Schwalbe ist nach eigenen Aussagen bei Fahrradreifen in Europa Marktführer. Seit 1922 kümmert sich das Familienunternehmen Bohle um Fahrräder, seit 1973 unter dem Markennamen Schwalbe um Fahrradreifen und -schläuche. Diese produziert das Unternehmen mit seinem koreanischen Partner Hung-A in Asien.
Heute ist Schwalbe mit seinen etwa 280 Mitarbeitern und rund 20 Millionen verkauften Reifen pro Jahr der Marktführer in Deutschland. Bekanntestes Produkt dürfte seit 1983 der Schwalbe-Marathon sein, einer der ersten langlebigen Fahrradreifen auf dem Markt und nun in der sechsten Generation als Marathon Green im Handel. Neue Reifen entwickeln können die Ingenieure. Doch was ist mit Altreifen? Die waren lange ein ungelöstes Problem.
Auf neues Öl und Russ wird verzichtet
Anfang der 1990er Jahre traten Händler an Schwalbe heran und fragten nach einem Recycling-Kreislauf. Schwalbe reagierte, sammelte das alte Gummi ein und liess es zu Werkstattmatten verarbeiten. Doch das Downcycling-Verfahren blieb Rohstoffverschwendung. Schwalbe suchte einen neuen Lösungsansatz für ein umfassendes Recycling.
Auf Basis eines seit den 1970er Jahren bekannten Verfahrens entwickelte der Werkstudent Sebastian Bogdahn ab 2019 gemeinsam mit der TH Köln und dem saarländischen Unternehmen Pyrum Innovations AG eine Methode zur Verwertung von Fahrrad-Altreifen: eine Pyrolyse, eine chemische Umwandlung bei hohen Temperaturen.
Beim thermochemischen Recycling, wie Pyrolyse auch genannt wird, zersetzen sich Altreifen in Gas, das nach der Abkühlung zu Flüssigkeit kondensiert. Das gewonnene Pyrolyseöl wird als Ersatz für Rohöl verwendet. Die nicht kondensierten Gase lassen sich zur Beheizung und zum Betrieb der Pyrolyseanlage und der Peripherie verwenden. Der übrig bleibende Pyrolyseruss (recovered carbon black, rCB) wird als Ersatz für Industrieruss verwendet.
Bei der Pyrolyse erhalten Unternehmen hochwertige Rohstoffe und können so auf neues Rohöl und Industrieruss verzichten. Dabei bleiben Qualität und Performance bei den späteren Produkten durch entsprechende Anpassung in der Entwicklung gleich oder werden sogar besser. Ein wichtiger Schritt: Denn das grösste Potenzial zu CO2-Einsparung liegt bei den Rohstoffen.
Aus Granulat werden einzelne Rohstoffe
Gemeinsam mit Altreifen von Pkw und Lkw wird das schwarze Gummi in den Anlagen der Pyrum Innovations AG im Saarland in einem mehrstufigen Verfahren weiterverarbeitet. In der ersten Stufe schreddern Maschinen die Altreifen, in der zweiten produziert die Anlage feines Gummigranulat, Gewebefasern und Stahlgranulat. Das Gummigranulat durchläuft einen rund 20 Meter hohen Pyrolysereaktor.