Logo image
Die zirkuläre Plane der Zukunft geht auf Testfahrt

Elias Bötticher

Produktion & Konsum Wirtschaft

Die zirkuläre Plane der Zukunft geht auf Testfahrt

Freitag entwickelt zusammen mit Industriepartnern eine Lastwagenplane, die auch nach einem langen, nächsten Leben als Tasche nicht im Müll, sondern wieder im Kreislauf landet.

0

Teilen
Link kopieren LinkedIn
Hören
Logo image

Die zirkuläre Plane der Zukunft geht auf Testfahrt

Teilen
Link kopieren LinkedIn
Hören

3 Min.  •   • 

Vor knapp zwei Jahren hat Freitag beschlossen, die Entwicklung einer neuartigen, kreislauffähigen Plane anzustossen, damit diese – wie auch die Taschen, die es einmal daraus geben soll – nicht nur rezykliert, sondern auch endlos rezyklierbar sind, wie das Zürcher Unternehmen am 1. Juni 2022 mitteilt. Das heisst, die Planen müssen zuerst den harten Bedingungen auf der europäischen Transitstrecke standhalten. Später sollen sich daraus wie aus den bisherigen langlebige Unikate schneiden lassen. Aber am Ende ihrer (Taschen-)Tage soll man sie nicht verbrennen müssen, sondern sie sollen sich in ihre Grundstoffe zerlegen lassen können, damit daraus wieder Neues entstehen kann.

Für diesen nach eigenen Angaben abenteuerlichen Ausflug in die dem Taschenunternehmen vorgelagerte Industrie hat sich Freitag intern mit Material- und Kreislauf-Expert:innen verstärkt. Verschiedenste interessierte Industriepartner mit Know-how im Material-, Chemie- und Verbundbereich wurden gesucht, gefunden und an einem runden Tisch mit den deutschen Circularity-Expert:innen der EPEA sowie langjährigen Partnern aus dem Planengeschäft zusammengebracht. Freitag sah und sieht sich in dieser Projektphase hauptsächlich als Kupplerin und spirituelle Beifahrerin der grossen Planenrevolution.

Vier vielversprechende Teilprojekte im Test

Wie die konventionelle wird wohl auch die neue kreislauffähige Plane aus einem robusten Gewebe und einer wasser- und schmutzabweisenden Beschichtung aufgebaut sein. Woraus diese beiden Komponenten genau bestehen werden, ist die alles entscheidende Frage. Zuerst muss die neue Plane den Anforderungen auf der Strasse standhalten und zum Schluss muss man sie wieder in ihre Grundbausteine zerlegen können, damit diese wieder für Neues verwendet werden können. Im Laufe des Projektes haben sich verschiedene Entwicklungsstränge mit unterschiedlichen Partnern und verschiedenen Kombinationen von Gewebe und Beschichtungen herausgebildet, die von den involvierten Parteien weiterentwickelt, geprüft, verworfen und ergänzt wurden. Aktuell liegen vier Prototypen vor.

Weil eine Plane eben noch lange keine Lastwagenplane ist, kam laut Freitag der Schweizer Planenkonfektionär Bieri ins Spiel: Hier wurde das Material von Rivertex bedruckt und mit Gurten und Ösen ausgerüstet, damit die potenzielle Planenrevolution auch auf den kleinen LKW geschnallt werden kann. Jetzt dreht sie bei Sonne, Wind und saurem Regen ihre Runden. Dabei wird sich zeigen, wie gut sich das Polypropylen-Material als Lastwagenplane behauptet – ob es zum Beispiel nicht zu schnell spröde wird und nicht zuletzt, ob und wie gut die Planenbeschriftung haftet. Dies ist nicht nur für die Speditionsunternehmen, sondern auch für Freitag zentral, denn am Ende des Tages sollen ja schliesslich einmal begehrte Taschenunikate aus der Plane entstehen.

Zirkuläre Geschäftsmodelle und Prozesse

Welches der vier Teilprojekte mit welchen Materialien einmal zur ersten kommerziellen, kreislauffähigen Lastwagenplane wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht voraussagen. Vielleicht wird es auch mehr als nur eine Alternative zur bestehenden PVC-Plane geben, denn schliesslich führen viele Autobahnen nach Mailand – und niemand weiss, auf welcher man gerade am schnellsten und am günstigsten nach Rom kommt. «Während für den einen Entwicklungsstrang die höhere Kreislauffähigkeit spricht, wird der tiefere Materialpreis das Hauptargument für einen anderen sein», relativiert Anna Blattert, Circular Technologist bei Freitag, den aktuellen Stand der verschiedenen Teilprojekte.

Vom Know-how, das man jetzt mit den ersten Prototypen gewinnt, werden auch die anderen Entwicklungen schon sehr bald profitieren, denn auch diese werden weiter mit Hochdruck weitergetrieben, teilt das Taschenunternehmen weiter mit. Parallel dazu werden die Gespräche über passende zirkuläre Geschäftsmodelle und Prozesse intensiviert. Schliesslich muss sichergestellt werden, dass das kreislauffähige Material am Ende des einen Lebenszyklus die Einfahrt in den nächsten findet und die innovativen zirkulären Planen im endlosen Kreislauf bleiben, statt im Müll zu landen.

Zirkuläre Plane Freitag
play button

Dieser Artikel erscheint unter

Werbung

Beliebte Artikel

Empfohlene Artikel für Sie

Darf man heute noch mit Beton bauen?
Bauen & Wohnen

Darf man heute noch mit Beton bauen?

Der Künftige Recivlingbehälter von Zürich
Gesundheit

Design für die Tonne: Die Stadt Zürich hat ihren neuen Recycling-Behälter teilweise selbst entwickelt – das sieht man ihm an

https://pixabay.com/photos/bottles-plastic-child-labour-6348121/
Klimawandel

Kunststoffe eignen sich kaum für Recycling. Ein Forschungszentrum in Deutschland soll das ändern – finanziert mit Millionen aus der Schweiz

Ähnliche Artikel

Plastik – nein danke?
Kreislaufwirtschaft

Plastik – nein danke?

Foto: economiesuisse
Kreislaufwirtschaft

Aus dem Wallis für die Welt

Foto: PD
Kreislaufwirtschaft

Lang leben mobile Geräte