So erkennt man einen «Sustainable Shaper»
Nicht jede sichtbare Stimme prägt die nachhaltige Entwicklung. Und nicht jede prägende Person ist prominent. Ein Blick auf die «Sustainable Shapers».
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Julia Carpenter erhielt 2025 den Preis als «Sustainable Shaper» für ihre Arbeit mit ihrem ETH-Spin-off Apheros. Bild: NZZ
Nicht jede sichtbare Stimme prägt die nachhaltige Entwicklung. Und nicht jede prägende Person ist prominent. Ein Blick auf die «Sustainable Shapers».
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3 Min. • • Anja Ruoss
Wer sind die «Sustainable Shapers», die Sustainable Switzerland jährlich auszeichnet? Denn wer für die Auszeichnung in Frage kommt, ist bewusst weit gefasst. «Sustainable Shapers» können aus der Wirtschaft oder aus der Wissenschaft stammen, aber ebenso aus der Politik, Kultur oder Zivilgesellschaft. Die Auszeichnung bietet Unternehmerinnen, Forschern oder Investoren genauso Raum wie NGO-Gründerinnen oder ganz einfach Stimmen, die eine Debatte prägen. Entscheidend ist nicht das Berufsfeld. Entscheidend ist, ob jemand Entwicklungen anstösst, Strukturen verändert und andere mitzieht. Persönlichkeiten also, die Nachhaltigkeit in Unternehmen, Institutionen, der Forschung, der Politik oder der Öffentlichkeit messbar vorantreiben.
Für Sebastian Kahlert, Jury-Mitglied und Leiter des Netto-Null-Programms an der ETH Zürich, liegt genau darin der Kern: «Ein Shaper verändert Systeme und bekämpft nicht nur Symptome.» Gesucht seien Persönlichkeiten, die Haltung mit Handlungsfähigkeit verbinden, Komplexität in konkrete Entscheidungen übersetzen und langfristig denken.
Sebastian Kahlert, Jury-Mitglied und Leiter des Netto-Null-Programms an der ETH Zürich. Bild: PD
Bekanntheit ist noch keine Wirkung
Muss es also immer die bekannteste Person sein? «Nein, Wirkung ist nicht gleich Sichtbarkeit», sagt Kahlert. «Wandel entsteht oft im Hintergrund und wird erst mit der Zeit sichtbar.» Gerade in der Nachhaltigkeit, wo viel kommuniziert, gefordert und versprochen wird, ist das ein entscheidender Unterschied. Nicht jede prominente Stimme prägt die Entwicklung tatsächlich. Und nicht jede prägende Persönlichkeit steht bereits im Rampenlicht.
Oft verdienen Menschen die Auszeichnung, die an Übergängen arbeiten: zwischen Forschung und Markt, zwischen Strategie und Umsetzung. Sie sind nicht zwingend die Lautesten, aber häufig jene, ohne die sich nichts bewegt.
Wer als «Sustainable Shaper» ausgezeichnet werden will, muss deshalb mehr vorweisen als Sichtbarkeit. Vielmehr stehen Glaubwürdigkeit und Substanz im Vordergrund. Oder, wie Kahlert sagt: «Persönliche Integrität stärkt Glaubwürdigkeit, Kooperation und Netzwerk schlägt Einzelkämpfertum. Nachhaltiger Wandel ist ein Prozess, keine Aktivität.»
Woran sich echte Wirkung erkennen lässt
Bleibt die entscheidende Frage: Woran erkennt man, ob jemand tatsächlich etwas verändert? Kahlert hat auch hierfür eine Antwort: «Impact hält über Einzelprojekte hinaus an, sodass eine Transformation stattfindet», sagt Kahlert, und betont: «Es gibt klare Zielbilder, nicht nur gute Absichten. Die Aktivitäten und Entscheidungen der Personen haben messbare oder spürbare Folgen.»
Das ist ein notwendiger Massstab. Echte Wirkung zeigt sich daran, dass sich tatsächlich etwas verschiebt: Emissionen sinken, Ressourcen werden geschont, neue Standards entstehen. Diese messbare Wirkung kann dabei ökologisch, wirtschaftlich oder sozial sein. Sie kann in einer neuen Technologie liegen, in einer mutigen Führungsentscheidung oder in einer Stimme, die ein Thema so ins Zentrum rückt, dass es nicht mehr übergangen werden kann. Vielleicht ist genau das die brauchbarste Definition: «Sustainable Shapers» sind Menschen, deren Haltung und deren Wirken etwas auslöst.
Sie kennen eine Persönlichkeit, die ein starkes Zeichen für eine nachhaltige Zukunft setzt – oder tun Sie es selbst? Nominieren Sie jetzt Ihren «Sustainable Shaper» oder bewerben Sie sich unter sustainableswitzerland.ch/shapers.
Dieser Artikel behandelt folgende SDGs
Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.
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