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Gesellschaft: Bildung

Wissen, was uns weiterbringt

Das Schweizer Bildungssystem hat viele Vorteile. Doch die Belastungen der Lehrkräfte und der Lernenden steigen. Ausserdem droht in vielen Schulen Personalmangel. Grund genug, rasch zu handeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der duale Bildungsweg ist eine Erfolgsgeschichte.
  • Lernende leiden zunehmend unter Leistungsdruck.
  • Die schulischen Leistungen nehmen ab.
  • Finanziell schwächere Familien sind benachteiligt Schweizer Hochschulen weisen hohe Qualität auf, Finanzierung zum Teil stark von Privaten abhängig.

Bildung ist eine Stärke unseres Landes – und als Grundrecht in der Verfassung verankert. Auf die besondere Bedeutung einer hochwertigen Grund- und Berufsbildung hat auch die internationale Gemeinschaft in SDG 4 hingewiesen: Sie sei zentral für die Verbesserung der Lebensbedingungen des Einzelnen und der Gesellschaft als Ganzes.

Im internationalen Vergleich gehören das Bildungsangebot wie auch der Bildungsstand der Schweiz zur Spitze. Jugendliche können hierzulande zwischen vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten wählen. Rund zwei Drittel von ihnen absolvieren eine Berufslehre mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen. Dank einer breiten Auswahl an Angeboten der höheren Berufsbildung und der Fachhochschulen und dank der Passerellen endet keine Ausbildung in einer Sackgasse.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern geniesst die Berufslehre in der Schweiz ein hohes Ansehen und bietet Schülerinnen und Schülern eine sehr gute Alternative zum Gymnasium. Davon profitiert auch die Wirtschaft: Das duale Bildungssystem der Schweiz ergänzt eine international hoch angesehene akademische Ausbildung mit der direkten, praxisorientierten Berufslehre.

Infografik Bildungssystem Schweiz

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation

Das Schweizer Bildungssystem weist insgesamt eine hohe soziale Durchlässigkeit auf: Jugendlichen und jungen Erwachsenen eröffnet es eine grosse Bandbreite an Weiterbildungsoptionen auch nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit.

Was aber zu denken gibt, ist die Qualität des Unterrichts: Laut Pisa-Studie von 2018 schnitten Schweizer Schülerinnen und Schüler schlechter ab als in den Vorjahren. In den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften liess sich überall ein Leistungsrückgang zu beobachten. Beim Lesen lag die Schweiz gar unter dem OECD-Durchschnitt. Und der Anteil der Lernenden, deren Lesevermögen zu schlecht ist, um Herausforderungen in Beruf und Alltag zu bestehen, steigt.

Die Kosten der frühkindlichen Bildung sind hoch. Die Eltern tragen in der Schweiz zwischen 66 Prozent (Deutschschweiz) und 38 Prozent (Kanton Waadt) der Krippenkosten selbst. Das benachteiligt finanziell schwächere Familien. Ähnliches zeigt sich auch später im Schulalltag: 34 Prozent der Schweizer Jugendlichen in der 8. und 9. Klasse besuchten in den Jahren 2011/2012 bezahlten Nachhilfeunterricht. Finanziell besser gestellte Familien können sich eine solche Förderung ihres Nachwuchses eher leisten als sozial schwächere. Die Chancen sind damit ungleich verteilt.

Fakt ist: Die Schule darf in der Schweiz nichts kosten.

2017

entschied das Bundesgericht in einem wegweisenden Urteil, dass Pflichtveranstaltungen in der Schule von der öffentlichen Hand bezahlt werden müssen.

Von den Eltern darf höchstens ein kleiner Beitrag für die Verpflegung von 10 bis 16 Franken – je nach Alter des Kindes – abverlangt werden.

Quelle: Bundesgericht

Der hohe Anteil an Nachhilfeunterricht ist ausserdem ein Anzeichen für einen steigenden Leistungsdruck in der Bildung. Burnout-Symptome werden immer häufiger bereits bei Kindern und Jugendlichen festgestellt.

Fremdsprachige Kinder sind insofern benachteiligt, als sie zunächst die Schulsprache erlernen müssen. Kritikerbemängeln, dass die personellen und finanziellen Ressourcen, die für diese Integration aufgewendet werden müssen, nicht ausreichend sind. Auch werde der Traumatisierung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Schulalltag oft zu wenig Rechnung getragen.

Die Schweiz hat in den letzten Jahren den Weg zu einer inklusiven Schulbildung eingeschlagen. Kinder mit Sonderbedarf oder Behinderungen werden in die Regelklassen integriert und nach ihren Bedürfnissen zusätzlich betreut. Schulgebäude müssen barrierefrei für Menschen im Rollstuhl zugänglich sein. Am Konzept der integrativen Schule entzündet sich aber auch Kritik. Durch die Integration von verhaltensauffälligen oder lernschwächeren Schülerinnen und Schülern leide die die Betreuung der restlichen Klasse, heisst es. Ausserdem erhöhe sich der Aufwand für die Lehrpersonen.

Seit Längerem besteht in der Schweiz zudem ein Lehrkräftemangel. Für das bestehende Personal ergibt sich daraus ein beträchtlicher Mehraufwand. Zu dem Mangel an Lehrkräften kam es einerseits aufgrund steigender Schülerzahlen, andererseits durch die im Lehrberuf weit verbreiteten Teilzeitstellen.

Zu den Stärken des Schweizer Bildungssystems zählt auch die Tertiärstufe. Sie umfasst einerseits die Höhere Berufsbildung (Höhere Fachschulen, Berufsprüfungen und Höhere Fachprüfungen), andererseits die Hochschulen (kantonale Universitäten, Eidgenössische Technische Hochschulen, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen).

Finanziert werden die Schweizer Hochschulen durch den Bund, die Kantone sowie private Geldgeber Besonders hoch ist der Anteil der privaten Mittel in St. Gallen (40 Prozent), besonders tief bei der ETH Zürich und der Universität Neuenburg (je 10 Prozent).

Fakt ist: Die Schweiz verfügt über Spitzenuniversitäten.

Platz 11

belegte die ETH Zürich 2022 im Hochschulranking des Magazins «Times Higher Education» (THE). Sie ist damit nach wie vor die bestplatzierte Hochschule ausserhalb der USA und Grossbritanniens.

Die ETH Lausanne rangiert auf Platz 41, auch die Universitäten Zürich (82), Bern (94), Basel (101) und Lausanne (135) sind in den Top 200 von mehr als 1'600 bewerteten Universitäten und Hochschulen platziert.

Quelle: Times Higher Education

Herausforderungen

  • Anteil der Ausländerinnen und Ausländer mit mindestens einem Sekundarschulabschluss erhöhen
  • Lehrkräftemangel beseitigen
  • Chancengleichheit herstellen
  • Lebenslanges Lernen für alle ermöglichen

95 Prozent aller 25-Jährigen sollen über einen Abschluss der Sekundarstufe II verfügen. Auf diese Quote haben sich der Bund, die Kantone und Organisationen der Arbeitswelt und Bildung als eines der gemeinsamen bildungspolitischen Ziele festgelegt. Ein Erstabschluss auf der Sekundarstufe II gilt als zentraler Faktor für eine nachhaltige und erfolgreiche Integration in die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft, da er sowohl Zugang zum Arbeitsmarkt als auch zu den Ausbildungen auf der Tertiärstufe gewährt.

Die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II beläuft sich bei hierzulande geborenen Schweizerinnen und Schweizern auf 94 Prozent (Stand 2018) und ist damit nah beim angestrebten politischen Ziel. Sie sinkt aber auf 86,2 Prozent für in der Schweiz geborenen Ausländerinnen und Ausländer und fällt auf 72,5 Prozent für solche, die im Ausland geboren sind. Damit ist klar, dass hier Nachholbedarf besteht.

Der Lehrpersonenmangel stellt Schulen vor grosse Herausforderungen. Schulleitende und Verbände fordern bessere Anstellungsbedingungen, um den Beruf langfristig attraktiver zu machen. Dazu gehören unter anderem erleichterte Zugänge zur Ausbildung zur Lehrperson, Motivation zu höheren Pensen durch Angebote wie ein attraktives Kinderbetreuungsangebot oder Prämien, die mit der Anzahl der unterrichteten Lektionen steigen.

Trotz der hohen Qualität der Schweizer Hochschulen: Die Institutionen fordern mehr Planungssicherheit, wenn es um die Anbindung an europäische Forschungsprogramme geht. Grund ist die derzeit ungeklärte vertragliche Situation im Verhältnis zwischen der EU und der Schweiz. Unsere Hochschulen sind aus dem europäischen Forschungsprogramm «Horizon» ausgeschlossen worden.

Potenziale

  • Attraktive Lehrstellen und Inklusionsprogramme in Unternehmen
  • Bezahlbare Betreuung von Kleinkindern Mehr Unterstützung für Lehrpersonen im Schulalltag
  • Intensive Sprachförderung für Kinder und Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse

Unternehmen können das duale Bildungssystem durch das Angebot attraktiver Lehrstellen weiter stärken und Weiterbildungen fördern, etwa durch die temporäre Verringerung von Arbeitspensen oder die Mitfinanzierung von tertiären Bildungsgängen. Mit Inklusionsprogrammen lassen sich Menschen mit Behinderung oder Migrantinnen und Migranten mit tiefem Bildungsstand oder geringen Sprachkenntnissen in die Arbeitswelt integrieren und fördern.

Gefragt sind auch Lösungen für eine bezahlbare Kleinkinderbetreuung und Massnahmen, um Lehrpersonen im Schulalltag stärker zu entlasten. Die Situation liesse sich verbessern, wenn mehr Lehrpersonen zu höheren Pensen motiviert werden könnten und der Zugang zur Ausbildung an pädagogischen Hochschulen erleichtert würde.

Kinder und Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse sind auf eine intensivere Förderung in der Unterrichtssprache angewiesen. Ohne eine solide Sprachausbildung ist es für sie schwierig, sich in die Gesellschaft zu integrieren und eine gute Ausbildung zu erhalten.

Weitere Informationen

Schweizer Plattform Bildung 2030 der UNESCO

Angaben des Bundesamt für Statistik zu SDG 4 (Hochwertige Bildung)

SDG Digital 2030: Informationen zum SDG 4 in der Schweiz

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