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Lebensräume: Wasser

So finden wir saubere Lösungen

Die Schweiz, das “Wasserschloss Europas” steht infolge des Klimawandel und unseres Konsumverhaltens vor grossen Herausforderungen. Ist unsere Wasserversorgung auch künftig garantiert?

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz verfügt über grosse Wasserreserven.
  • Die Trinkwasserqualität ist sehr hoch, fast alle Haushalte sind mit Trinkwasser erschlossen.
  • Klimawandel wird künftig regional und saisonal zu Wasserknappheit führen.
  • Unser Konsumverhalten belastet Wasserqualität und erhöht Wasserverbrauch.

Die Schweiz gilt dank ihrer vorteilhaften geografischen Lage als das Wasserschloss Europas. Fünf Prozent der Süsswasserreserven des europäischen Kontinents befinden sich hier. 40 Prozent unseres Trinkwassers stammt aus Quellen, weitere 40 Prozent aus Grundwasservorkommen und 20 Prozent aus Oberflächengewässern, hauptsächlich Seen.

97 Prozent der Schweizer Bevölkerung hat Zugang zu sicherem Trinkwasser und ist an eine zentrale Abwasserreinigung angeschlossen. Der Rest wird grösstenteils in dezentralen Systemen gereinigt.

Fakt ist: Es regnet ohne Ende.

60 Milliarden Kubikmeter

Niederschlagsmenge gibt es in der Schweiz pro Jahr.

Quelle: SCNAT

Die Schweiz nutzt jährlich 550 Milliarden Kubikmeter Wasser, das heisst, es wird dem Kreislauf kurzfristig entnommen und es fliesst anschliessend wieder zurück. Beispiele dafür sind Stromproduktion durch Wasserkraft oder für die Kühlung von Atomkraftwerken.

Der Wasserverbrauch in der Schweiz liegt bei 2 Milliarden Kubikmeter. Das entspricht 3,7 Prozent der Gesamtressourcen. Wasser zu verbrauchen bedeutet, dass es vorher dem Wasserkreislauf entnommen wurde und im Anschluss als Trinkwasser oder zur Bewässerung von Feldern verwendet wird.

Im Haushalt verbrauchen wir jährlich 50'000 Liter pro Person, das entspricht einem durchschnittlichen Wert von 140 Litern pro Tag.

Fakt ist: Schweizer Gletscher sterben aus.

1100 von 1200

Schweizer Gletschern werden im Jahr 2100 geschmolzen sein – mindestens.

Quelle: ETH

Durch den Klimawandel verschiebt sich der grösste Teil des Niederschlags in den Winter. So ist im Sommer jeweils mit längeren Trockenperioden zu rechnen. Dadurch kann es auch in der Schweiz regional und temporär künftig zu Wasserknappheit kommen. Wenn es aber regnet, regnet es mitunter stärker. Der Klimawandel erhöht künftig die Wahrscheinlichkeit von Hochwasser und Hangrutschungen.

Unter den wärmeren Durchschnittstemperaturen leidet die Biodiversität im Wasser. So leiden etwa Fische bei Hitzeperioden, weil der Sauerstoffgehalt im erwärmten Wasser sinkt. Gewisse Fischarten ziehen sich deshalb bereits in höhere Lagen zurück, das verändert das gesamte Ökosystem.

Dazu kommt: 14'000 Kilometer Gewässerabschnitte in der Schweiz befinden sich in einem schlechten ökologischen Zustand. Die Schweiz hat beschlossen, 4000 Kilometer davon bis 2090 zu revitalisieren.

Aletsch-Gletscher

Getty Images

Für die Schweizer Grundwasserversorgung sind Gletscher essentiell. Berechnungen der ETH deuten darauf hin, dass Gletscher wesentlich mehr Masse verlieren und mehr zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen werden, als aktuelle Schätzungen vermuten lassen.

Fakt ist: Pestizide belasten das Grundwasser.

Mehr als 1 Million Menschen

in der Schweiz tranken 2019 Wasser, welches den gesetzlichen Anforderungen für Trinkwasser nicht entspricht.

Grund dafür sind Pestizide und deren Abbaustoffe, die das Wasser zu stark belasten.

Quelle: NZZ

Die Schweiz hat eine hohe Trinkwasserqualität. Trotzdem werden noch immer bei jeder siebten Grundwasserprobe die Nitratgrenzwerte überschritten. Quelle des Nitrats ist die Landwirtschaft. Genauer gesagt die Gülle, die durch die Tierhaltung entsteht.

Wird diese auf die Felder ausgetragen, sickern die Nährstoffe ins Grundwasser und erhöht die darin enthaltene Konzentration. Nitrat gilt als potenziell krebserregend, bei Babys kann es lebensgefährliche Zyanose (Blausucht) auslösen.

Fakt ist: Mineralwasser ist das beliebteste Kaltwassergetränk des Landes.

100 Liter

beträgt der Pro-Kopf-Konsum von abgefülltem Mineralwasser in der Schweiz jährlich.

In den letzten 30 Jahren hat sich der Import von Mineralwasser praktisch verdoppelt. Über die Hälfte wird heute aus dem Ausland importiert.

Durch den Abfüllprozess und die Transportwege fallen hohe Treibhausgasemissionen an. Durch unseren Konsum von Importgütern wird Wasser dort verbraucht, wo es knapper ist als bei uns in der Schweiz.

Quelle: WfW

Schweizer Gewässer werden vor allem mit Kunststoffen aus Reifenabrieb, aber auch anderen Quellen wie Haushalt, Industrie, Bauwirtschaft und Littering mit Mikroplastik belastet.

Mindestens 20 Tonnen davon gelangen jährlich über die Schweizer Fliessgewässer in die Ozeane, rund die Hälfte davon wird über den Rhein abgeleitet. ist der Rhein verantwortlich. 120 bis 150 Tonnen Plastikmüll landen an Ufern und im Wasser von Schweizer Seen und Flüssen – auch diese Abfälle gelangen am Ende im Meer.

Herausforderungen

  • Es braucht Lösungen für temporäre Wasserknappheit
  • Die Landwirtschaft muss die Bodenbelastung verringern
  • Unser Konsumverhalten muss sich ändern
  • Wirtschaft und Gesellschaft müssen den Trinkwasserverbrauch reduzieren

Der Klimawandel stellt auch Europas Wasserschloss vor Herausforderungen: In der Schweiz müssen wir künftig auf regionale Wasserknappheiten im Sommer reagieren.

Wenn es im Winter zunehmend regnet anstatt schneit, fehlt im Frühling ausserdem das Schmelzwasser, um die Stauseen zu füllen. Damit könnte sich die Stromproduktion aus Wasserkraft im Sommer laut Prognosen um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Dieses Defizit muss kompensiert werden durch andere erneuerbare Energiequellen, beispielsweise Solar- oder Windenergie.

Der Wasserfussabdruck im internationalen Vergleich

Der Wasserfussabdruck im internationalen Vergleich

Der Wasserverbrauch der Schweiz ist im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch. Mit 4'200 Litern pro Person liegt die Schweiz vor Deutschland (3'900 Liter/Person) oder Grossbritannien (3'400 Liter/Person).

BCFN, National Water Footprint Accounts

Der Wassermangel im Sommer zwingt auch die Landwirtschaft zu Anpassungen: Sie müssen neue Pflanzensorten anbauen, die Trockenperioden besser aushalten und gesamthaft weniger Wasser benötigen. Zudem muss der Einsatz von Pestiziden und Nährstoffen, die auf den Feldern ausgetragen werden, reduziert werden.

Waren aus dem Ausland verursachen einen hohen Wasserverbrauch in ihren Herkunftsländern. Schweizerinnen und Schweizer können ihren importierten Wasserverbrauch reduzieren, indem sie vermehrt saisonale, regionale und mehr pflanzliche Lebensmittel kaufen, weniger Fast Fashion tragen und generell weniger konsumieren. Wenn immer möglich sollten Produkte – konkret Textilien – repariert werden, statt sie gleich zu ersetzen.

Potenziale

  • Wasserverbrauch und Schadstoffbelastung müssen verringert werden
  • Pestizideinsatz und Nutztierdichte in Landwirtschaft müssen reduziert werden
  • Wir müssen unsere Konsum- und Ernährungsgewohnheiten ändern

Gewerbe und Wirtschaft haben einen Einfluss auf den gesamten Wasserverbrauch der Schweiz. Produkte, die Wasser verbrauchen, können durch innovative Effizienzsteigerungslösungen den Kund*innen helfen, ihren Verbrauch zu verbessern. Der Wasserverbrauch der Produkte sollte zudem transparent angegeben werden.

Unternehmen können zudem ihre Mitarbeitenden für das Thema sensibilisieren oder konkrete Massnahmen umsetzen wie Regenwasserspülungen von Toiletten oder den Einsatz von wasserfreien Urinalen. In einem transparenten Nachhaltigkeitsreporting legen Gewerbe und Industrie zudem ihren Wasser- und Plastikverbrauch offen und setzen sich griffige Ziele, um nachhaltiger zu werden.

Die Schadstoffbelastung der Gewässer muss reduziert werden. Die Industrie muss Schadstoffe, Chemikalien, Öl- und Fettreste, organische Lösungsmittel, Schwermetalle oder Wirkstoffe wie etwa Medikamente korrekt entsorgen.

Die Landwirtschaft kann durch den Umstieg auf biologischen Anbau, den Fokus auf regenerative Landwirtschaft oder eine starke Reduktion des Pestizideinsatzes die Belastung der Gewässer sowie des Grundwassers minimieren. Die Nutztierhaltung sollte an die Fläche, die zur Verfügung steht, angepasst werden. So wird Boden durch die dadurch anfallenden Ausscheidungen nicht überbelastet.

Tipps zum Wassersparen

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Wir alle können einfache Massnahmen zum Wassersparen umsetzen: öfter duschen statt baden, mehr Leitungswasser statt Mineralwasser trinken, das Geschirr in die Maschine zu stellen, statt den Abwasch von Hand zu erledigen. Am effizientesten spart man aber Wasser, indem man seinen Konsum reduziert. Das gilt umso mehr für Importe aus dem Ausland. Vor allem bei Lebensmitteln gilt: Weniger Fleisch konsumieren, da die Nutztierhaltung viel ressourcenintensiver ist als die pflanzliche Produktion.

Weitere Informationen

Informationen zum Schweizer Gewässerschutz

Informationen zu Wasser und Konsum in der Schweiz

Wassernutzung und -verbrauch der Schweiz genauer erklärt

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