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Wieso der Thwaites-Gletscher in der Antarktis für den Klimawandel ein entscheidender Kipp-Punkt sein könnte
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Klima & Energie

Wieso der Thwaites-Gletscher in der Antarktis für den Klimawandel ein entscheidender Kipp-Punkt sein könnte

Schmilzt der Thwaites-Gletscher, könnten Teile von Hamburg oder New York unter Wasser liegen. Bis dahin wird es noch dauern. Aber schon bald könnte der Prozess nicht mehr aufzuhalten sein.

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Wieso der Thwaites-Gletscher in der Antarktis für den Klimawandel ein entscheidender Kipp-Punkt sein könnte

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Wenn wir über den Klimawandel sprechen, dann geht es immer wieder um Kipp-Punkte. Man nennt sie Points of no Return oder Tipping-Points:

«Die Erde nähert sich immer gefährlicheren Tipping-Points.» «Catastrophic climate tipping points» «Points of no return» «Kipp-Punkte, die nicht rückgängig gemacht werden können»

Ein entscheidender Kipp-Punkt ist der Thwaites-Gletscher in der Antarktis. Wenn er weiter schmilzt, droht eine Kettenreaktion in Gang zu kommen, die dann wohl nicht mehr aufzuhalten wäre. Und weltweite Auswirkungen hätte.

Der Thwaites-Gletscher ist so gross wie Grossbritannien, das Eis ist stellenweise fast so dick wie unsere Alpen hoch. Anders als in der Arktis, wo grosse Teile des Eises im Wasser schwimmen und sensitiv auf die Ozeanerwärmung reagieren, liegt das Eis der Antarktis auf Festland.

Es wird nur am Rand von Wasser unterspült und reagiert bis jetzt kaum auf die Erwärmung des Meerwassers. Im Osten der Antarktis wird sich das auch nicht so schnell ändern. Denn da ragt das Festland mehrere hundert Meter über die Wasseroberfläche hinaus. Das darauf liegende Eis ist so vor dem sich erwärmenden Meer geschützt.

Im Westen – da, wo sich der Thwaites-Gletscher befindet – liegt das Festland hingegen unter dem Meeresspiegel. Der Gletscher ist umgeben von Wasser – immer wärmerem Wasser.

Normalerweise schützt sogenanntes Schelfeis den Gletscher. Das ist Eis, das vom Gletscher auf das Wasser geschoben wird und so als schwimmender Schutzschild für ihn fungiert. Doch das Schelfeis schmilzt wegen des immer wärmer werdenden Wassers. Die Schutzbarriere schwindet also, bereits das beschleunigt die Fliessgeschwindigkeit des Gletschers. Gleichzeitig frisst sich die warme Meeresströmung immer weiter unter den Gletscher.

Wäre der Untergrund zum Landesinneren hin ansteigend, wäre das nicht weiter dramatisch. Der Prozess würde sich erschöpfen. Doch in der Westantarktis fällt das Land bis zu 1,5 Kilometer ab. Das Meerwasser gelangt also immer weiter unter den Gletscher. Und kann so noch grössere Eismassen destabilisieren. Sie brechen ab und fliessen so schneller ins Meer.

Laut Forschern würde das Abschmelzen des kompletten Thwaites-Gletschers zu einem Meeresspiegelanstieg von bis zu 65 Zentimetern führen. Das dürfte zwar noch mehr als hundert Jahre dauern, könnte aber der Anfang einer unaufhaltsamen Kettenreaktion sein:

Mit dem Thwaites-Gletscher würden weitere benachbarte Gletscher destabilisiert und würden auseinanderbrechen. Wie hoch und wie schnell der Meeresspiegel dann steigen würde, da gehen die Meinungen von Forschern noch auseinander.

Klar ist aber: Städte wie Hamburg und New York wären dann betroffen, ein Teil der Einwohner Bangladeschs könnte seinen Lebensraum verlieren. Ob und wie schnell das passieren wird, hängt davon ab, ob wir den Temperaturanstieg noch rechtzeitig bremsen können.

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