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US-Präsident Donald Trump präsentiert im Garten des Weissen Hauses in Washington eine Tafel mit den neuen Extrazöllen.

US-Präsident Donald Trump präsentiert im Garten des Weissen Hauses in Washington die neuen Extrazölle einzelner Länder. Bild: Carlos Barria / Reuters

Wirtschaft

Das bedeuten Trumps Zölle für Schweizer Unternehmen

Die USA führen neue Importzölle ein, die auch Schweizer Unternehmen stark betreffen. Die Auswirkungen auf Händler und Exporteure könnten gravierend sein. Die wichtigsten Antworten.

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  • Die USA haben angekündigt, ab dem 9. April einen Zoll von 31 Prozent auf Schweizer Exporte zu erheben, was Schweizer Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt.
  • Besonders betroffen sind die Uhren-, Maschinen- und Lebensmittelindustrie.
  • Der Bundesrat prüft Gegenmassnahmen und setzt auf diplomatische Verhandlungen mit den USA.

Was wurde beschlossen?

Donald Trump hat drastische neue Importzölle verhängt und damit seine protektionistische Wirtschaftspolitik auf eine neue Eskalationsstufe gehoben. Ab dem 5. April gilt ein Universalzoll von 10 Prozent auf nahezu alle Importgüter. Hinzu kommen sogenannte «reziproke Zölle», die am 9. April in Kraft treten und sich gegen Länder richten, die hohe Abgaben auf US-Exporte erheben. Die Schweiz trifft es dabei hart: Auf Schweizer Exporte werden Extrazölle von 31 Prozent fällig. Die Europäische Union, die mit 20 Prozent Zöllen belegt wurde, kam im Vergleich glimpflicher davon.

Wurden solch hohe Zölle für die Schweiz erwartet?

Nein, die Schweiz hatte gehofft, besser davonzukommen als die EU. Berichten zufolge versuchte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Washington von einer moderaten Behandlung der Schweiz zu überzeugen. Unter anderem hatte die Schweiz ihre Industriezölle per 2024 abgeschafft, um den Handel zu erleichtern. Diese Argumente blieben in Washington offenbar jedoch wirkungslos.

Wie wurden die Zölle berechnet?

Die offizielle Begründung der US-Regierung lautet, dass sich die Zölle an den Abgaben der jeweiligen Länder auf US-Exporte orientieren. Doch eine genauere Analyse von Experten zeigt eine andere Vorgehensweise: Die Trump-Regierung nahm das Handelsbilanzdefizit eines Landes, teilte es durch das bilaterale Handelsvolumen und berechnete so den impliziten «Zollsatz» der Gegenseite. Dieser Wert wurde dann noch einmal halbiert – das Ergebnis: der neue Extrazoll. Da die Schweiz in der Handelsbilanz mit den USA einen deutlichen Überschuss erzielt, wurde sie entsprechend eingestuft. Unabhängige Experten kritisieren die Methode jedoch als willkürlich und nicht den realen Handelsbarrieren entsprechend.

Welche Branchen sind von den Extrazöllen betroffen?

Die neuen Zölle werden die Schweizer Exportindustrie hart treffen. Insbesondere Produkte aus der Uhrenindustrie, im Maschinenbau und im Nahrungsmittelsektor werden stark verteuert. Die Pharmaindustrie hingegen kann vorerst durchatmen: Medikamente bleiben von den neuen Extrazöllen ausgenommen. Für die Pharma- und Chemiebranche, welche mehr als die Hälfte der gesamten Schweizer Exporte in die USA ausmachen, bedeutet dies zumindest vorläufig eine Erleichterung. Es ist jedoch noch unklar, ob auf Pharmaprodukte dennoch der Universalzoll von 10 Prozent erhoben wird. Zudem könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier Zollerhöhungen folgen.

Was bedeuten die Zölle für Schweizer Unternehmen?

Für die Schweizer Wirtschaft stellen die Extrazölle eine erhebliche Belastung dar. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, entweder die Preise zu erhöhen oder ihre Margen zu reduzieren. Dies könnte dazu führen, dass sie im Vergleich zu internationalen Konkurrenten an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Besonders hochpreisige Produkte wie Uhren und Maschinen könnten in den USA weniger gefragt sein. Als Reaktion auf die Zölle könnten einige Unternehmen in Erwägung ziehen, Teile ihrer Produktion in die USA zu verlagern, um die Abgaben zu umgehen.

Wie reagiert die Schweiz?

Der Bundesrat hat am Donnerstag in einer ausserordentlichen Sitzung über die neuen US-Zölle beraten und die Berechnungen der USA als «nicht nachvollziehbar» bezeichnet. Das Wirtschaftsdepartement wurde beauftragt, die Auswirkungen der Zölle genauer zu analysieren und je nach Betroffenheit der Schweizer Wirtschaft geeignete Massnahmen vorzuschlagen. Schweizer Gegenzölle sind jedoch unwahrscheinlich, da sie der eigenen Wirtschaft schaden und in Washington kaum Eindruck hinterlassen würden. Gleichzeitig werden diplomatische Bemühungen intensiviert, um mit den USA über Erleichterungen zu verhandeln. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin reisen Ende April nach Washington zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Die beiden Bundesräte wollen die Tagung auch für bilaterale Treffen nutzen.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur

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