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Der Baselbieter Emmanuel Wandji Tchatat ist leidenschaftlicher Fussballfan, Content-Creator und Gen Z-Experte. Bild: zvg

Gesellschaft

«Profifussball kann nicht zu 100% nachhaltig sein»

Fussballer und Gen Z-Experte Emmanuel Wandji Tchatat im Interview über die wachsende Rolle der Sozialen Medien im Fussball und Nachhaltigkeit im Sport.

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Du spielst selbst leidenschaftlich Fussball beim FC Liestal und bist aktiv auf Social Media. Im Jahr 2020 hast Du einen Tiktok-Account für den Fussballverein Delay Sports Berlin aufgebaut. Wie kamst Du dazu? «Die Idee einen Tiktok-Account für den Verein zu gründen, entstand aus Langeweile in einer Verletzungspause. Delay Sports Berlin wurde von zwei Deutschen Influencern gegründet, die ich in den Sozialen Medien schon länger verfolgt habe. Um ihren Verein zu promoten, stellten sie jeweils eigene Videos der Spiele auf Youtube. Doch mir fiel auf, dass sie keinen offiziellen Account auf Tiktok hatten. Also habe ich entschlossen, einen zu erstellen.»

Der Tiktok-Account von Delay Sports Berlin hat mittlerweile mehr als 534000 Follower. Braucht ein Fussballverein einen erfolgreichen Social Media Auftritt, um heute Fans für sich zu begeistern? «Ich glaube, dass ein Verein auch ohne einen erfolgreichen Social-Media-Kanal Zuschauer und Fans mobilisieren kann. Die Begeisterung für einen Fussballclub wird oft über Generationen weitergegeben. Man geht bereits als Kind mit seiner Familie ins Stadion oder lebt in der Stadt eines Clubs. Doch über die Sozialen Medien wie Tiktok oder Instagram erreicht man eine vielfältigere Zielgruppe, einschliesslich und vor allem junge Fans, die möglicherweise nicht über traditionelle Kanäle angesprochen werden. Zudem bieten sie die Möglichkeit für mehr Berührungspunkte im Alltag, um die Bindung mit den Fans aufzubauen und zu pflegen.»

In den Sozialen Medien sind vor allem jüngere Fans der Generation Z aktiv. Dort vertreten sie teilweise stark ihre Ansichten und Werte. So nimmt die Generation Z Nachhaltigkeitsthemen sehr ernst. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im modernen Fussball? «Ich denke, Nachhaltigkeit spielt im modernen Fussball durchaus eine Rolle. Es ist aber eine grosse Herausforderung für Profi-Vereine. Viele Ligen sind länderübergreifend und es soll künftig noch mehr Ligen geben. Rein logistisch ist es gar nicht möglich, dass ein Spieler unter der Woche mit dem Zug von Hamburg nach Spanien reist und am Wochenende dann in Schweden auf dem Platz steht. Daher denke ich, dass die Vereine ihre Verantwortung eher in Form von sozialen Engagements wahrnehmen.»

Kennst Du Beispiele für solche nachhaltige Engagements im Schweizer Fussball? «Spontan fallen mir keine Beispiele ein. Das zeigt vielleicht auch, dass sich die Aufmerksamkeit für die Thematik noch in Grenzen hält.»

Profifussball kann Deiner Meinung nach also nicht nachhaltig sein? «Nein, nicht zu 100%. Aber man kann den Sport nachhaltiger machen.»

Wie geht es Deiner Meinung nach auf, dass die Generation Z dann trotzdem Fussballspiele schaut? «Als Fan ist man in solchen Fällen oft zwiegespalten. Denn auch wenn einem Nachhaltigkeit wichtig ist, hat man meist über mehrere Jahre hinweg eine emotionale Bindung zu gewissen Spielern oder einem Verein aufgebaut. Diese überwiegt bei den meisten in solchen Fällen. Ein gutes Beispiel dafür war die WM 2022 in Katar. Im Vorfeld wurde viel darüber diskutiert, dass eine WM in Katar moralisch verwerflich und auch nicht nachhaltig ist. Im Vorfeld der Spiele haben deshalb viele angekündigt, die WM zu boykottieren. Am Ende haben aber fast 1,5 Milliarden Menschen weltweit das Finale live mitverfolgt – mehr als jemals zuvor. Auch ich, wenn ich ehrlich bin. Weil ich dann eben doch die Spiele sehen wollte.»

Die Fifa muss also von jüngeren Fans keinen Boykott fürchten? «Den absoluten Zuschauerzahlen zufolge wahrscheinlich nicht. Ich fände jedoch eine Auswertung spannend, in der die demografischen Merkmale der Zuschauer des WM-Finales aufgeschlüsselt werden.»

Inwiefern unterscheiden sich denn Fans der Generation Z von den älteren Fans? «Einer Umfrage von Zeam und YouGov zufolge ist Youtube die meistgenutzte Plattform für den Sportkonsum jüngerer Fussballfans. Viele schauen die Spiele also nicht mehr live. Das bedeutet, dass sich der Fussball vom klassischen TV-Format entfernen könnte. Diese Annahme wird durch eine weitere Umfrage unterstützt, bei der 31% der sportinteressierten Befragten angaben, dass eine Partie mit 90 Minuten Spielzeit zu lange dauert. Dabei handelt es sich zwar noch um eine Minderheit, doch ich kann mir vorstellen, dass diese Zahl in den kommenden 10 Jahren steigen wird. Wenn die Zuschauerzahlen dann tatsächlich zurückgehen, könnte es Anpassungen geben.»

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