Strenge Qualitätskontrollen
Mit seinen mehr als 100 Shops verfügt Swisscom über einen grossen Hebel, um das Konzept der Kreislaufwirtschaft schweizweit umzusetzen. «Das beginnt schon damit, dass wir unseren Kundinnen und Kunden die Nutzung der passenden Secondlife-Programme so einfach wie möglich machen», so Marius Schlegel.
Ein entscheidender Baustein der Strategie ist die Kooperation mit dem internationalen Spezialisten Recommerce. Während Swisscom den Kundenzugang, die Logistik und den Vertrieb verantwortet, übernimmt das Partnerunternehmen die technische Aufbereitung der gebrauchten Geräte. Die Prozesse sind standardisiert und transparent, die Qualitätskontrollen streng – gemäss den internationalen ISO-Normen und dem RECQ-Label (Qualitätsüberprüfung durch DEKRA Certifications). Wenn Kundinnen und Kunden ihre alten Smartphones im Rahmen von «Buyback» und «Mobile Aid» bei Swisscom zurückgeben, werden die Geräte von Recommerce zunächst getestet, dann gereinigt und bei Bedarf repariert. Was noch funktionstüchtig ist, wird als sogenanntes «Refurbished»-Gerät weiterverkauft, nur die nicht mehr reparablen Produkte werden aussortiert und effizient recycelt.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Im Unterschied zu neu hergestellten Smartphones, die Emissionen von bis zu 80 Kilogramm CO₂-Äquivalenten verursachen, fallen bei wiederaufbereiteten Geräten nach Angaben der GSMA, dem weltweiten Verband der Mobilfunkanbieter, nur rund acht Kilogramm CO₂-Äquivalente an. Bei einer zusätzlichen Lebensdauer von einem Jahr ergeben sich so Einsparungen von circa 70 Prozent. Ein weiterer wirtschaftlicher Pluspunkt des Kreislaufkonzepts: «Wiederaufbereitete Smartphones sind im Verkauf günstiger als Neugeräte und sprechen damit eine wachsende Kundengruppe an», erläutert Jérôme Grandgirard, Managing Director der DACH-Region bei Recommerce. Laut einer Studie von Kantar Insight gaben 2025 mehr als 60 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer an, am Kauf eines Refurbished-Produkts interessiert zu sein, 77 Prozent von ihnen nannten als Grund den günstigeren Preis.
Wie Fachleute im Forschungsbereich Digitale Transformation am Wuppertal-Institut betonen, orientiert sich der branchenübliche Lebenszyklus eines Smartphones bislang vor allem an den Zielgruppen von Tech-Begeisterten und Personen mit ausgeprägtem Sinn für Ästhetik. Gerade sie legten grossen Wert auf neue Modelle und aktuelle Technologien. «Doch andere Zielgruppen, wie Pragmatiker und Pragmatikerininnen, Nachhaltigkeits-Enthusiasten und -Enthusiastinnen, preissensible Konsumierende und Langzeitnutzende, sind aufgeschlossener gegenüber einer längeren Nutzungszeit oder dem Kauf von wiederaufbereiteten Geräten», heisst es in einem Diskussionspapier. «Aktuelle Geschäftsmodelle schöpfen das Potenzial dieser Gruppen mit einem geschätzten Anteil von über 60 Prozent jedoch nur unzureichend aus.» Hersteller sollten nach Ansicht der Forschenden daher stärker auf Reparierbarkeit und Langlebigkeit setzen. Dies umfasst unter anderem das Design modularer Smartphones, die sich leichter reparieren lassen, und die Bereitstellung von günstigen sowie leicht zugänglichen Ersatzteilen.
Lebenszyklus ganzheitlich denken
Wie eine Anfang des vergangenen Jahres veröffentlichte Comparis-Studie ergeben hat, behalten die Schweizerinnen und Schweizer ihre Smartphones inzwischen tatsächlich immer länger. Während 2020 nur 22 Prozent ihr Handy mindestens drei Jahre nutzten, waren es 2024 bereits 31,3 Prozent. Die technische Entwicklung macht’s möglich: Grössere Akkus und regelmässige Software-Updates lassen eine problemlose Nutzung auch älterer Geräte zu. Der Trend geht zum Occasions-Handy. Jeder Zehnte kaufte 2024 ein gebrauchtes Smartphone. 2020 waren es nur 8,3 Prozent.
Trotz aller Fortschritte bleibt die Herausforderung gewaltig. Der jährliche Absatz neuer Smartphones ist hoch, und zahlreiche Geräte verschwinden noch immer ungenutzt in den Schubladen. Genau hier setzen Rücknahme- und Eintauschprogramme an: Sie sollen Anreize schaffen, alte Geräte zurückzugeben, statt sie im Haushalt zu horten oder unsachgemäss zu entsorgen. Jede Rückgabe ist ein weiterer potenzieller Beitrag zur Ressourcenschonung.
Swisscom sieht seine Kreislaufwirtschaftsprogramme als Teil einer langfristigen Transformation. «Ziel ist es, den Lebenszyklus von Smartphones ganzheitlich zu denken – von der Beschaffung über die Nutzung bis zur Wiederverwendung und zum Recycling», so Swisscom-Experte Marius Schlegel. Die Kooperation mit Recommerce zeigt, dass solche Modelle in der Praxis bestens funktionieren, wenn technisches Knowhow, Logistik und Markt zusammenkommen.