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Seit Einführung der neuen SAP-Software wurden 5500 registrierte Bedürftige mit 62 000 Essensportionen versorgt. Foto: EFA, SAP

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«Die Leute haben Hunger!»

Systemabstürze kann sich auch eine soziale Organisation nicht leisten. Also hat der Softwarekonzern SAP den Zürcher Verein «Essen für Alle» mit Software ausgestattet. Wie es dazu kam, liest sich beinahe märchenhaft.

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Stellen Sie sich vor, Sie sind ein wenig im Stress, weil sie ehrenamtlich gerade Hunderte von hungrigen Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen müssen. Da spricht dich jemand an und sagt: «Hey, ich bin von SAP – ich kann dir helfen, deine Software in Ordnung zu bringen!»

Das ist tatsächlich so passiert. Der so Angesprochene heisst Amine Diare Conde, 25, und Amine wiegelte zunächst ab. «Jeden Tag kommt jemand vorbei, klopft dir auf die Schulter und hat eine Idee, was ich besser machen kann. Aber es gibt wenige, die dir helfen würden, das auch umzusetzen. Diese Leute müssten erst einmal bei uns mitarbeiten.» Der Unterschied bei diesem Typ von SAP war: Er hat mitgearbeitet! Er hatte einen Eindruck davon, wie der Laden läuft. Sein Name: Keywan Nadjmabadi. Also willigte Amine ein. Er traf sich mit Keywan, 54, in einem Café. Die beiden Männer redeten lange, auch über drastische Kontraste: Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt, dennoch stehen in Zürich Bedürftige für Essen an. SAP setzt im Jahr weltweit 30 Milliarden Euro um – und jetzt interessiert sich dieses erfolgreiche Unternehmen für eine Essensausgabe in Zürich?

Aber Keywan Nadjmabadi konnte loslegen. Amine gestand: Unsere Software läuft, aber oft läuft sie auch nicht. Programmiert hat sie ein 13-jähriges Supertalent. Und wenn das System ausfällt, müssen alle warten, bis der Support aus der Schule kommt. Da kann SAP bestimmt etwas optimieren. «Die Leute haben Hunger!»

Das ist in etwa die Version, die Amine Diare Conde, Gründer des Vereins «Essen für Alle», uns erzählt hat. Keywan Nadjmabadi leitet die IT-Strategieberatung bei SAP Schweiz und Osteuropa; hier erinnert er sich, wie er sich 2021 privat bei «Essen für Alle» engagierte: «Ich habe dort regelmässig samstags als Logistiker und an der Essensausgabe mitgearbeitet – immer freiwillig und mit viel Freude.» Bei SAP, sagt er, sei man angehalten, sich sozial zu engagieren, Gutes zu tun, auf Nachhaltigkeit zu achten und die Welt technisch voranzubringen. Oder in einem griffigen Slogan ausgedrückt: Help the world run better.

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SAP setzt im Jahr 30 Milliarden Euro um – und jetzt interessiert sich dieses Unternehmen für eine Essensausgabe in Zürich?

900 Tonnen Lebensmittel

Tatsächlich hatte der Zürcher Verein technische Unterstützung dringend nötig. «Essen für Alle» verfügt heute über eine Kartei von bis zu 1000 Freiwilligen. Pro Einsatz sind für einen reibungslosen Ablauf bis zu 250 Helfende erforderlich, um an Samstagen rund 1400 Menschen und ihre Familien zu versorgen. Die Organisation bewahrt wöchentlich mehr als 18 Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen. Die bislang rund 5500 registrierten Bedürftigen wurden seit Einführung der neuen Software mit rund 62 000 Portionen Essen versorgt, das macht umgerechnet 900 Tonnen Lebensmittel – Kennzahlen, wie sie für ein mittelständisches Unternehmen stehen könnten, das die Einwohner einer Kleinstadt versorgt.

Sowohl Namen und Daten der freiwilligen Helfer und die der Bezüger müssen separat erfasst und so verwaltet werden, dass die Schichteinteilung der Helfer organisiert und die Anzahl der jeweils ausgegebenen Essen verlässlich registriert werden kann. Das System war anfällig für Fehler und Missbrauch – die Mehrfachregistrierung einzelner Personen und der Verlust der auf Papier gedruckten Bezugskarten kam häufig vor. «Also haben wir eine auf diese speziellen Aufgaben hin massgeschneiderte Software auf der SAP-Entwicklungsplattform programmiert », sagt Keywan Nadjmabadi. «Im September 2022 sind wir damit live gegangen.»

Seither sorgt das System dafür, dass die Bedürftigen nicht mehr so lange anstehen müssen. Es kann sein, dass pro Samstag 120 neue Bezüger registriert werden. Die OCR-Software scannt die Pässe fix. Doppelregistrierungen werden vermieden. Anstelle der Papierkarten gibt es nun für eine einmalige Gebühr von fünf Franken eine Plastikkarte mit QR-Code. Vermerkt ist etwa auch eine körperliche Beeinträchtigung – wer nicht lange anstehen kann, erhält Hilfe.

Tatsächlich hilft die Technik, die Essensausgabe im laufenden Betrieb besser zu planen. Weil jedes ausgegebene Essen erfasst wird und die Anzahl mit der noch vorhandenen Menge an Essen abgeglichen werden kann, entscheidet das Personal: Geben wir vier oder sechs Orangen pro Person ab? «Erhöht hat sich die Ausfallsicherheit des Systems», sagt Keywan, «und definitiv verbessert haben wir die Datensicherheit, weil die erhobenen persönlichen Daten nun in der von SAP betriebenen Cloud gesichert sind.»

Der «Essen für Alle»-Gründer Amine Diare Conde, anfangs noch skeptisch, sagt: «Es ist effizient, es funktioniert. Wir haben wenig Ausfall, wenig Probleme.» Nach einem Jahr zieht er hochzufrieden Bilanz. «Essen für Alle» ist neben Zürich bereits in den Kantonen Graubünden und Schwyz aktiv, und in Kürze sollen weitere Kantone folgen. Ein grosser Vorteil der SAP-Software ist ihre Skalierbarkeit – sie lässt sich leicht auf weitere Standorte erweitern, woran aktuell gearbeitet wird. Help the world run better!

Umgekehrt, sagt Keywan, helfe der Freiwilligendienst an der Essensausgabe, den Blick auf Bedürftigkeit zu relativieren. Seit dem Ukraine-Krieg habe sich auch das Bild von Menschen auf der Flucht verändert: «Ich lerne jede Woche viel dazu. Es kommen Leute aus allen Gesellschaftsschichten. Teilweise gut ausgebildet oder gar studierte Personen, die gut gekleidet sind. Nicht alle entsprechen der Vorstellung in unseren Köpfen, dass es mittellose Menschen sind, die über das Mittelmeer geflüchtet sind.»

Aus Guinea geflüchtet

Übers Mittelmeer gekommen ist vor neun Jahren auch Amine Diare Conde. Seine Geschichte wurde mittlerweile oft erzählt: Wie er aus dem westafrikanischen Guinea flüchtete und über Spanien und Frankreich in die Schweiz kam, wohin er gar nicht wollte. Amine weiss, was Hunger ist. «Ich bin selbst einer von denen, die mit 8.50 Franken am Tag auskommen mussten: In einem Café kostet ein Kaffee und Gipfeli um die acht Franken. Ich musste von 8.50 Franken Frühstück, Mittag- und Abendessen, Fahrkarten und Handy bezahlen. Ohne die Hilfe von Kirchen oder anderen Institutionen hast du keine Chance, zu überleben.»

«Samstags habe ich regelmässig als Logistiker und an der Essensausgabe mitgearbeitet – immer mit viel Freude.»

Amine ist eine Unternehmernatur. Aber wie in jedem halbwegs guten Drehbuch geht es auch bei ihm nicht ohne Drama: Negativer Asylbescheid, Absturz, Amine dealt, wird erwischt. Im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, als auch viele Verteilstellen der Schweizer Tafeln schliessen müssen, legt Amine los: «Im Lockdown gab es plötzlich keine menschlichen Kontakte mehr. Ich habe Leute angesprochen: Hey, kommt, wir müssen etwas machen! Also habe ich gemacht, gemacht, gemacht.» In Zürich verteilt er wöchentlich 2000 Essenstaschen und sammelt mehr als eine Viertelmillion Franken Spendengelder.

Heute ist Amine der prominenteste Asylbewerber der Schweiz. Er war für den Prix Courage 2020 nominiert, wurde von der früheren Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zur 1.-August- Feier auf dem Rütli eingeladen.

Amine hat sich seinen derzeitigen Status als anerkannter Härtefall hart erkämpft. Auf der Website seines Vereins firmiert er als Initiator und Präsident. Sein Freund Keywan von SAP verantwortet zusammen mit Matthias, dem zwischenzeitlich 16-jährigen Jung-Programmierer, die IT bei «Essen für Alle». Amine, der als 16-Jähriger flüchtete und monatelang Hunger litt, und Keywan, der sich freiwillig die neongrüne «Essen für Alle»-Weste übergestreift hat und sich samstags in der Zürcher Bahnhofstrasse gegen einen Bummel durchs Luxussegment entschied, sind zwei recht unterschiedliche Brüder im Geiste. Geeinigt haben sie sich auf eine gemeinsame Lösung: «Unser Ziel: Niemand soll in der Schweiz an Hunger leiden!»

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Keywan Nadjmabadi leitet die IT-Strategieberatung bei SAP Schweiz und Osteuropa.

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Amine Diare Conde ist Initiator und Präsident des Vereins «Essen für Alle».

Soziale Verantwortung

Nachhaltigkeit – das ist mehr als Energiewende und Klimaschutz. Neben Ökonomie und Ökologie umfasst sie auch eine soziale Dimension. Denn nur wer den Fortbestand und eine Verbesserung des gesellschaftlichen Miteinanders nicht aus den Augen verliert, handelt wirklich nachhaltig. Das gilt auch für Unternehmen. Zu sozialer Nachhaltigkeit gehören Chancengleichheit und Teilhabe, die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten, ein (fairer) Zugang zu Bildung, Medizin und Trinkwasser sowie ein würdevolles Leben ohne Armut und Hunger.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von SAP erstellt.

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