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Lebensräume: Bauen & Wohnen

Konstruktives Denken und Handeln ist gefragt

Der Bausektor ist mitverantwortlich für einen grossen Teil des Treibhausgasausstosses der Schweiz. Durch den Klimawandel drohen vermehrt Schadenereignisse im Siedlungsraum.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Qualität der baulichen Infrastruktur in der Schweiz ist hoch.
  • Der Siedlungsraum wächst, Kulturland verschwindet.
  • Wohnungen werden knapp, die Kosten in den Zentren steigen.
  • Der Bausektor ist ein Treiber des Klimawandels.
  • Die Folgen des Klimawandels bedrohen unsere Infrastruktur.

Die Qualität der Infrastruktur in der Schweiz ist hoch. Aufgrund seiner geografischen Lange ist unser Land gut vernetzt mit den europäischen Nachbarn, auch die Städte innerhalb der Schweiz sind eng miteinander verbunden.

Es wird immer mehr gebaut: Im Zuge der demografischen Entwicklung haben sich die Siedlungsflächen zwischen 1985 und 2018 um fast ein Drittel ausgedehnt, gewachsen sind vor allem die Agglomerationen.

Fakt ist: Es wird langsam eng in der Schweiz.

3271 km2

umfasst die Siedlungsfläche hierzulande inzwischen (Stand 2018). Das entspricht 8 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz.

Zwischen 1985 und 2018 sind die Siedlungsflächen landesweit um mehr als 30 Prozent gewachsen, die Wohnareale sogar um 61 Prozente. Die Bevölkerungsanzahl ist nur etwa halb so schnell gestiegen.

Quelle: Bundesamt für Statistik

90 Prozent der neuen Siedlungsfläche zwischen 1985 und 2018 entstanden auf der grünen Wiese, also auf Kosten des Kulturlands. Dieses geniesst weniger Schutz als etwa Waldflächen, die bei Rodungen jeweils kompensiert werden müssen.

In der Schweiz gibt es knapp 1,8 Millionen Wohngebäude, mehr als 1 Million von ihnen sind schlecht oder nicht vollständig isoliert, zwei von drei Gebäuden wurden vor 1980 erbaut. Die Schweiz ist zudem jenes Land in Europa, in dem am meisten mit Heizöl geheizt wird (Stand 2019). Mit einem Anteil von 25 Prozent an den Gesamtemissionen gehört der Gebäudesektor zu den grössten Verursachern von CO₂ in der Schweiz.

«Aber auch das Bauen selbst hat einen starken Klimaeffekt: Die Zementindustrie ist für 5 Prozent des CO₂-Ausstosses in der Schweiz verantwortlich.»

Quelle: USGS, Cemsuisse

In den urbanen Zentren der Schweiz droht heute Wohnungsknappheit. In den Grossstädten Zürich, Genf, Basel und Bern liegt die Quote der leerstehenden Wohnungen bei unter einem Prozent.

Hinzu kommt die zunehmende Gentrifizierung der Städte, was wiederum zu steigenden Wohnkosten führt. Diese Situation wird sich voraussichtlich weiter zuspitzen, da künftig mehr Wohnraum benötigt werden dürfte als auf dem Markt verfügbar ist.

Fakt ist: Steigende Wohnkosten treffen die Einkommensschwachen besonders hart.

33,7 %

ist der Anteil des Haushaltsbudgets, den die einkommmensschwächsten 20 Prozent der Schweiz für Wohnkosten ausgeben.

Bei den 20 reichsten Prozent beträgt dieser Anteil lediglich 10 Prozent des Budgets.

Quelle: Bundesamt für Statistik

2023 wird die Schweiz 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählen, 1990 waren es noch 6,7 Millionen. Während die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten abnimmt, steigt sie im urbanen Raum.

Dort wächst die Belastung durch Lärm und Schadstoffe wie gesundheitsgefährdenden Feinstaub, der durch die Verbrennungsmotoren, Holz-, Öl- oder Gasheizungen entsteht.

Herausforderungen

  • Für mehr Nachhaltigkeit im Bausektor sorgen
  • Dekarbonisierung der Siedlungsräume vorantreiben
  • In den zentren weniger dicht bauen
  • Steigende Wohnkosten bekämpfen

Um den Wohnungsbedarf zu decken, wird auch künftig gebaut werden müssen. Gefragt sind jedoch klimaverträgliche Lösungen.

In Siedlungsräumen muss die Energie effizienter genutzt werden. Das bedeutet: Gebäude müssen saniert, Gas- und Ölheizungen durch nachhaltige Heizungen ersetzt werden. Dächer können vermehrt mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden.

Die Dekarbonisierung des Wohnungs- und Verkehrsektors führt einerseits zu geringeren CO₂-Emissionen, andererseits werden auch die Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Russ stark reduziert.

Fakt ist: Schweizer Städte stehen für Lebensqualität.

Platz 3

belegte Zürich, die grösste Stadt der Schweiz, 2022 im Lebensqualitäts-Ranking der britischen Wochenzeitung «The Economist».

Nur Wien und Kopenhagen wurden noch etwas besser bewertet als Zürich. Auch Genf schaffte mit Rang 6 den Sprung in die Top Ten. Insgesamt wurden 172 Städte bewertet.

Quelle: The Economist

Aufgrund des Klimawandels steigt die Wahrscheinlichkeit von extremen Wettereignissen wie Hochwasser oder Hangabrutschen. Gleichzeitig sind die Böden der Verkehrsflächen und Siedlungsgebiete hochgradig versiegelt. Die Infrastruktur muss widerstandsfähiger gemacht und an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.

Ausserdem braucht es Massnahmen gegen steigende Wohnkosten, unter denen vor allem die einkommensschwachen Haushalte zu leiden haben. Im ländlichen Raum müssen zentrale Dienstleistungen wie Gesundheitswesen, Post, Telekommunikation oder Mobilität sichergestellt sein.

Potenziale

  • Technologische Innovationen im Baugewerbe
  • Förderung energetischer Sanierungen von Gebäuden
  • Ausbau von Solaranlagen auf Siedlungsflächen
  • Kluge Konzepte für verdichtetes Bauen
  • Förderung von preisgünstigem Wohnungsbau
  • Moderne Arbeitsformen und Sharing-Modelle

Durch den Einsatz von klimafreundlicherem Zement, das Recycling von Baumaterialien, die häufigere Verwendung von regionalen Produkten oder emissionsfreien Maschinen kann Bauen umweltschonender werden. Statt alte Häuser abzureissen, wäre eine Sanierung oft ökologisch sinnvoller.

Die Politik kann gezielt energetische Sanierungen – also den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien bei Heizsystemen oder die Verbesserung der Gebäudeisolation – fördern, indem sie (finanzielle) Anreize schafft.

Die bebauten Flächen in der Schweiz besitzen zudem grosses Potenzial für den Ausbau von Solarenergie. Wer selbst keine Anlage baut, kann seine Dachfläche auch anderen zur Verfügung stellen, die finanziell von der ins Netz zurückgeleiteten Elektrizität profitieren möchten und somit den gesamten Strommix nachhaltiger machen.

Da der Siedlungsraum in der Schweiz begrenzt ist, gleichzeitig die Nachfrage nach Wohnraum zunimmt, ist es wichtig, verdichteter zu bauen. Das Raumplanungsgesetz von 2014 ist hier ein wichtiges Instrument, um Landverschleiss zu reduzieren. Es zielt darauf ab, die Siedlungen kompakter zu gestalten, Baulandreserven besser zu nutzen und die Landschaft zu schonen. Grünflächen und nicht-versiegelte Böden tragen dazu bei, die Temperaturen an Hitzetagen in der Stadt zu reduzieren.

Zürich aus der Vogelperspektive

Dichtestress: Das psychisch belastende Gefühl der Enge. Durch verdichtetes bauen rücken sich nicht nur die Menschen immer näher - auch Lebensräume von Tieren werden stärker bedroht und eingeschränkt.

Um preisgünstigen Wohnraum in den Zentren zu fördern, bietet es sich an, Areale, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befinden, im Baurecht an Wohnbaugenossenschaften abzugeben. Für private Bauherrschaften können Richtanteile an preisgünstigen Wohnungen bei Grossüberbauungen zu einer besseren sozialen Durchmischung führen.

Für Unternehmen gilt: Moderne Arbeitsformen ohne feste Arbeitsplätze und ein höherer Anteil an Homeoffice-Arbeitszeiten verringern den Bedarf an Büroflächen. Beruflich und privat bieten auch Sharing-Modelle grosses Potenzial im Sinne der Nachhaltigkeit. Das zeigt sich vor allem beim Car-Sharing, der gemeinschaftlichen Nutzung von Fahrzeugen.

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