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Welchen Wert haben unsere Ozeane?

Die Ozeane sind für das Leben auf unserem Planeten entscheidend. Die Berücksichtigung ihres Schutzes in der Impact-Wirtschaft könnte ein grosser Schritt zu einer nachhaltigen Zukunft sein.

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Für das Leben auf der Erde sind die Ozeane von grosser Bedeutung, doch ihr Wert wird in den heutigen Wirtschaftsmodellen nicht berücksichtigt. Dies muss sich ändern, wenn die Volkswirtschaften weltweit den Weg in Richtung nachhaltige Zukunft einschlagen wollen. Im Zentrum dieser Bemühungen steht die Zukunft unserer Ozeane.

Eine vom UBS Sustainability and Impact Institute veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2023 beleuchtet die Bedeutung des Wandels unserer Welt hin zu einer Impact-Wirtschaft – und damit weg von der derzeitigen Orientierung in Richtung Output. Diese Umstellung verlangt, dass wir nicht nur den wirtschaftlichen Wert unserer planetaren Ökosysteme erkennen, sondern der Wirtschaft auch ermöglichen, die Folgen und Kosten der Zerstörung dieser Ökosysteme abzuschätzen.

Ökosysteme funktionieren nicht unabhängig voneinander und die Gesunheit des Planeten basiert genau auf dieser Interaktion verschiedener Systeme. Die meisten davon sind ausserdem abhängig von Ozeanen. Die Weltmeere sind einzigartig und helfen unserem Planeten dabei, die Qualität von Luft und Klima zu verbessern und die Erdtemperatur zu regulieren. Ausserdem bieten die Ozeane der Menschheit zahlreiche wirtschaftliche und kulturelle Nutzen: Einige, wie die Schifffahrt, sind offensichtlich, andere sind weniger greifbare Ökosystemleistungen wie Grundversorgung (Nahrungsmittel, Wasser) und kulturelle Leistungen (Spiritualität, Freizeit)[1].

Obwohl die Ökosystemleistungen von Ozeanen für das reibungslose Funktionieren unseres Planeten und unserer Gesellschaft wichtig sind, ist deren Nutzen oftmals kaum sichtbar. Dies zeigt sich erst über einen langen Zeitraum. Ozeane werden oft als selbstverständlich angesehen, was sie anfällig macht für Ausbeutung und Zerstörung.

Die folgenden drei Beispiele unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung der Ökosystemleistungen von Ozeanen:

  • Wale (und Phytoplankton) als Kohlenstoffsenke[2] Auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, haben Wale einen grossen Einfluss auf das Ökosystem der Ozeane. Ein durchschnittlicher Wal nimmt während seines Lebens 33 Tonnen CO₂ auf. Nach seinem Tod sinkt er auf den Meeresgrund, wo er den Kohlenstoff jahrhundertelang gebunden hält. Ausserdem sorgen Wale nachweislich für das Wachstum von Phytoplankton-Populationen, da ihre Ausscheidungen Nährstoffe enthalten, die ideal sind für diese mikroskopische Lebensform. Phytoplankton wiederum ist zentral für die Sauerstoffproduktion und bindet kollektiv enorme Mengen CO₂. Gemäss Berechnungen speichert Phytoplankton genauso viel Kohlenstoff wie 1,7 Billionen Bäume oder vier Amazonas-Regenwälder. Wenn wir die globale Walpopulation von derzeit ungefähr 1,3 Millionen auf die früheren vier bis fünf Millionen Wale erhöhen könnten, würden wir eine bedeutende CO₂-Reduktion ermöglichen, sowohl dank der Wale als auch dank des Phytoplanktons, dessen Wachstum durch Wale gefördert wird. Ohne unser Eingreifen wird es gemäss Schätzungen 30 Jahre dauern, um die derzeitige Walpopulation zu verdoppeln. Würden jedoch Anstrengungen zugunsten des Walschutzes unternommen, könnten die Walpopulation und die damit verbundene Kohlenstoffbindung viel schneller ansteigen.

  • Mangroven und Korallenriffe als Küstenschutz[3] Es wird davon ausgegangen, dass Stürme aufgrund des Klimawandels in Zukunft häufiger und zerstörerischer werden. Das bedeutet, dass die Rolle, welche Mangroven und Riffe bei der Reduzierung von Sturmschäden spielen, künftig wohl noch bedeutender wird. Es ist nachgewiesen, dass Mangroven Überflutungen, Windgeschwindigkeiten und Wellenschlag während Stürmen deutlich reduzieren. Korallenriffe verringern die Wellenenergie nachweislich um 97% und schützen Küsten so vor Sturmfluten und potenziell zerstörerischen Wellen. Schätzungen zufolge schützen Korallenriffe allein in den USA Eigentum und Infrastruktur im Wert von über USD 1,8 Milliarden.

  • Medikamente[4] Viele bekannte Medikamente stammen aus der Natur. Bisher kamen die meisten davon aus irdischen Quellen, doch in den letzten 30 Jahren haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermehrt Meerestiere untersucht, um neue Medikamente gegen Krebs und Asthma zu entwickeln. Effektive Behandlungen oder Heilmittel für gängige oder stark einschränkende Krankheiten zu finden, wäre von grossem Nutzen für die Menschheit.

Die Preisgestaltung ist eine Herausforderung Trotz des grossen Nutzens der Ozeane: Sie werden wie viele andere Ökosystemleistungen in den heutigen Wirtschaftsmodellen unterbewertet, oder gar nicht berücksichtigt. Stattdessen wird deren Nutzen oft als unveränderliche Konstante behandelt – obwohl wir wissen, dass der Klimawandel eine massive Bedrohung für die Ozeane und die darin lebenden Organismen darstellt.

Ein Teil der Herausforderung ist, dass viele Leistungen der Ozeane aktuell nicht gemessen werden und nur schwierig quantifiziert werden können. Wie also können wir ihren intrinsischen Wert in der Impact-Wirtschaft berücksichtigen?

Eine Möglichkeit ist, die unbeabsichtigten Auswirkungen besser zu verstehen, welche verschiedene menschliche Handlungen auf die Ozeane haben, zum Beispiel die Folgen der Handelsschifffahrt oder der Schleppnetzfischerei für die Walpopulation. Untersucht man diese in Verbindung mit den Migrationsmustern der Wale, lassen sich die Routen oder die Fischereiarten angepassen, was sich positiv auf Wale und Plankton – und somit auf das gebundene CO₂ – auswirkt.

Weitere potenzielle Effekte haben weggeworfene Fischernetze. Wie bereits erwähnt, sind Wale nachweislich eine Form der natürlichen Kohlenstoffbindung. Anerkennt und beziffert man das Ausmass des Schadens, beeinflusst das wie Netze entsorgt werden. Dadurch lässt sich auch die Anzahl der Netze reduzieren, in denen sich Wale verfangen können.

Mit dieser Denkweise können wir den Nutzen, welchen uns die Ozeanökosysteme stiften, möglicherweise besser erkennen und maximieren, während wir uns dem Klimawandel und anderen Herausforderungen stellen. Mangroven und Korallenriffe sind ein gutes Beispiel dafür: Ihr Nutzen für den Küstenschutz kann nachgewiesen werden. Dadurch verstehen lokale Regierungen und Versicherungen besser, welche Vorteile ihr Schutz es bringt – und was die Risiken sind, wenn dies nicht getan wird.

Unsere Ozeane bieten der Menschheit unzählige Vorteile, doch viele davon sind unbekannt und anfällig dafür, verloren zu gehen. Unsere grosse Hoffnung ist, ein Gleichgewicht zu finden, in dem die Menschen den Wert für den Schutz der einzigartigen Ökosystemleistungen unserer Ozeane erkennen – und die Kosten ihrer Verschwendung.

Das Institut

Das UBS Sustainability and Impact Institute wurde 2021 gegründet, um eine Vordenkerrolle in der Forschung rund um Sustainability und Impact einzunehmen. Es bringt eine vielfältige Gruppe führender UBS-interner und externer Expertenstimmen zusammen, um Herausforderungen zu identifizieren und mögliche Lösungen vorzuschlagen, mit dem Ziel, kollektives Handeln und Kapitalallokation für eine nachhaltigere Zukunft zu beschleunigen.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde von UBS im Rahmen der Partnerschaft mit Sustainable Switzerland selbst erstellt.

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