Ist nur Bares Wahres? Die Vorteile von Bargeld sind unbestritten: Man sieht, was man im Portemonnaie hat, hinterlässt keine Datenspuren bei Transaktionen und ist unabhängig von Technik und Elektrizität – und somit für Cyberangriffe und Stromausfälle besser gewappnet. Diese Vorteile sind allesamt Nachteile digitaler Zahlungsmethoden. Doch es gibt ein entscheidendes Argument, das für die E-Varianten zu sprechen scheint: Digitale Zahlungsformen sind bequem. So bequem, dass erste Shops bereits gar kein Bargeld mehr akzeptieren.
Die Schweiz diskutiert deshalb mit der Initiative «Bargeld ist Freiheit» und dem direkten Gegenentwurf über die Zukunft des Geldes. Dabei wird jedoch meist ausgeblendet, welchen ökologischen Fussabdruck Bargeld und digitale Zahlungen hinterlassen, was also die nachhaltigere Methode ist.
Auf den ersten Blick erscheint Bargeld ressourcenintensiv: Banknoten aus Baumwolle oder Polymer, Münzen aus Metall benötigen Material, Energie zur Herstellung, ausserdem Lagerräume, Bancomaten als Ausgabestellen und eine eigene Transportlogistik, wie Lebenszyklusanalysen des Bargeldkreislaufs zeigen.
Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die Ökobilanz der Schweizerischen Nationalbank heranzieht: Demnach verursacht etwa die Bereitstellung der aktuellen Banknotenserie zwar rund 1900 Tonnen CO₂ pro Jahr. Diese Emissionen kompensiert die SNB aber vollständig durch den Kauf von Zertifikaten aus Klimaschutzprojekten. Die Notenversorgung gilt damit als klimaneutral.
Auch die Europäischen Zentralbank (EZB) hat in einer Studie vom Dezember 2023 die Nachhaltigkeit von Barzahlungen untersucht. Ihr Resultat: Die Umweltbelastung der jährlichen Barzahlungen einer Person entsprechen ungefähr der Emission einer Autofahrt von rund acht Kilometern. Diese Rechnung bezieht, anders als die Untersuchung der Schweizerischen Nationalbank, auch die Herstellung und die Verteilung von Münzen mit ein. Die Studie vergleicht diese Zahl mit dem ökologischen Fussabdruck, den der private Konsum einer europäischen Person im Jahr verursacht, also Wohnen, Ernährung, Güter, Reisen, Mobilität etc. – und kommt auf einen verschwindend kleinen Anteil von 0,01 Prozent.
Noch immaterieller erscheint der Fussabdruck digitaler Zahlungen, zumindest auf den ersten Blick. Pro Transaktion fallen hier kaum zusätzliche physische Ressourcen an. Allerdings verbrauchen Rechenzentren, Zahlungsnetzwerke und die Nutzung der Endgeräte jede Menge Energie, wie Analysen internationaler Organisationen zeigen.
Gleichwohl kommen verschiedene Vergleichsstudien zu dem Ergebnis, dass der CO₂‑Fussabdruck einer durchschnittlichen Kartenzahlung meist unter dem einer entsprechenden Bargeldzahlung liegt. Effizient sind besonders Systeme, die bestehende Infrastruktur nutzen – etwa kontaktlose Karten oder Mobile‑Payment‑Lösungen, die denselben Backend‑Prozess verwenden.
Zugleich deuten Branchenprognosen darauf hin, dass der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 deutlich ansteigen dürfte, angetrieben durch datenintensive Dienste und KI‑Anwendungen. Vor diesem Hintergrund warnte der internationale Währungsfonds (IWF) bereits 2022, dass die Gestaltung der Nutzung digitaler Währungen den Energieverbrauch massiv beeinflussen könnte. Als besonders problematisch gelten Krypto‑Währungen wie etwa Bitcoin. Deren Stromverbrauch wird als «ressourcenverschwendend» eingestuft und liegt laut Internationalem Währungsfond (IWF) um ein Vielfaches über dem klassischer Zahlungssysteme, ob digital oder bar. Will man die digitale Geldinfrastruktur wirklich nachhaltig gestalten, ist nach Expertenangaben vor allem ein dekarbonisierter Strommix entscheidend. Auf den Punkt gebracht: Je mehr erneuerbare Energien zum Einsatz kommen, desto besser für die Umwelt.
Unter dem Strich liegt die Lösung nicht in einem Entweder‑Oder, sondern in einem ausbalancierten Sowohl-als-auch: zum einen Bargeld als krisensichere, relativ ressourcenschonende Grundversorgung, zum anderen digitaler Zahlungsverkehr, der auf Effizienz, einfache Systeme und erneuerbare Energie getrimmt ist. Ob Bargeld nun explizit in der Verfassung verankert wird oder nicht, hat deshalb weniger Einfluss auf die ökologische Bilanz des Zahlungsverkehrs als vielmehr die Frage, wie sauber der Strom ist, der all die Geldautomaten, Rechenzentren und Netzwerke, die wir im Alltag nutzen, speist.