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Sichtbarkeit: Wo sind die Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft?

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Gesellschaft Wirtschaft

Sichtbarkeit: Wo sind die Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft?

Wenn es um Geschlechtergleichstellung geht, wird es schnell emotional. Wir lassen diese Woche Fakten sprechen und Frauen zu Wort kommen – und dies bewusst aus ihrem Berufsalltag.

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Das fünfte Hauptziel der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen (UNO) im Rahmen der Agenda 2030 lautet: «Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen.» Denn die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist gemäss dem EDA nach wie vor eines der grössten Hindernisse für nachhaltige Entwicklung, ökonomisches Wachstum und globale Armutsreduktion.

Auch in der Schweiz noch ein weiter Weg

Hierzulande wird der Gleichstellung von Mann und Frau mit diversen Ansätzen begegnet. In der Bundesverfassung ist sie seit 1981 verankert und enthält in der Theorie ein direkt durchsetzbares Individualrecht auf gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit. 1996 trat das Gleichstellungsgesetz in Kraft. Es konkretisiert den Verfassungsauftrag für das Erwerbsleben, verbietet direkte wie indirekte Diskriminierungen in allen Arbeitsverhältnissen und soll die Chancengleichheit im Erwerbsleben sicherstellen.

Das Konzept der Gleichstellung fasst das NGO humanrights.ch wie folgt zusammen: «Gleichstellung bedeutet Gleichberechtigung und Chancengleichheit aller Mitglieder einer Gesellschaft. In der Schweiz ist die Gleichstellung der Frau im Gesetz zwar weitgehend verwirklicht, bis zur effektiven Chancengleichheit ist es jedoch noch ein weiter Weg. Frauen und Männern werden in der Gesellschaft unterschiedliche Interessen, Fähigkeiten und Rollen zugeschrieben. Das wirkt sich auch heute noch etwa auf ihre wirtschaftliche Stellung und die Verantwortung für Haus- und Familienarbeit aus.»

Kaderfrauen deutlich auf dem Vormarsch

Der Bund verlangt seit 2021 eine Geschlechterquote in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von KMU und börsenkotierten Unternehmen. Die Firmen müssen sich entsprechend rasch und proaktiv um geeignete Frauen bemühen.

Laut einer Studie des Personalvermittlers Russel Reynolds Association für das vergangene Jahr liegt der Frauenanteil bei der Hälfte der grössten börsenkotierten Unternehmen hierzulande bereits über dem gesetzlichen Richtwert von 20 Prozent. In den Geschäftsleitungen der im Swiss Market Index (SMI) geführten Firmen stieg er 2021 von 13 auf 19 Prozent.

Damit habe die Schweiz im europäischen Vergleich stark aufgeholt. Sie liege im Ländervergleich knapp hinter Deutschland, aber vor den Niederlanden, Spanien und Italien. An der Spitze des europäischen Rankings thronen Norwegen und Finnland sowie Grossbritannien. Im Gleichstellungs-Spitzenland Norwegen liegt der Frauenanteil bei 30 Prozent.

In Medien nach wie vor unterrepräsentiert

Frauen sind in der Berichterstattung von Schweizer Nachrichtenmedien deutlich weniger präsent als Männer: Nur knapp jede vierte Person, über die berichtet wird, ist weiblich (Stand 1. Juli 2021). Gemäss einer Studie der Universität Zürich blieb der Gender Gap seit 2015 über alle Sprachregionen und Medientypen hinweg nahezu unverändert. Am grössten ist er in Sport und Wirtschaft, am geringsten bei Kulturberichterstattung und menschlichem Interesse. Wenn Privates thematisiert wird, ist der Gender Gap zudem geringer, als wenn professionelle Rollen im Zentrum stehen.

In beruflichen und öffentlichen Kontexten werden Frauen (24 Prozent) im Vergleich zu Männern (76 Prozent) viel seltener dargestellt. Nur 21 Prozent aller sichtbaren Sprecher:innen von Organisationen und 23 Prozent aller Expert:innen in der Medienberichterstattung sind weiblich. Bei Personen, die Führungsverantwortung tragen und in ihrer Leitungsfunktion sprechen, sind Frauen besonders stark unterrepräsentiert. Entsprechend gilt es sowohl die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen als auch die journalistischen Routinen aufzubrechen.

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