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Leben auf dem Mars? Mit dem ferngesteuerten Mars-Rover werden Bodenproben auf dem Roten Planeten eingesammelt. Foto: BKW

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«Wenn wir so weitermachen, gibt es irgendwann die Menschheit nicht mehr»

Thomas Zurbuchen war mehr als sechs Jahre lang wissenschaftlicher Direktor der Weltraumorganisation NASA. Ab August lehrt er an der ETH Zürich und leitet dort eine Initiative, die die Weltraumforschung ausbauen und die Zusammenarbeit mit der Raumfahrtindustrie stärken soll. Hier spricht er unter anderem über seine Kindheit in der Schweiz – und die Zukunft des Menschen auf diesem und auf anderen Planeten.

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«Wenn wir so weitermachen, gibt es irgendwann die Menschheit nicht mehr»

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Herr Zurbuchen, Sie kehren nach mehr als zwei Jahrzehnten in den USA in die Schweiz zurück. Was gab den Ausschlag?

Thomas Zurbuchen: Ich denke für jeden Teil meiner Karriere über zwei Dinge nach: Wo kann ich etwas Wichtiges bewirken, und was kann ich dabei lernen? Obwohl ich in der Schweiz aufgewachsen bin, habe ich nach meiner Doktorarbeit nie ausserhalb der USA gearbeitet. Ich hoffte, dabei etwas zu lernen, das mich zu einer besseren Führungsperson macht. Ich glaube, dass das Potenzial für Raumforschung in Zentraleuropa riesig ist und – insbesondere im Spannungsfeld zwischen den USA und China – auch weltweit wichtig ist. Was wir tun wollen, kann wichtig sein für Tausende von Studierenden, für die Schweizer Wirtschaft und auch weltweit. Zusätzlich freuen sich meine Frau und ich auch darauf, unsere Freunde wieder zu treffen und mehr Zeit mit ihnen zu verbringen, und auch neue Freunde kennenzulernen.

Sie sind in einer strengen christlichen Gemeinschaft im kleinen Ort Heiligenschwendi im Berner Oberland aufgewachsen. Welche Bedeutung hatte die Natur für Sie?

Wir haben hoch oben in den Bergen gelebt und waren weit weg von allem, auch von der Schule. Die geistige Enge kam aus dem familiären Bereich mit den religiösen Beschränkungen. Ich bin schon immer gerne in die Berge gegangen, weil ich es mag, wenn ich weit schauen kann. Die Sterne haben mich dabei von Anfang an angezogen. Und mir war auch immer bewusst, dass ich einmal weggehen und die Sterne von anderswo betrachten würde.

Neben der Erforschung des Weltalls geht es mittlerweile auch etwa darum, den Mars zu besiedeln. Wie weit fortgeschritten sind diese Projekte?

Man muss drei Stufen unterscheiden. Die erste Frage ist, wie weit wir davon entfernt sind, den ersten Menschen zum Mars und wieder zurück zu bringen. Wenn das gelingt, könnten wir dort eine kleine Forschungsgruppe – etwa wie in der Antarktis – etablieren. Davon sind wir aber wahrscheinlich zehn oder mehr Jahre entfernt. Wir müssen noch vieles entwickeln, damit das möglich wird. Erst die dritte Stufe wäre eine echte Besiedlung.

Thomas Zurbuchen

«Ich bin auch überzeugt, dass wir Menschen auf den Mars gehen und dort zum Beispiel eine Forschergruppe einrichten sollten.»

Thomas Zurbuchen

Was fehlt an Technologie oder Know-how?

Wir bräuchten beispielsweise neue und bessere Antriebswerke. Dann ist zu klären, wie wir die Menschen über längere Zeit vor der kosmischen Strahlung schützen. Ausserdem müssen wir sicher auf dem Mars landen und dann wieder starten können. Wir haben noch nie so etwas Grosses wie eine Kapsel mit Menschen dorthin gebracht. Es wäre also nötig, vorab viele Dinge wie Essen, Medizin, wissenschaftliche Instrumente und vieles mehr auf dem Mars zu deponieren – die Menschen würden nicht ihre Zahnbürsten und all das selbst mitbringen. Das ist schwierig, aber wir werden es herausfinden. Bei der Siedlung müssten wir wissen, wie man dort bauen, atmen und auch auf dem Mars vom Mars leben kann.

Uns droht eine klimabedingt verbrannte Erde. Müssen wir nicht erst mit unserem Planeten haushalten lernen, damit wir nicht dieselben Schwächen und Fehler ins All exportieren?

Die Art und Weise, wie wir mit der Erde umgehen, ist sehr wichtig. Ich halte es für entscheidend, dass wir international vorgehen. Jeder Kontinent und jedes Land muss sein Bestes beitragen, sodass wir als Gemeinschaft alle Stärken nutzen. Nur so werden wir die grossen Probleme lösen, die wir haben, und unser Verhalten in einer Art und Weise anpassen, die dem ganzen Planeten hilft.

Könnten Organisationen wie die NASA zeigen, wie wir auf der Erde am besten mit begrenzten Ressourcen umgehen?

Es gibt zwei Bereiche, in denen die NASA wirklich etwas beitragen kann. Im Moment sind 39 Satelliten im Weltraum unterwegs, die die NASA gebaut hat und die von dort sehr verlässliche Daten liefern. Sei es zum Wetter, zum Meeresspiegel, zum Abholzen der Regenwälder oder zur Luftverschmutzung. Ausserdem haben wir herausgefunden, wie Menschen an Orten mit sehr wenigen Ressourcen leben können. Also auch mit sehr wenig Energie und Nahrung – und wie sich ihr Einfluss auf die Umgebung begrenzen lässt.

Es gibt superreiche Menschen wie Elon Musk, der mit seinem Unternehmen SpaceX die Marsbesiedlung mit Nachdruck vorantreibt. Geht das zu schnell?

Ich bin auch überzeugt, dass wir Menschen auf den Mars gehen und dort zum Beispiel eine Forschergruppe einrichten sollten. Warum auch nicht? Es gibt gute wissenschaftliche Gründe dafür, und wir sollten auf dieses Ziel fokussieren. Über den nächsten Schritt der Besiedlung lässt sich aber streiten, und das tun sehr viele gut informierte Menschen auch. Elon Musk ist ein Visionär, der schon bald tausend Menschen zum Mars bringen will, was auch alles gut und recht ist. Aber die Fragen, wie man das macht und warum man das macht, haben weniger mit der Zeit jetzt als mit der Zukunft in dreissig oder vielleicht auch fünfzig Jahren zu tun. Es wird lange Diskussionen zu diesem Thema brauchen. Ganz grundsätzlich denke ich, dass die meisten Menschen auch weiterhin auf der Erde leben werden.

Sie nannten die Suche nach Leben im All einmal eine moralische Pflicht. Warum?

Über Jahrtausende haben sich die Menschen philosophisch oder religiös mit der Frage beschäftigt, ob es Leben im All gibt. Jetzt können wir mit der Wissenschaft Antworten suchen und machen dabei gerade in letzter Zeit unglaubliche Fortschritte. Ich glaube, dass es auf eine ganz tiefe Art und Weise zum Menschsein gehört, die Natur zu erforschen und zu erkunden, wo wir herkommen und wohin wir gehen. Ausserirdisches Leben ist für mich eine der drängendsten Fragen.

Wie ist hier der Stand der Forschung?

Ganz grundsätzlich wissen wir, dass es erdähnliche Planeten mit Wasser gibt. Wenn Leben im Weltraum häufig ist, dann werden wir das hoffentlich in zwanzig Jahren wissen. Wir suchen jetzt vor allem nach Anzeichen für bakterielles Leben, weil es auch auf der Erde für mehrere Milliarden Jahre nichts anderes gab. Intelligentes Leben ist eine andere Frage. Ich persönlich kann mir allerdings kein Universum ohne intelligentes Leben ausserhalb der Erde vorstellen. Ehrlich gesagt wäre es für mich die grösste Überraschung in der Kosmologie, wenn es nur ein intelligentes Leben im ganzen Weltraum gäbe: uns.

Was wäre Ihre erste oder wichtigste Frage an Aliens?

Der Kontakt zu anderem intelligenten Leben ist sehr schwer vorherzusagen. Wir müssten noch sehr viel erfinden, um sie besuchen zu können. Das ist viel schwieriger als eine Marsmission. Wenn sie zu uns kommen, sind sie viel entwickelter als wir. Dann wäre meine erste und die wichtigste Frage: How do you do it? Wie habt ihr euch technologisch so entwickelt, ohne euren Planeten zu zerstören? Wenn wir so weitermachen, gibt es irgendwann die Menschheit nicht mehr. Ich sorge mich nicht um den Planeten. Die Erde wird es noch in Milliarden Jahren geben. Aber gibt es die Menschheit noch? Das ist es, wo wir lernen könnten.

BKW

Die Weltraumforschung macht in immer kürzerer Zeit immer grössere Fortschritte. Vielleicht werden in nicht allzu ferner Zukunft sogar Menschen auf dem Mars siedeln. Ein hehres Ziel, das eines aber nicht vergessen machen sollte: Wir haben nur einen Planeten als Heimat für die gesamte Menschheit. Wir sollten alles daransetzen, unsere Lebensräume hier auf der Erde zu erhalten und die Modernisierung voranzutreiben, ohne dabei die Umwelt zu stark zu belasten. Die BKW bietet dazu Lösungen in den Bereichen Gebäude, Energie und Infrastruktur.

Mehr Informationen

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von BKW erstellt.

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