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Leila Pamingle leitet den Verein Ecoparc, der Unternehmen und Sensibilisierungsprojekte im Bereich Nachhaltigkeit begleitet. Foto: Ecoparc

Wirtschaft Partner Inhalt: economiesuisse

Nachhaltigkeit: Wie findet man sich im Dschungel der Labels zurecht?

ISO, B Corp, EcoEntreprise, EcoCook und SBTi: Es gibt unzählige Labels und Zertifizierungen, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Wie soll man da den Überblick behalten? Leila Pamingle, Leiterin des Vereins Ecoparc, der Unternehmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmassnahmen unterstützt, gibt Auskunft.

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Nachhaltigkeit: Wie findet man sich im Dschungel der Labels zurecht?

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Welche Labels oder Zertifizierungen sind für ein Schweizer Unternehmen relevant und wie trennt man die Spreu vom Weizen?

Wir haben 2019 eine sehr gründliche Analyse durchgeführt, und das Fazit ist positiv: Alle Zertifikats-Ansätze in der Schweiz sind gut gemacht und sinnvoll - man läuft nicht Gefahr auf das «falsche Pferd zu setzen». Es kommt vielmehr darauf an, was man anerkennen oder zertifizieren lassen will: ökologische oder soziale Nachhaltigkeit - oder beides? Möchte man seine Produkte oder seine Prozesse zertifizieren lassen? Oder will man den Schwerpunkt vor allem auf Energiemanagement oder CO2-Emissionen legen?

Wo empfehlen Sie, anzufangen?

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist, warum man einen nachhaltigen Ansatz verfolgen möchte. Geht es darum, die Forderung eines Stakeholders zu erfüllen, z. B. eines grossen Kunden, der seinen Lieferanten ein bestimmtes Gütesiegel vorschreibt? Geht es darum, internationale Märkte zu erobern? Oder um für öffentliche Aufträge in der Schweiz in Frage zu kommen? Man muss sich über seine wahren Beweggründe im Klaren sein, denn die Umsetzung eines Nachhaltigkeitsplans ist ein bereichsübergreifender Prozess, der die Grundlagen des Unternehmens berührt. Ich empfehle, zu beobachten, was andere Unternehmen im gleichen Bereich tun. Um die nächsten Schritte und den Prozess an sich zu begreifen, lassen sich kostenlose Testinstrumente finden. Zum Beispiel stellt EcoEntreprise eine Checkliste bereit, welche Punkt für Punkt durchgegangen werden kann, und B Corp einen Ansatz, der sich auf die Auswirkungen des Unternehmens konzentriert.

Ist all dies nicht eine Belastung für ein KMU, das nicht immer über viele personelle und finanzielle Ressourcen verfügt?

Die meisten Unternehmen verfolgen bereits nachhaltige Ansätze, ohne dass diese jedoch als solche erkannt werden. In Wirklichkeit ist das Stadium, in dem man nur aus ethischer oder ökologischer Überzeugung handelt, schon längst überschritten. Für mich ist Nachhaltigkeit heute in erster Linie eine Frage des Risikomanagements. Einige Unternehmen wären im Übrigen verschwunden, wenn sie nicht bereits nachhaltige Ansätze anwenden würden. Diese Ansätze zu formalisieren, sei es durch ein CSR- oder ein Zertifizierungsverfahren, ermöglicht es, den eigenen Ansatz zu strukturieren, ihn zu dokumentieren und so transparent über ihn zu kommunizieren. Sicherlich bedeutet dies anfangs eine gewisse Investition, insbesondere von Zeit.

Ist diese Investition rentabel?

Wenn man beispielsweise Massnahmen zur Energieeffizienz einführt, zahlt sich die Investition finanziell sehr schnell aus, da man schnell Energie einsparen kann. Es steht jedoch viel mehr auf dem Spiel. Die Welt entwickelt sich weiter und der gesellschaftliche, politische oder von Verbraucherorganisationen ausgehende Druck auf die Unternehmen wird immer grösser. Grosse Unternehmen üben ihrerseits Druck auf kleinere Lieferanten aus, indem sie Belege für deren Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit fordern. Ich denke jedoch, dass man diese Ansätze vor allem als Chance sehen sollte - um die eigenen Prozesse zu kennen und zu beherrschen, Risiken zu managen, Innovationen vorzunehmen, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzuführen und effizienter zu werden, zumal bestimmte Ressourcen in Zukunft schlichtweg fehlen werden.

Welche Gütesiegel oder Zertifizierungen sollte man mindestens haben, ohne dass man in mehrere parallele Verfahren verstrickt wird, im Verlangen den Wünschen der verschiedenen Interessengruppen entsprechen?

Ein Zertifizierungsprozess ist sicherlich am aufwendigsten umzusetzen, aber er hat den Vorteil, dass er den Aktivitäten des Unternehmens einen Rahmen und eine Struktur verleiht. Ist dies einmal geschehen, erfordert die Teilnahme an anderen Programmen oder Gütesiegeln relativ wenig Ressourcen, da man auf dieser strukturierenden Grundlage aufbauen kann.

Gibt es keine Bestrebungen, diesen ganzen "Dschungel" zu vereinheitlichen, auch auf internationaler Ebene?

Ich würde sagen, dass der Trend eher zur Anerkennung von Labels als zur Vereinheitlichung geht. So hat beispielsweise der Kanton Waadt daran gearbeitet, die Nachhaltigkeitskriterien aufzuwerten. Diese Arbeit ist auch in das neue, 2021 in Kraft getretene öffentliche Beschaffungsrecht geflossen. Der im Westschweizer Leitfaden für die Vergabe öffentlicher Aufträge empfohlene Ansatz, wird von den Gemeinden immer häufiger angewandt, auch wenn er nicht obligatorisch ist. EcoEntreprise, das bei öffentlichen Aufträgen in der Schweiz sehr gefragt ist, wird auch von Responsibility Europe anerkannt, dem Supra-Label der EU, unter dem immer mehr europäische Nachhaltigkeitslabels - für Umwelt und Soziales - zusammengefasst werden. B Corp ist in Europa und den USA anerkannt. Auch die ISO-Normen 14'001 (Umwelt), 50'001 (Energiemanagement) und 9'001 (Qualität) sind weithin bekannt und anerkannt. Die Norm ISO 26'000, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit umfasst, ist zwar nicht zertifizierbar, geniesst aber ebenfalls eine gute internationale Anerkennung.

Werden KMU nicht relativ allein gelassen, wenn es darum geht, diese Schritte einzuleiten?

Es gibt immer mehr Unterstützung auf kantonaler Ebene. So gewährt Genf über seine Aktionsdiagnose bis zu 15.000 Franken Unterstützung für die Einführung eines CSR-Plans. Der Kanton Waadt erstattet bis zu 50 % der Kosten, die dem Unternehmen bei der Umsetzung eines solchen Plans entstehen. Darüber hinaus ist es möglich, sehr kleine Strukturen zusammenzufassen, sodass sie von einer Blockförderung profitieren können. Es gibt auch kollaborative Programme wie Mastermind, welches "Nachhaltigkeitsträger" im Rahmen unseres Vereins (Ecoparc) zusammenbringt, um ihnen zu helfen, sich zu vernetzen und auf dem Laufenden zu bleiben bezüglich der Entwicklungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde von economiesuisse im Rahmen der Partnerschaft mit Sustainable Switzerland selbst erstellt.

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