert. Obwohl ETH-​Angehörige während der Corona-​Krise deutlich weniger geflogen waren, stiegen die ETH-​weiten Emissionen pro VZÄ im vergangenen Jahr jedoch wieder auf ca. 50% des Wertes der Basisjahre an. Obwohl dies eine Reduktion darstellt im Vergleich zu den Basisjahren, lässt sich derzeit noch nicht erkennen, ob diese Reduktion nur ein nachklingender Effekt der Pandemie oder eine tatsächliche Senkung aufgrund des Erfolgs des Flugreisen-​Projekts ist.

Der Effekt der Reduktion der Treibhausgas-​Emissionen durch ein klimafreundlicheres Mobilitätsverhalten im Bereich der ETH-​Dienstreisen ist unmittelbar und substanziell. Mit der Transparenz der Flugreisen-​Daten und dem Ziel, die ETH-​weiten Emissionen bis 2030 mindestens zu halbieren, können Werte in Form von Treibhausgas-​Budgets berechnet werden. Eine solche Betrachtung stellt dem bisher freiwilligen Ansatz eine klare organisationale Zielsetzung hinzu, aus der konsequenteres Verhalten und mehr Verbindlichkeit resultieren können. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das bis anhin geltende ETH-​weite Reduktionsziel von 15% bis 2025 nicht mehr ausreicht und in allen Departementen und Einheiten ambitioniertere Ziele gesetzt werden müssen. Das ETH-​Flugreisen-Projekt bietet weiterhin einen optimalen Rahmen und Begleitung für damit einhergehende Aushandlungsprozesse.

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