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Wie nachhaltig sind Volksfeste?
Gesellschaft

Wie nachhaltig sind Volksfeste?

Kann man guten Gewissens zu Grossveranstaltungen wie Basler Herbstmesse oder Züri Fäscht gehen und unbeschwert feiern? Die Meinungen fallen hier sehr unterschiedlich aus. Ob und inwieweit Volksfeste nachhaltig sind, hängt von vielen Faktoren ab. Eine grosse Rolle spielt, ob sich die Organisatoren in der Pflicht sehen und entsprechende Massnahmen ergreifen.

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Die Menschen kommen zusammen, die Abfallberge auch

Volksfeste belasten die Umwelt und sind alles andere als nachhaltig

Enormer Ressourcenverbrauch: Volksfeste verbrauchen enorm viel Wasser und erfordern grosse Mengen an Energie für Beleuchtung, Fahrgeschäfte, Musik und für die Kühlung von Getränken und anderen Lebensmitteln. Die Basler Herbstmesse zum Beispiel verbraucht so viel Strom wie 3300 Familien.

Wahre Abfallberge: Grosse Veranstaltungen erzeugen in der Regel auch Müll en masse, einschliesslich Plastikbechern, Einweggeschirr und Verpackungsmaterialien. Allein am Züri Fäscht 2023 fielen insgesamt 260 Tonnen Kehricht und 55 Tonnen Wertstoffe an.

Belastungen durch Transport und Logistik: Die An- und Abreise der Besucherinnen und besucher kann, ebenso wie die Anlieferung von Waren und Aufbauten, den CO2-Fussabdruck erheblich beeinflussen. Wer das Fest zum Beispiel mit dem eigenen Auto ansteuert, trägt zu einer höheren Belastung der Umwelt bei.

Hohe Kosten: Volksfeste sind für die Behörden und Kommunen meist mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden, etwa für Sicherheitsmassnahmen oder die Reinigung des Festgeländes. Die entsprechenden Mittel könnten auch sinnvoll für andere Zwecke genutzt werden.

Auch eine Chance aufzuklären und zu lernen

Volksfeste sind ökologisch ein No-Go, können aber nachhaltig gemanagt werden

Eine Frage des Konzepts: Dass Volksfeste die Umwelt durch Ressourcenverbrauch und Emissionen aller Art belasten, steht ausser Frage. Entscheidend ist, ob die Organisatoren auf Faktoren wie Energie- und Wasserverbrauch achten und nachhaltige Konzepte entwickelt haben – so wie zum Beispiel das Züri Fäscht oder das Münchner Oktoberfest.

Einsatz von Öko-Strom: Nachhaltigkeit hängt davon ab, wie die auf Volksfesten verbrauchten Energiemengen erzeugt werden. Wenn erneuerbare Energiequellen wie Solarenergie oder Windkraft verwendet werden, kann dies die Nachhaltigkeit verbessern. Auf dem Münchner Oktoberfest zum Beispiel werden alle öffentlichen Bereiche auf dem Gelände mit Öko-Strom betrieben. Auch die Schausteller, Marktkaufleute und Festzelt-Wirte werden damit versorgt. Eines der riesigen Zeltdächer ist zudem mit Sonnenkollektoren ausgestattet.

Recycling der Abfälle: Jedes Volksfest sollte heute über ein effizientes Abfallmanagement-System verfügen, das ein umfassendes Recycling fördert. Um das Müllaufkommen zu verringern, ist es auf manchen Volksfesten inzwischen verboten, Speisen und Getränke auf Einweggeschirr und in Getränkedosen zu servieren. Am Züri Fäscht 2023 wurde auch erstmals in der Schweiz ein Abfallkonzept mit Fokus auf Recycling bei einem Volksfest mit über zwei Millionen Besucherinnen und Besuchern realisiert. Mit Unterstützung von 400 sogenannten Recycling-Heroes ist es gelungen, die Kehrichtmenge (also den nicht wiederverwendbaren und nicht rezyklierbaren Abfall) um 20 Prozent zu reduzieren.

Anreise ohne Privatfahrzeuge: Veranstalter fördern die Nachhaltigkeit ihrer Volksfeste, indem sie den Zugang zu öffentlichen Verkehrsmittel erleichtern und Veloabstellplätze bereitstellen. Immer häufiger werden auswärtige Besucherinnen und Besucher dazu aufgefordert, mit Zug, Bus oder Tram anzureisen, Carsharing-Angebote zu nutzen und Mitfahrgemeinschaften zu bilden.

Wasser-Recycling: Volksfeste benötigen Wasser für Essenszubereitung, sanitäre Anlagen und Reinigungszwecke. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Ressource ist mitentscheidend, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Eine Massnahme zur Wassereinsparung ist die Einrichtung von Wasser-Recycling-Anlagen, wie dies auf dem Münchner Oktoberfest der Fall ist. Dabei wird Nachspülwasser der Bierkrug-Spülmaschinen aus mehreren Festzelten aufbereitet. Anschliessend kann das Wasser für die Zelt-Toiletten verwendet werden.

Lebendige Traditionen fördern: Man sollte bei aller Kritik nicht vergessen, dass Volksfeste oft ein wichtiger Teil der Kultur und der sozialen Bindungen einer Gemeinschaft sind. Die Förderung von kulturellen Aktivitäten und Traditionen kann zur Nachhaltigkeit beitragen, indem sie die lokale Identität und die Gemeinschaft stärken. Ausserdem kann auch aktiv auch nachhaltige Praktiken hingewiesen werden – womit Volksfeste gleich noch einen Bildungscharakter erhalten.

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