Hotels statt Olympisches Dorf
Vor allem in einem Punkt unterscheidet sich ihre Olympia-Version von früheren Anlässen und Austragungsorten: Die diesjährigen Spiele sind dezentral angelegt. Statt monumentaler Neubauten setzt man auf bestehende Sportstätten, verteilt über den norditalienischen Alpenraum mit Wettkämpfen unter anderem in Bormio, Livigno, Antholz, Predazzo und Verona. Während Mailand für die Eis-Disziplinen wie Eishockey und Eiskunstlauf zuständig ist, beherbergen die Bergregionen vor allem die alpinen und nordischen Ski-Wettbewerbe, mit einer Eröffnungsfeier an vier Orten gleichzeitig. Eine solche Dezentralisierung ist allerdings mit erheblichen Transport- und Logistikherausforderungen verbunden. Zudem erschwert sie die angepeilte Reduzierung der Emissionen.
Rund 90 Prozent der Wettkampfanlagen für die mehr als 3500 teilnehmenden Athletinnen und Athleten aus 93 Ländern sind bereits vorhanden oder werden nach Angaben der Organisatoren nur temporär für die Spiele errichtet. Auch bei der Unterbringung der Teams geht man neue Wege. In Mailand wurde auf dem brachliegenden Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs «Scalo di Porta Romana» ein nachhaltig konzipiertes Olympisches Dorf für 1700 Aktive errichtet, den Angaben zufolge finanziert von privaten Investoren. Nach den Spielen sollen die energieeffizienten Gebäude in Studentenwohnheime umgewandelt und in einen umfassenden städtischen Entwicklungsplan integriert werden, der das Zentrum von Mailand wieder mit den umliegenden Vierteln verbindet. In anderen Austragungsorten hat man kosten- und ressourcensparend jeweils mehrere Hotels zu Olympischen Dörfern zusammengeschlossen. Eine Lösung mit kurzen Wegen – die Athletinnen und Athletinnen sind hier nah an ihre Wettkampfstätten angebunden.
Als weiterer Pluspunkt wird angeführt, dass der Energiebedarf des knapp zweiwöchigen Events vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden soll. Auch sollen für die Spiele zahlreiche Materialien wiederverwendet werden, darunter mehrere tausend Möbelstücke von früheren Grossanlässen. Die unterschiedlichen Massnahmen sind in einer offiziellen Nachhaltigkeits-, Impact- und Legacy-Strategie verankert. Diese orientiert sich an den Sustainable-Development-Goals (SDGs) der UNO und adressiert fünf zentrale Themen: Klima, Kreislaufwirtschaft, Menschenrechte, Inklusion und lokale Entwicklung.
Neubau in der Schutzzone
Italiens Olympiamanager, so der Eindruck, haben aus früheren Spielen gelernt. Die letzten Winterspiele, ausgetragen in Peking 2022, wiesen nach Expertenberichten einen grossen ökologischen Fussabdruck auf, und dies trotz aller Bemühungen, Nachhaltigkeit zu demonstrieren, und entgegen der offiziellen Behauptung, klimaneutral geblieben zu sein (durch den Ausgleich von circa 1,3 Mio. Tonnen CO2). Kritik entzündete sich besonders an der Naturzerstörung durch Rodungen und dem Einsatz von rund 200 Schneekanonen zum Präparieren der Pisten in den niederschlagsarmen chinesischen Bergen.