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Privatjets stehen während dem WEF auf dem Flugplatz in Davos
Privatjets stehen während dem WEF auf dem Flugplatz in Davos

Privatjets während des WEF 2025 in Davos: Die An- und Abreise der Teilnehmenden macht einen wesentlichen Teil des ökologischen Fussabdrucks des Treffens aus. Bild: Keystone

Wirtschaft

Wie grün ist das World Economic Forum?

Das Treffen der Mächtigen der Welt im Hochgebirge ist jedes Jahr ein energie- und emissionsintensives Grossereignis – und ein Ort, an dem viel über Nachhaltigkeit gesprochen wird.

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Nicht nur inhaltlich, auch organisatorisch gibt sich das World Economic Forum (WEF) ambitioniert. Für seine Jahrestreffen hat das Forum detaillierte Nachhaltigkeitsrichtlinien entwickelt, die sowohl für das Hauptprogramm als auch für die zahlreichen Side-Events gelten. Sie umfassen vor allem ressourcenschonendes Design, Abfallvermeidung und Recycling sowie eine nachhaltige Beschaffung. Einwegplastik soll vermieden, Materialien wiederverwendet, überschüssige Lebensmittel gespendet werden. Catering erfolgt möglichst regional, saisonal und zunehmend vegetarisch.

Auch bei Infrastruktur und Logistik setzt das WEF auf Effizienz: Man will temporäre Bauten modular nutzen, den Energieverbrauch reduzieren und lokale Initiativen in Kreislaufprojekte einbinden. Offiziell versteht sich das WEF als Organisation auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen bis 2030 – zumindest für den eigenen Betrieb.

Blinder Fleck An- und Abreise

Doch trotz dieser Massnahmen bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Der grösste Teil des ökologischen Fussabdrucks entsteht nicht vor Ort, sondern durch die Anreise der rund 2500 Teilnehmenden. Die Delegierten aus aller Welt, darunter Staats- und Regierungschefs sowie Top-Manager, schweben häufig mit dem Flugzeug ein – viele auch mit dem Privatjet. Zwar wirbt das WEF für Bahn- und Sammeltransporte und kompensiert Emissionen, doch transparente, öffentlich zugängliche Gesamtbilanzen der Anreise fehlen.

Kritiker sehen darin das Kernproblem: Die organisatorischen Verbesserungen im Eventbetrieb seien real, könnten aber die strukturellen Emissionen und den enormen Energieverbrauch des globalen Präsenztreffens kaum ausgleichen. Davos bleibe damit ein «Symbol für die Spannungen zwischen Nachhaltigkeitsanspruch und globaler Elite-Mobilität». Befürworter verweisen dagegen auf die grosse Bedeutung der persönlichen Begegnung, so dass man die Travel-Emissionen verringern, aber grundsätzlich in Kauf nehmen müsse.

Lösungen auf den Weg bringen

Was die Programmgestaltung betrifft, ist Nachhaltigkeit nicht nur präsent, sondern integraler Bestandteil des WEF. Sie durchzieht das gesamte Themenspektrum. Klimapolitik, Energietransformation, nachhaltige Finanzierung, Lieferketten, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität oder soziale Ungleichheit werden nicht isoliert behandelt, sondern als miteinander verknüpfte Herausforderungen diskutiert. Nachhaltigkeit erscheint dabei weniger als eine Forderung, sondern als ökonomische und geopolitische Notwendigkeit.

Das WEF setzt bewusst auf einen systemischen Ansatz: Wachstum soll neu gedacht, technologische Innovation beschleunigt werden. Panels bringen politische Entscheidungsträger mit Konzernchefs, Investoren und Nichtregierungsorganisationen zusammen. Der Anspruch lautet, Lösungen zu ermöglichen – nicht nur Probleme zu benennen.

Genau an diesem Punkt setzt wiederum die Kritik an. Zwar sei Nachhaltigkeit programmatisch tief verankert, doch die Gespräche blieben weitgehend unverbindlich. Das WEF selbst trifft keine politischen Entscheidungen, es setzt keine Regeln durch. Ob aus den Debatten konkrete Massnahmen folgen, hängt alleine von den Akteuren ab, die von Davos zurück in ihre Länder, Unternehmen oder Institutionen reisen.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

12 - Verantwortungvoller Konsum und Produktion
13 - Massnahmen zum Klimaschutz
17 - Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

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