Neben der Speicherung und Entfernung kommt zunehmend auch eine weitere Nutzung von Kohlendioxid ins Spiel. Bei diesem Verfahren – man spricht hier von Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS), kann abgeschiedenes CO₂ etwa als Kohlensäure in Getränken wiederverwendet oder dauerhaft in Baustoffen wie Beton gebunden werden. Der Holcim-Konzern beispielsweise arbeitet an verschiedenen Projekten auf diesem Gebiet. Gemeinsam mit der ETH Zürich ist das Unternehmen auch Teil eines Forschungsvorhabens, das CO₂ nutzen will, um Erdwärme zu gewinnen.
Carbon Capture bleibt Ergänzung
Trotz grosser Erwartungen warnen Experten davor, die neuen Technologien als Ersatz für Emissionsreduktionen zu betrachten. CO₂ zu vermeiden, sei in der Regel deutlich einfacher und günstiger, als es später wieder einzufangen. Umweltorganisationen schlagen in die gleiche Kerbe: Sie sehen darin ein «technologisches Feigenblatt», das fossile Geschäftsmodelle womöglich weiter verlängert. Andererseits ermöglichen die verschiedenen Carbon-Capture-Verfahren, all jene Emissionen auszugleichen, die auch künftig in einer weitgehend dekarbonisierten Wirtschaft bestehen bleiben.
Der Weltklimarat betont in seinen Szenarien: Ohne eine gross angelegte CO₂-Entnahme sind die globalen Klimaziele kaum zu erreichen. Gleichzeitig wird unterstrichen, dass Carbon Capture die Emissionsvermeidung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen kann. Und das kostet. Allein der Aufbau einer geeigneten Infrastruktur erfordert Investitionen in Milliardenhöhe.
Und was folgt daraus für die Schweiz? Mit geballter unternehmerischer und wissenschaftlicher Power könnte hierzulande ein neuer Industriezweig rund um das Einfangen, Nutzen und Speichern von Kohlendioxid entstehen. Entscheidend ist, ob die bereits entwickelten Technologien rechtzeitig in grossem Massstab verfügbar gemacht werden können – zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Die bisher verfolgten Ansätze erscheinen zumindest vielversprechend.