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Gewitter über Lugano

Unwetter über Lugano: Hitzegewitter, aber auch Dürren und Hagelstürme gehören in der Schweiz zu den Klimarisiken, die Unternehmen in ihr Management einbeziehen müssen. Bild: Adobe Stock

Gesellschaft Partner Inhalt: Swisscom

Klimarisiken: Ohne IT-Expertise geht nichts

Für grosse Firmen ist der Umgang mit Risiken eine bekannte Aufgabe. Wegen neuer Vorgaben zur nichtfinanziellen Geschäftsberichterstattung müssen zudem auch Klimarisiken bei der Unternehmenssteuerung berücksichtigt werden. Und diese Verpflichtung hat es in sich.

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Klimarisiken: Ohne IT-Expertise geht nichts

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Kein Zweifel: Angesichts der weltweit vereinbarten Klimaziele steigt der Druck auf Unternehmen. Das spiegelt sich auch in der dynamischen Entwicklung, die sich auf Seiten der Gesetzgeber beobachten lässt. Die regulatorischen Vorgaben für Unternehmen in der Schweiz und auf internationaler Ebene nehmen deutlich zu. Dabei ist die Stossrichtung im Kern überall die gleiche: Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen müssen handeln, ihre Unternehmen auch gegen Klimarisiken absichern und für eine klimaneutrale Wirtschaft fit machen.

In Sachen Klimawandel sind Firmen gleich doppelt gefordert: Einerseits sehen sie sich potenziellen Klimarisiken wie Naturkatastrophen ausgesetzt – man spricht hier auch von der «Outside-in-Perspektive». Andererseits wirken Unternehmen durch ihre eigene Geschäftstätigkeit selbst auf den Klimawandel ein («Inside-out-Perspektive») – damit können Chancen, aber eben auch erhebliche finanzielle Risiken verbunden sein. Lange fehlten in der Schweiz derartige Offenlegungen grosser Unternehmen. Das hat sich geändert.

Einheitliche Vorgaben

Mit der Annahme des Gegenvorschlags zur Konzernverantwortungs-Initiative wurden hierzulande neue Sorgfalts- und Berichterstattungspflichten für Unternehmen ab einer bestimmten Grössenordnung beschlossen, was viele Banken und Versicherungen miteinschliesst. Inhaltlich geht es um Umwelt-, Arbeits- und Sozialbelange – und natürlich um das Klima (Artikel 964a–964c, Obligationenrecht).

Was mit der geforderten Berichterstattung speziell zum Klimaschutz gemeint ist, hat der Bundesrat wiederum in einer eigenen Verordnung dargelegt, die zum 1. Januar 2024 in Kraft treten wird. Dabei wurden die international anerkannten Empfehlungen der «Task Force on Climate related Financial Disclosures» (TCFD) von 2017 als verbindlich erklärt.

Ziel des Gesetzgebers sei es gewesen, «einheitliche, verlässliche und zukunftsgerichtete» Vorgaben zu machen, erklärt Xenia Karametaxas, Policy Advisor Sektion Nachhaltige Finanzen beim Finanzdepartement (EFD) in Bern. Denn eine aussagekräftige und vergleichbare Klimaberichterstattung schaffe Rechtssicherheit und mehr Transparenz im Finanzsektor, senke die Transaktionskosten bei Investitionen und erleichtere es auch Unternehmen, sich am Markt Kapital zu beschaffen. Salopp formuliert, sollen Investoren und Märkte wissen, woran sie bei einem Unternehmen dran sind.

Allerdings haben es die TCFD-Empfehlungen in sich. Berichtspflichtige Firmen könnten daher gar nicht früh genug anfangen, sich damit auseinanderzusetzen, ist Kay Schwarzer, Experte Banking Consulting bei Swisscom, überzeugt. Swisscom unterstützt Kunden dabei, ein TCFD-konformes Klimarisikomanagement umzusetzen und das nötige Datenmanagement zu betreiben. 2025 müssen die ersten Berichte für das Geschäftsjahr 2024 stehen und der Generalversammlung zur Genehmigung vorgelegt werden. Zumindest erklärt die Verordnung den Unternehmen, was auf sie zukommt.

Vier Baustellen auf einmal

Die TCFD-Vorgaben umfassen nicht nur das eigentliche Management klimabezogener Risiken, sondern auch die Themen Governance, Strategie und Messgrössen. Im schlimmsten Fall tun sich also für Unternehmen vier Baustellen zugleich auf. Ein Trost: Das Reporting versteht sich als Prozess. Unternehmen können sich von Jahr zu Jahr verbessern – etwa bei der Absenkung der CO₂-Emissionen. Von zentraler Bedeutung ist allerdings ein proaktives Klimarisikomanagement: Hier geht es darum, klimabedingte Risiken erst einmal zu identifizieren und sie in Form von Umsätzen, Betriebs-, Kapital-, Investitions- oder Personalkosten zu quantifizieren. Dabei unterscheidet TCFD zwischen akuten beziehungsweise dauerhaften physischen Risiken wie Hitzewellen oder Überflutungen und – ebenfalls klimabedingten – «Transitionsrisiken». Dazu gehören etwa Energiekosten, neue Gesetze, Imageverluste oder ein verändertes Marktverhalten der Konsumenten.

Dr. Kay Schwarzer

«Mithilfe von Klimamodellen muss man sich zuerst ein Bild von der kurz-, mittel- und langfristigen Risikosituation sowie von den damit verbundenen finanziellen Auswirkungen für das Unternehmen machen.»

Dr. Kay Schwarzer

Experte Banking Consulting, Swisscom

Schadensszenarien berechnen

Das Team vom Swisscom Banking Consulting konzentriert sich auf die Umsetzung des Klimarisikomanagements. Denn hierbei sind Unternehmen oft auf Unterstützung angewiesen, um Risikoinventare zu erstellen, die Stabilität von Lieferketten einzuschätzen und Schadensszenarien zu berechnen. «Mithilfe von Klimamodellen muss man sich zuerst ein Bild von der kurz-, mittel- und langfristigen Risikosituation sowie von den damit verbundenen finanziellen Auswirkungen für das Unternehmen machen», erklärt Kay Schwarzer. Der grösste Schritt kommt allerdings erst nach dieser Analyse. Auf Basis der gewonnenen Risikoübersicht und der intern ermittelten finanziellen Risikohöhe gelte es, geeignete Massnahmen zu definieren, notwendige Investitionen zu tätigen und auch zu antizipieren sowie bei Bedarf das Geschäftsmodell anzupassen. Für all dies benötigt man Know-how und die richtigen IT-Tools. Im Verbund mit weiteren Spezialisten unterstützt Swisscom Unternehmen dabei, die grossen Mengen an Daten möglichst automatisiert zusammenzuführen. «Idealerweise soll man das Klimarisikomanagement quasi auf Knopfdruck durchführen können», resümiert Kay Schwarzer.

Der Mehrwert ist klar: Wenn eine Bank weiss, welche Klimarisiken mit welchen finanziellen Auswirkungen verbunden sind, kann sie dies im Pricing sowie in Kunden- und Anlage-Ratings ausdrücken. Darüber hinaus ist es in allen Branchen ratsam, bei der weltweiten Standortsuche – etwa für eine neue Produktionsstätte – die Klimarisiken zu kalkulieren. Autohersteller wie etwa BMW berücksichtigen diesen Faktor schon lange bei der Standortwahl. Wichtig ist, dass Unternehmen ihr gesamtes Klimarisikomanagement nicht nur wegen der Berichtspflicht betreiben, sondern aus eigenem Antrieb, um Risiken tatsächlich zu reduzieren. Adaption an den Klimawandel – das ist der Schlüssel zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit.

Greenwashing verhindern

Je nach Kundenbedürfnis kann es vom ersten Workshop bis zur Implementierung eines Klimarisikomanagements bis zu einem Dreivierteljahr dauern. Am Anfang steht immer die Frage, welche Risiken, die mit dem Klimawandel verbunden sind, denn überhaupt ein Unternehmen bedrohen oder zukünftig bedrohen könnten.

Mit solchen unliebsamen Klimaereignissen wie Stürmen, Überflutungen, Dürren oder Waldbränden kennt sich der Meteorologe Sebastian Glink bestens aus. Der Mitgründer von Climada Technologies, einem Spin-off der ETH Zürich, erstellt anhand historischer Daten und Annahmen, die in statistische Modelle einfliessen, Klimaszenarien. Diese geben Auskunft darüber, wie häufig Klimaereignisse eintreten und wie intensiv sie voraussichtlich sein werden. Glink betont, dass alle Daten und Modelle für die Software- und Reporting-Services von Climada Technologies aus der Forschung stammen, sie sind Open Source und damit frei zugänglich und nachprüfbar. «Das ist sehr wichtig, um Greenwashing zu verhindern.»

Sebastian Glink

«Beim nächsten Schritt (im Risikomanagement), der finanziellen Risikoberechnung, stehen heute viele noch am Anfang.»

Sebastian Glink

CEO Climada Technologies

Betroffen sind weltweit grundsätzlich alle Unternehmen, deren Anlagen und Gebäude den Naturgewalten ausgesetzt sind. Glink denkt dabei an Kunden wie weltweite Logistik- und Produktionskonzerne. Die häufigsten Klimaereignisse in der Schweiz sind Dürren und Hitzegewitter, die zu Überflutungen führen, Winterstürme und Hagel.

Drohende Umsatzausfälle

Mithilfe regionaler Klimaszenarien und der Bewertung der Infrastruktur eines Unternehmens lassen sich potenzielle Schäden und Auswirkungen in Form einer mathematischen Funktion berechnen. «Wir sprechen hier von Vulnerabilität oder Impact», erklärt Glink. Das können Umsatzausfälle, beschädigte Immobilien oder sinkende Produktivität der Mitarbeitenden durch grosse Hitzewellen sein. Das tönt nach viel Aufwand. Meist müssen sich die Finanzabteilungen um das erweiterte Risikomanagement kümmern, weil eigene Nachhaltigkeitsmanager fehlen. Glink rät, klein anzufangen und sich zunächst auf wenige Standorte und ihre Klimarisiken zu beschränken. «Beim nächsten Schritt, der finanziellen Risikoberechnung, stehen heute viele noch am Anfang.» Eine rein qualitative Beschreibung von Risiken greift allerdings auf Dauer zu kurz. Denn das hilft dem Management der Unternehmen wenig bei seinen Investitionsentscheidungen.

Nachhaltig handeln: Empfehlungen für die Praxis

Was Unternehmen beim Klimarisikomanagement beachten sollten:

  • Zuständigkeiten regeln: Nachhaltigkeit ist Chefsache und benötigt Personal.
  • Rechtzeitig anfangen: Die neue Klima-Verordnung in der Schweiz ist komplex.
  • Mitarbeitende sensibilisieren: Klima-Reporting ist Teamarbeit.
  • Berichten nach dem Ansatz «comply or explain»: Wer kein Klimakonzept vorlegt, muss dies begründen.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von Swisscom erstellt.

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