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Auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen ist die Baubranche nicht nur ein Teil des Problems. Sie kann auch ein wichtiger Teil der Lösung sein. Foto: iStock

Wirtschaft Partner Inhalt: Boston Consulting Group (BCG)

Circelligence – intelligenter Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft ist ein essenzieller Bestandteil jeder Nachhaltigkeitsstrategie – gerade im Umfeld der Bauindustrie. Doch wie lassen sich die damit einhergehenden Emissionen und Reduktionsmöglichkeiten überhaupt eruieren? Das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group hat zusammen mit dem Werkzeughersteller Hilti einen Bewertungsschlüssel entwickelt, mit dem Transparenz hinsichtlich des Wiederverwendungspotenzials von Maschinen und Material hergestellt und Kreislaufprozesse aufgegleist werden können.

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Circelligence – intelligenter Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft

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Die Bauindustrie gilt als eine der Hauptverantwortlichen im Zusammenhang mit der Erderwärmung. Wachsende Bevölkerungszahlen erfordern die Schaffung von immer mehr Infrastruktur, mehr Infrastruktur erfordert immer mehr Ressourcen – diese Gleichung ist schnell aufgestellt. Weltweit werden schon heute bis zu 50 Prozent der verfügbaren Rohstoffe vom Baugewerbe und dessen Zweigen beansprucht. Hierzulande zeichnet die Bauindustrie nach Schätzungen der Wissens- und Netzwerkplattform «Circular Hub» für 80 Prozent der Abfallproduktion sowie für 40 Prozent der CO2-Emissionen und 45 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich.

Eindrückliche Zahlen, die leicht darüber hinwegtäuschen können, dass man in der Branche aktiv geworden ist. Wer sich einmal an eine grosse Baugrube stellt, wird unweigerlich feststellen, wie viel Material bereits heute schon vor Ort separiert und anschliessend der Wiederverwertung zugeführt wird. Die Bauindustrie und die zugehörigen Branchen sind also nicht nur ein Teil des Problems, auf dem Weg zu Netto-Null können sie gleichzeitig ein wichtiger Teil der Lösung sein. Dann beispielsweise, wenn sie ihre Aktivitäten hinsichtlich einer effizienten Kreislaufwirtschaft noch stärker intensivieren. Wie in sämtlichen Bereichen des Alltags ist nämlich auch in diesem gewichtigen Wirtschaftszweig der Dreisatz «kaufen - nutzen - wegwerfen» absolut passé. Angesagt hingegen sind all jene Bemühungen, die den Fokus auf das Wiederverwenden, das Reparieren, Aufarbeiten und Recyceln von Maschinen und Materialien richten. Kurz: Die Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, Rohstoffe und Materialien so lange zu verwenden, zu recyceln und aufzubereiten, dass der Lebenszyklus deutlich verlängert wird. Das zahlt sich nicht allein für die Umwelt und die Gesellschaft aus, sondern letztlich auch für jedes einzelne Unternehmen.

Transparenz herstellen, Lösungsansätze ableiten

Noch jedoch tun sich viele Betriebe der Bauindustrie schwer mit der Zirkularität und deren konkreter Umsetzung. Wie die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und das Departement Wirtschaft der Berner Fachhochschule in einer repräsentativen Studie eruiert haben, setzen erst 8 bis 12 Prozent der Schweizer Baubranche konkrete Kreislaufwirtschaftsaktivitäten mit dem Schwerpunkt Recycling um. Dass die Sensibilität diesbezüglich nicht ausgeprägter ist, diesen Umstand schreibt Daniel Kaegi, Managing Director und Senior Partner des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) Schweiz, in erster Linie dem Fehlen globaler Standards zur Messung einzelner Aspekte der Kreislaufwirtschaft zu. «Um Organisationen und Systeme nachhaltig zu verändern, braucht es zudem konkrete Anreize, welche die spezifische Skalierbarkeit in der jeweiligen Umgebung berücksichtigen», erläutert Kaegi. «Nur so können Verhaltensweisen effektiv beeinflusst werden.» Der Effekt von Anreizsystemen wird seiner Meinung nach heute noch unterschätzt. «Richtig angewandt, treiben sie den Wandel sicher zu 80 Prozent voran.»

Mithilfe einer Datenbank wird sichergestellt, dass Kunden passgenaue Produkte erhalten und keine Ressourcen für überflüssige Geräte verschwenden.

Eine weitere wichtige Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem Faktor Transparenz zu. Um eine solche herzustellen und griffige Strategien ableiten zu können, sind wiederum verlässliche Daten unabdingbar. Da diese nicht allein in den eigenen Reihen erhoben werden müssen und können, sondern auch über die gesamte Lieferkette hinweg – Stichwort: Scope 3 –, sehen sich viele Unternehmen mit ihrer bestehenden technologischen Infrastruktur schnell einmal vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. «In der Vergangenheit hat es an praktischen Werkzeugen gefehlt, um an die für sämt- liche Nachhaltigkeitsstrategien wichtigen, lückenlosen und damit aussagekräftigen Datensätze zu kommen», so Daniel Kaegi. Er wählt bewusst die Vergangenheitsform, denn zumindest in technologischer Hinsicht zeichnet sich am Horizont nunmehr ein Silberstreifen ab.

Passgenaue Produkte, mehr Wiederverwertung

Der bekannte Baugerätehersteller Hilti hat seine Nachhaltigkeitsbemühungen bereits vor mehr als 20 Jahren intensiviert. Dies drückt sich beispielsweise in der langen Lebensdauer der gefertigten Geräte oder der Wiederverwertung von Materialien und den Leasingmöglichkeiten aus. Jetzt hievt Hilti die Zirkularität auf ein neues Level. Zusammen mit BCG und dem Softwarekonzern SAP hat das Liechtensteiner Unternehmen nämlich einen Bewertungsschlüssel entwickelt, der Aufschluss über den Materialverbrauch und die Materialströme liefert – und so die Ableitung konkreter Lösungen ermöglicht.

Oberstes Ziel der gemeinsam entwickelten und von Hilti als weltweit erstes Unternehmen angewendeten Circelligence-Methodik ist es, Ressourcen im Kreislauf zu halten und damit gleichzeitig mögliche Risiken in der Lieferkette zu minimieren sowie die Abhängigkeit von den volatilen Rohstoffmärkten zu senken. Als strategischer Ansatz hilft Circelligence Hilti, Klarheit in ein äusserst komplexes Thema zu bringen.

Der digital zugängliche Bewertungsschlüssel enthält sowohl qualitative als auch quantitative Ziele der Kreislaufwirtschaft wie etwa die Langlebigkeit eines Produkts, die Möglichkeit zur Reparatur oder die Frage, ob Outsourcing mehr Sinn macht als Eigentum. Im Falle von Hilti orientiert sich die Cloud-Lösung an den drei Kernbereichen Reduzieren, Wiederverwerten und Recyceln. Umsetzung und Fortschritte werden von Circelligence laufend ausgewertet und über die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) visualisiert, wodurch der Verbrauch von Materialien und Ressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ersichtlich wird – Zulieferer inklusive. Dank der Datenbank kann beispielsweise sichergestellt werden, dass Kunden passgenaue Produkte erhalten und keine Ressourcen für doppelte, überflüssige oder ungenutzte Geräte verschwendet werden. Die Erkenntnisse von Circelligence haben Hilti bei der Definition einer umfassenden Strategie unterstützt, welche allein im Jahr 2022 die Rückgewinnung von 120 000 Ersatzteilen und die Einsparung von 90 Tonnen wertvoller elektronischer Motoren und Rotoren ermöglicht hat.

Für Daniel Kaegi von BCG sind Hilti und Circelligence letztlich ein gutes, weil nachvollziehbares Beispiel dafür, wie dank der Schaffung von Anreizen und einer adäquaten Technologie die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft datenbasiert untermauert und im Zuge dessen griffige Lösungen abgeleitet werden können. Klar sei aber auch, dass eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft das Engagement der gesamten Branche erfordere und die vielverzweigten Wertschöpfungsketten koordiniert angegangen werden müssten.

«Zirkularität hat das Potenzial, rund 75 Prozent des Geschäftsvolumens zu beeinflussen», ist sich Kaegi sicher. BCG Circelligence seinerseits helfe den Unternehmen dabei, ihre Kreislaufwirtschaftsinitiativen und Ressourceneffizienz in eminenter Manier zu verbessern. «Und dies getreu dem wichtigsten Grundsatz der Kreislaufwirtschaft, dass mit weniger eben auch mehr erreicht werden kann.»

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Daniel Kaegi ist Managing Director und Senior Partner, Leader Climate und Sustainability Practice Switzerland, Leader Operations Practice in Switzerland, Boston Consulting Group.

Fünf Schritte zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

  1. Nachhaltigkeit erstreckt sich über die Wertschätzung von Rohstoffen hinaus und beinhaltet ebenso die Reduzierung von Risiken in den Lieferketten sowie die Verminderung der Abhängigkeit von volatilen Märkten.
  2. Die Verfügbarkeit der richtigen Daten spielt im Rahmen der Nachhaltigkeitsbemühungen eine entscheidende Rolle. Nicht nur die finanziellen Aufwendungen sind relevant, sondern vor allem die Menge der verwendeten Ressourcen und deren Auswirkungen bilden die Grundlage für eine fundierte Analyse.
  3. Ein Unternehmen sollte die Bottom-Line detailliert untersuchen, um festzustellen, wie viele Materialien verwendet und welche Recyclingquoten erreicht werden.
  4. Dieser umfassende Blick auf die Nachhaltigkeit ermöglicht es, ganzheitliche Strategien und Massnahmen zu entwickeln, die sowohl qualitative als auch quantitative Ziele umfassen.
  5. Durch strategische Partnerschaften und Kooperationen können Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit transparent und automa-tisiert dargelegt werden. Dies bietet eine wertvolle Möglichkeit, den Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft intern und extern zu kommunizieren.
Weitere Informationen

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von BCG erstellt.

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