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Der Weg in die grüne Industrie

Foto: PD

Produktion & Konsum Wirtschaft Partner Inhalt: Boston Consulting Group (BCG)

Der Weg in die grüne Industrie

Der Industriesektor verursacht einen enormen CO2-Fussabdruck, Produktions- und Logistikabläufe sind für mehr als die Hälfte aller weltweiten Emissionen verantwortlich. Das muss sich ändern – und zwar bald. Jens Burchardt erklärt anhand einer Studie der Boston Consulting Group, welche Möglichkeiten es gibt.

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In den letzten Jahren wurden klimatische Veränderungen immer sichtbarer. Sprechen wir aktuell noch vom Klimawandel, steht uns womöglich bald eine Klimakrise bevor. Damit verbunden werden die Forderungen nach Lösungen immer lauter – und dringlicher. «Die meisten Industrieanlagen haben eine Lebensdauer von 20 Jahren oder mehr. Eigentlich dürfen wir deswegen bereits ab jetzt keine weiteren Investitionen in fossile Technologien mehr tätigen, wenn wir die Transition noch rechtzeitig schaffen wollen», betont Jens Burchardt, Managing Director and Partner für Climate Impact von BCG.

Unternehmen bleiben hinter ihren Ambitionen zurück

Um das 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, müssten die Emissionen aus Produktion und Logistik bis 2030 um etwa 45 Prozent sinken. Das Thema Dekarbonisierung sollte deshalb integraler Bestandteil jeder Geschäftsstrategie werden, auch wenn es um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit geht. «Es ist ein Mythos, dass ökologische Nachhaltigkeit in Unternehmen automatisch wirtschaftliche Nachhaltigkeit bedroht», führt Burchardt aus.

Denn: «Erstens sind die Kosten selbst einer vollständigen Dekarbonisierung für Unternehmen erheblich niedriger, als viele denken. Zweitens nimmt der Druck zur Dekarbonisierung entlang der gesamten industriellen Lieferkette zu. Deswegen wird es immer schwieriger, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit voneinander zu trennen. Das gilt in der aktuellen Energiekrise nur noch mehr.» Führende Unternehmen haben den Handlungsbedarf bereits erkannt. «Pioniere sind hier absolut im Vorteil. Und mittlerweile strebt eine ganze Reihe von Unternehmen Nullemissionen in ihren Produktionsprozessen bereits in dieser Dekade an», schliesst Burchardt ab.

Um Chancen und Herausforderungen von Unternehmen besser zu verstehen, untersuchte die BCG-Studie «Green Factory of the Future» den Einsatz von Dekarbonisierungsmassnahmen. Dabei konzentrierte sich die Studie auf die ökologische Nachhaltigkeit in industriellen Betrieben, die global tätig sind. Ziel war es herauszufinden, was schon umgesetzt wird, und Motivationsgründe zu ermitteln.

Die wichtigsten Resultate: - Mehr als drei Viertel der Unternehmen räumten der Reduktion ihres CO2-Fussabdrucks eine hohe Priorität ein. - Den meisten dieser Unternehmen fällt es jedoch schwer, ihre Ziele zu erreichen. Nur 13 Prozent der Umfrageteilnehmenden bestätigten, dass ihre Firma die Massnahmen vollständig umgesetzt hat. - 90 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass ihr Unternehmen in den kommenden drei Jahren ein Investitionsbudget für solche Initiativen geplant hat. - Das größte Hindernis für ein progressives Vorgehen scheint die Sorge zu sein, dass die Initiativen die Umstellungskosten erhöhen werden.

Null Emissionen zu (netto) null Kosten?

Doch ist diese Sorge berechtigt? In Realität scheinen sich die Kosten für viele Unternehmen nicht annähernd so dramatisch zu gestalten, wie viele annehmen. Obwohl die Herausforderungen prägnant sind, deuten die Ergebnisse der BCG-Studie darauf hin, dass Unternehmen Win-Win-Massnahmen umsetzen können, die der Umwelt zugutekommen und gleichzeitig einen finanziellen Mehrwert schaffen. Zwar ist die ökonomische Herausforderung vor allem in sehr energieintensiven Sektoren hoch. Im Durchschnitt über alles Sektoren können Unternehmen aber rund 50 Prozent ihrer Emissionen entweder mit Einsparungen oder ohne grosse Zusatzkosten reduzieren.

«In allen Unternehmen, die wir bisher zu dem Thema unterstützt haben, waren noch erhebliche Potenziale durch Effizienzmassnahmen zu heben, die in vielen Fällen sogar zu Nettoeinsparungen führen. Darüber hinaus ist die Umstellung auf erneuerbaren Strom heute kaum noch mit Mehrkosten verbunden. Besonders jetzt, in der aktuellen Energiekrise, ist ausserdem Versorgungssicherheit ein wesentliches Argument geworden».

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die günstigsten Massnahmen zu identifizieren und schnell zu implementieren. «Viele Unternehmen konzentrieren sich zu früh auf die grossen Emissionsquellen und übersehen dabei das erhebliche Potenzial von Effizienzmassnahmen. Wenn beide umgesetzt werden, lassen sich die Kosten der meisten Programme stark begrenzen.» Manche Unternehmen schaffen sogar Nullemissionen zu null Kosten, weil sich Einsparungen aus Effizienzgewinnen und Mehrkosten aus vor allem erneuerbarer Wärmeerzeugung die Waage halten. Aber auch für solche, für die das nicht gilt, sind Klimaschutzmassnahmen oft attraktiv – beispielsweise, wenn sie sich als Lieferanten für Unternehmen mit ambitionierten Lieferkettenzielen positionieren.

Es ist Zeit, zu handeln

Durch die Dekarbonisierung lassen sich also Kosten wie Ressourcen einsparen. Doch damit nachhaltige Initiativen erfolgreich umgesetzt werden können, sollten Unternehmen auch dieses Thema stark intern steuern.

Burchardt ergänzt: «CO2-Einsparprogramme sollten von Firmen ähnlich rigoros gesteuert werden wie Kostensenkungsprogramme. Manche kombinieren sogar beides.» Sein Fazit: «Unternehmen wie Konsumenten müssen zukünftig bewusste und emissionsarme Entscheidungen treffen. Wie andere bereits festgestellt haben, sind wir die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt, und gleichzeitig die letzte, die die Möglichkeit hat, verheerende Folgen zu verhindern».

BCG Experte

Jens Burchardt, Managing Director und Partner für Climate Impact von BCG auf LinkedIn.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von BCG erstellt.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

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