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«Bis 2023 werden wir klimaneutral sein»

Michael Locher-Tjoa ist Managing Director von SAP Schweiz. Foto: PD

Klima & Energie Content: SAP

«Bis 2023 werden wir klimaneutral sein»

SAP-Kunden generieren 87 Prozent des weltweiten Handels: Schweiz-Chef Michael Locher-Tjoa über die Chancen und Herausforderungen, die gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft aktiv mitzugestalten.

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«Bis 2023 werden wir klimaneutral sein»

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Nachhaltigkeit ist heute ein Muss. Konsumenten, Investorinnen, Regulierungsbehörden und Mitarbeitende verlangen immer häufiger sozial, ökologisch und wirtschaftlich verantwortungsvolle Produkte und Dienstleistungen. Viele Unternehmen scheinen jedoch überfordert mit dem Übergang in eine umweltfreundliche Zukunft. Es fehlt meist an einer klaren Nachhaltigkeitsstrategie. Diese aufzusetzen, ist zwar komplex, aber essenziell. Michael Locher-Tjoa, Managing Director von SAP Schweiz, ist begeisterter Wanderer und sehr passioniert, wenn es um die Umsetzung technischer Lösungen für ein grünes Morgen geht. Im Interview gibt er Antworten darauf, wo und wie Firmen am besten den Schritt in eine nachhaltigere Wirtschaft tun.

Wenn Sie mit Schweizer Kunden sprechen: Wo drückt der Schuh am meisten?

Michael Locher-Tjoa: Am Bewusstsein mangelt es nicht, Schweizer Unternehmen sind sehr gut über die Nachhaltigkeitsthematik informiert. Aber es fehlen die wichtigen Daten als Entscheidungsgrundlage. Weil Informationen aus vielen verschiedenen Bereichen erforderlich sind, bedeutet Nachhaltigkeit aus betrieblicher Sicht immer auch Datenintegration.

Was heisst das konkret?

Führungskräfte benötigen Werkzeuge, mit denen sie in ihren durchgängigen Geschäftsprozessen Echtzeitdaten erfassen und auswerten sowie Massnahmen daraus ableiten können. Dadurch können sie eine «grüne Dimension» im gesamten Unternehmen etablieren. Anschliessend müssen sie ihre Ergebnisse für eine Vielzahl von Stakeholdern wie Mitarbeitende, Partner, Kunden, Regulierungsbehörden und Investoren umfassend sowie präzise darstellen.

Seit diesem Jahr unterliegen grössere Firmen in der Schweiz einer Transparenz- und Sorgfaltspflicht. Sie müssen jährlich Rechenschaft über Umwelt- und Sozialbelange ablegen. Was empfehlen Sie diesen Unternehmen?

Es geht darum, Vorgehensweisen zu definieren, um CO2-Emissionen zu reduzieren, aber auch das Geschäftsmodell und dessen Wirksamkeit kritisch zu prüfen. Da stellen sich nicht nur Fragen zur eigenen Produktion, zum firmeninternen Ressourcenverbrauch. Auch die Beschaffung von Material, die Vorproduktion oder die nachgelagerte Lieferkette muss in den Fokus rücken. Im Vordergrund stehen Fragen wie: Mit welchem Ressourceneinsatz und unter welchen Arbeitsbedingungen werden die Produkte hergestellt? Wie wird Abfall vermieden, recycelt und wiederverwendet? Auf welchen Wegen gelangen die Produkte zu den Kunden? Wer die Nachhaltigkeit in der eigenen Organisation und Wertschöpfungskette verbessern will, braucht Antworten auf diese Fragen. Und dafür braucht es Informationen aus allen Bereichen – von der Fertigung über das Qualitätsmanagement bis zu Logistik und Vertrieb. Erst wenn ein Unternehmen weiss, wo es überall Einfluss ausübt, kann es Verantwortung dafür übernehmen.

Grosse Worte, grosse Herausforderungen: Wie unterstützt SAP Firmen bei der Bewältigung dieser Herkules-Aufgaben?

Als einer unserer Schwerpunkte möchten wir Führungskräften helfen, diese zentralen Fragen zu beantworten und ihr Unternehmen nachhaltiger zu machen. Dafür haben wir ein ganzheitliches Management-Framework in unsere zentralen Unternehmensanwendungen integriert und gezielt Lösungen für mehr Nachhaltigkeit entwickelt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Es gibt bei SAP viele Beispiele dafür. Zur Verbesserung der Nachhaltigkeit benötigen Unternehmen Technologien für Geschäftsprozesse, mit denen sie Daten in ihren durchgängigen Prozessen erheben, quantifizieren und analysieren sowie passende Massnahmen daraus ableiten können. Mit SAP Cloud for Sustainable Enterprises stellen wir dafür ein umfassendes Portfolio an Lösungen bereit, das Unternehmen befähigt, ihre Nachhaltigkeitsleistung ganzheitlich zu steuern. Haben Sie Lust auf mehr Details?

Gerne, das klingt spannend.

Zum Beispiel SAP Sustainability Control Tower: Damit können Unternehmen Echtzeitdaten erfassen, organisieren und auf der Grundlage standardisierter Kennzahlen in ihren Berichten darstellen. Mit der Lösung sind sie in der Lage, automatisiert und zeitnah revisionsfähige Daten zu Kennzahlen wie Treibhausgasemissionen, ethischen Investments und Impact Investing zu erfassen. Diese Lösung bietet ausserdem die Möglichkeit, sich detaillierte Daten zu strategischen Bereichen im Unternehmen sowie zu bestimmten Regionen anzeigen zu lassen. Damit profitieren Unternehmen von der nötigen Granularität, um fundierte Entscheidungen zu treffen, bei denen finanzielle und nichtfinanzielle Aspekte gleichermassen berücksichtigt werden.

Eines der grossen ökologischen Probleme im globalen Massstab ist der Abfall …

Richtig. Tatsächlich wird in den nächsten Jahren für Unternehmen eine der grössten Herausforderungen sein, den Lebenszyklus von Tausenden Produkten und ebenso vielen Materialien zu verwalten und dabei eine Vielzahl von Regularien einzuhalten. Auch bei diesem Thema bieten wir Hand zu grundsätzlichen Verbesserungen. Mit der Lösung SAP Responsible Design and Production können Unternehmen Vorschriften einhalten und den komplexen Übergang von einer linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft bewältigen, in der Produkte und Materialien wiederverwendet, für andere Zwecke genutzt und recycelt werden können.

Das dürfte wohl primär grosse und global tätige Unternehmen erfreuen. Was ist mit den KMU, die doch die überwiegende Mehrheit in der Schweizer Firmenlandschaft ausmachen?

Speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Fertigungsbetriebe und produktbezogener Unternehmen ist beispielsweise SAP Product Footprint Management for Clean Operations zugeschnitten. Es ermöglicht KMU, den CO2-Fussabdruck einzelner Produkte von der Wiege bis zur Bahre sowie über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu messen und zu managen.

Wenn von messen die Rede ist – welche Faktoren sind relevant?

Eine der grössten Herausforderungen besteht darin, den ökologischen, sozialen und finanziellen Wert, den Unternehmen der Gesellschaft bieten, zu messen, zu quantifizieren und offenzulegen. Das ist das Hauptziel der Value Balancing Alliance, kurz VBA, die wir vor drei Jahren zusammen mit anderen Unternehmen gegründet haben. Gemeinsam wollen wir die Art und Weise verändern, wie Unternehmen ihre gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen, die Abhängigkeiten entlang der Wertschöpfungskette und die monetären Auswirkungen auf den Unternehmenswert messen und bewerten. Bei der VBA sammeln wir Daten zu BIP-Beitrag, Gesundheit und Sicherheit, Schulung, Wasserverbrauch, Wasserverschmutzung, Treibhausgasen, Luftemissionen, Landnutzung und biologischer Vielfalt. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen mit ein in die Entwicklung von Nachhaltigkeitslösungen sowie in unsere interne ganzheitliche Steuerung und Berichterstattung.

Perspektivenwechsel: Wie hält es SAP mit der Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen?

SAP unterstützt die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs; Anm. der Red.) und setzt sich aktiv dafür ein – sowohl in unserer Funktion als Vorbild als auch als Anbieter von Lösungen, die Unternehmen befähigen, diese Ziele zu erreichen. Dabei unterhalten wir Partnerschaften mit Organisationen wie dem Weltwirtschaftsforum WEF, UNICEF, WWF und dem Social Enterprise World Forum. Dies trägt dazu bei, Ideen, Innovation und Akzeptanz für Lösungen zur Umsetzung der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.

Und was heisst das in der Praxis?

Wir haben uns verpflichtet, den Zeitplan von SAP für eine Netto-Null-Bilanz von 2050 auf 2030 zu verkürzen und unsere Klimaziele im Einklang mit dem Pariser Abkommen 20 Jahre früher zu erreichen. Der nächste Schritt zur Klimaneutralität ist das Jahr 2023. Dann will SAP im eigenen Betrieb klimaneutral sein – zwei Jahre früher als ursprünglich geplant.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Dies umfasst alle direkten und indirekten Kohlenstoffemissionen sowie ausgewählte Kategorien von CO2-Emmissionen in der Wertschöpfungskette, beispielsweise Geschäftsflüge, pendelnde Mitarbeitende und externe Rechenzentren. Das Potenzial zur Dekarbonisierung kann erheblich gesteigert werden, wenn wir unsere Anstrengungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verstärken.

Wie sieht es bei SAP Schweiz aus?

Der Entscheid, unseren neuen Hauptsitz in der Schweiz in den Circle am Flughafen Zürich zu verlegen, war massgeblich durch das hohe Mass an Nachhaltigkeit mit entsprechenden Zertifizierungen bestimmt. Die Fassadenkonstruktion erfüllt die strengsten Anforderungen an Energie- und Schalldämmung. Der Heiz- und Kühlbedarf wird weitgehend mit Energie aus unterirdischen Wärmespeichern gedeckt. Und die Nutzung von Regenwasser minimiert den Wasserverbrauch. Das passt perfekt zur Nachhaltigkeitsstrategie von SAP.

Zum Schluss Ihr persönlicher Tipp für andere Geschäftsführer?

Bei SAP Schweiz haben wir eine SustainABILITY Challenge ins Leben gerufen, bei der Mitarbeitende Konzepte kreieren können, um SAP noch nachhaltiger zu gestalten. Was besonders Freude macht, ist zu sehen, wie engagiert die Kolleginnen und Kollegen sind. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich anderen Unternehmen nur raten: Binden Sie alle Mitarbeitenden ein, um gemeinsam weiterzukommen.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von SAP erstellt.

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