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Um die Kapazitäten nachhaltiger Stromgewinnung zu erweitern, sollen Windparkflächen auf hoher See erschlossen werden. Foto: Istock

Klima & Energie Partner Inhalt: Boston Consulting Group (BCG)

Offshore-Branche: Den Gegenwind nutzen

Windkraftanlagen auf See haben sich weltweit zu einer Schlüsseltechnologie für nachhaltige Stromerzeugung entwickelt. Für das laufende Jahr ist eine Rekordzahl an Ausschreibungen angekündigt worden. Mutige Entwickler werden diese Gelegenheit nutzen – trotz aller aktuellen Herausforderungen.

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Offshore-Branche: Den Gegenwind nutzen

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Die positive Nachricht zuerst: Innerhalb von nur zehn Jahren – zwischen 2012 und 2022 – sind die Kosten für Windkraftanlagen auf hoher See um rund 60 Prozent gesunken. Das unterstreicht das enorme Potenzial, das in dieser sauberen, erneuerbaren Energiequelle steckt. Allerdings hat sich der Wind inzwischen gedreht. Die Offshore- Branche sieht sich derzeit vor bisher nicht gekannten Herausforderungen. «Heftige Kostensprünge, steigende Zinssätze und eine eingeschränkte Lieferkette haben zu Projektverzögerungen und -stornierungen geführt und die Branche auf eine harte Probe gestellt», sagt Dr. Ernesto Wandeler, Managing Director & Partner bei der Boston Consulting Group (BCG) in Zürich. Die Konsequenzen bekommen auch die Grossen der Branche zu spüren. So musste das weltweit marktführende Unternehmen, der dänische Energiekonzern Ørsted, 2023 einen Verlust von 2,7 Milliarden Euro vermelden. Und auch die Wettbewerber Vattenfall, Equinor, Iberdrola und Shell sahen sich gezwungen, ihre Windparkpläne erst einmal auf Eis zu legen oder ganz aufzugeben. «Betroffen sind vor allem Entwickler mit umfangreichen und ausgereiften Projektpipelines. Sie müssen heute mit Investitionsentscheidungen zurechtkommen, die vor Jahren im Rahmen von Ausschreibungen auf der Grundlage wesentlich günstigerer Erwartungen getroffen wurden», sagt Jeremy Merz, Managing Director & Partner bei BCG in Zürich. Auch den Lieferanten macht eine mangelnde Rentabilität zu schaffen, was den dringend erforderlichen Ausbau der Supply Chain behindert.

Energieversorgung absichern

Mitten in dieser krisenhaften Konstellation sind mehrere europäische Regierungen dazu übergegangen, ihre Ziele für die Offshore-Windenergie zu erhöhen: Sie wollen einerseits die Energieversorgung stärker absichern, andererseits ihre Bemühungen um ein Absenken der CO₂-Emissionen beschleunigen. Um die Kapazitäten nachhaltiger Stromgewinnung zu erweitern, sollen zusätzliche Windparkflächen auf See erschlossen werden, möglichst verbunden mit dem zeit- und kostenaufwendigen Auf- und Ausbau lokaler Lieferketten, was auch neue Arbeitsplätze schafft. Die Vergabe läuft zunehmend über wettbewerbsorientierte Ausschreibungsformate, sogenannte Bieterverfahren, die aber in der Regel die Gewinnmargen der Unternehmen schmälern. Die Neigung der Bauträger und Entwickler, sich daran zu beteiligen, hält sich daher aktuell in Grenzen. Zu gross erscheint vielen derzeit das Risiko.

2024 entscheidendes Jahr

«Im Rahmen unserer neuen Studie ‹Winning offshore wind tenders in a changing market› haben wir uns eingehend mit dieser komplexen Situation beschäftigt», sagt Ernesto Wandeler. Es zeichne sich ab, dass 2024 ein entscheidendes Jahr für die Branche darstelle. Der Studie zufolge wird in den etablierten und den aufstrebenden Märkten über Ausschreibungen eine rekordverdächtige Offshore-Windkapazität von 65 Gigawatt (GW) vergeben. Das entspricht einem Anstieg der kumulierten Kapazität um 35 Prozent in nur einem Jahr (siehe Abbildung). Gleichzeitig hat sich die Grösse der Projekte von einer typischen Kapazität von 0,1 GW im Jahr 2003 auf Kapazitäten im Bereich von 1 bis 2 GW im Jahr 2024 erheblich weiterentwickelt. Die Anlagen sind entsprechend komplex: Für ein 2-GW-Projekt benötigt man circa 100 Turbinen, und jede von ihnen ist fast so hoch wie der Eiffelturm (330 Meter). «Die Situation ist für Entwickler und Lieferanten derzeit enorm schwierig», sagt Jeremy Merz. «Es ist aufgrund der Lieferengpässe sehr teuer geworden, ein Projekt zu bauen.» Entwicklungsunternehmen, die sich unter diesen Bedingungen trauten, zu diesem Zeitpunkt zu investieren und sich erfolgreich Kapazitäten zu sichern, könnten sich «durch Portfolioeffekte und Lernprozesse einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verschaffen». Allerdings sei auch klar: «Wer diese Opportunität, Marktanteile zu gewinnen, nicht nutzt, verfolgt deshalb nicht zwangsläufig die falsche Strategie. Jedes Unternehmen muss für sich die nicht unerheblichen Risiken gründlich abwägen.»

Grafik: BCG Analyse

BCG Analyse

Seit der Veröffentlichung der Studie wurden die geplante Ausschreibungskapazität teilweise aktualisiert, inkl. 42,8 GW in den USA (Central Atlantic, Gulf of Maine, Gulf of Mexico, Oregon), 30,2 GW in Australien (Gippsland, Hunter) und die Verschiebung der dänischen Ausschreibungen (Hesselø und Energy Island Bornholm) ins 2025.

Veränderte Konditionen

Nach Angaben der Experten mehren sich die Anzeichen, dass auch die Regierungen bereit sind, einen Beitrag zur teilweisen Entschärfung der Krise zu leisten, etwa über neue Fördervereinbarungen und veränderte Preiskonditionen, die den Unternehmen entgegenkommen. «Wir beobachten, dass einige Akteure die Situation nutzen und stark in zukunftsweisende Konzepte investieren, vor allem in die Systemintegration», heisst es in der Studie. Dazu muss man wissen: Der geplante massive Ausbau der Offshore-Windkraft stellt das Energiesystem bereits heute vor beträchtliche Herausforderungen. Die grossen Offshore-Windparks erzeugen zeitweise enorme Leistungen, die zu häufigen Engpässen im Stromnetz führen und vom Stromsystem nicht aufgenommen werden können. Die optimale Integration der erzeugten Windenergie in das elektrische Leitungsnetz erfordert neue Speicherkonzepte und setzt eine genaue Vorhersage der einzuspeisenden Leistung voraus. Insbesondere für die Offshore-Windenergienutzung ist deshalb der Bedarf an innovativen Lösungen gross. Der BCG-Studie zufolge wird es durch die aktuelle Krise zu einem Reset, einer Neuausrichtung der Branche kommen – verbunden auch mit einer Verteilung der Wertschöpfung in der gesamten Lieferkette.

Bieterexzellenz gefragt

Zu den wichtigsten europäischen Märkten für Offshore-Windenergie gehören das Vereinigte Königreich, Deutschland, Dänemark und die Niederlande. «In diesen Ländern sehen wir weiterhin die innovativsten und wettbewerbsfähigsten Projekte», sagt Jeremy Merz. Ins Auge falle, dass in Europa die Integration von Offshore-Windkraft mit anderen Energiequellen und Speicherlösungen immer wichtiger werde, während in den USA der Aufbau lokaler Lieferketten entscheidend sei. In Schwellenländern wiederum seien lokale Partnerschaften, der Austausch mit Behörden und genauere Kenntnisse der jeweiligen Märkte zentral. Wer in diesem dynamischen Wettbewerbsumfeld, gekennzeichnet durch eine steigende Anzahl zunehmend komplexerer Ausschreibungen, bestehen will, muss laut Studie «Bieter-exzellenz» entwickeln: mit versierten Teams, klarer Governance, standardisierten Prozessen und hochentwickelten Tools. «Ausgezeichnete Projektentwicklungsfähigkeiten allein reichen nicht mehr aus, um bei Ausschreibungen erfolgreich zu sein», so das Fazit der Experten.

Foto: PD

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Dr. Ernesto Wandeler, Managing Director & Partner bei der Boston Consulting Group (BCG)

Foto: PD

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Jeremy Merz, Managing Director & Partner bei Boston Consulting Group (BCG)

Ausschreibungen gewinnen

Ausschreibungen gewinnen BCG ist ein globales Beratungsunternehmen, dessen Expertenteams aus dem Global Center for High-Stakes Auctions and Tenders Kunden gezielt bei Ausschreibungen in aller Welt unterstützen. BCG verfügt über umfangreiche Erfahrungen in verschiedenen Branchen, darunter in den besonders nachhaltigkeitsrelevanten Sektoren Offshore-Windkraft, Wasserstoff, Solar und Infrastruktur.

Hier zum Download der Studie

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von Boston Consulting Group (BCG) erstellt.

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