Zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens hat der klimapolitische Schwung spürbar nachgelassen. Dabei erlaubt die aktuelle Entwicklung eigentlich keine Pause. Im Gegenteil: Viele Ziele sind in weitere Ferne gerückt. Doch der politische Gegenwind hat deutlich zugenommen – mit dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen als unrühmlichem Höhepunkt.
Der neue politische Wind zeigt sich auch in den Regulierungen. In Europa etwa werden zentrale Nachhaltigkeitsvorschriften (CSRD) vereinfacht, um Bürokratie abzubauen und Unternehmen wie Mitgliedstaaten mehr Zeit für die Umsetzung zu geben. Auch der Bundesrat folgt den europäischen Vorgaben, um Schweizer Firmen faire Handelsbedingungen zu sichern. Gleichzeitig gelten ab September mit den EmpCo-Richtlinien neue Vorgaben, die den Schutz der Verbraucher vor Greenwashing verbessern sollen.
Während sich die Rahmenbedingungen verändern, bleibt das klimapolitische Engagement vieler Firmen hoch. Gerade auch Schweizer KMU signalisieren, dass sie ihre nachhaltige Transformation weiter vorantreiben wollen – unabhängig von kurzfristigen politischen Schwankungen und regulatorischen Ungewissheiten.
Orientierung in wachsendem Markt
Die veränderten Regulierungsvorschriften sind nur einer der Trends im Nachhaltigkeitsmanagement, die das Jahr 2025 prägten. Ebenso wichtig ist der umfassendere Anwendungsbereich sowie der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz in den Applikationen. Dies geht aus dem «Sustainability Software Radar 2026» hervor, den der Technologiekonzern Swisscom gemeinsam mit der IT-Beratung Atlantic Ventures zum dritten Mal veröffentlicht hat. Der Bericht gibt einen Überblick über ein Marktsegment, das auch 2025 gewachsen ist, sich nun aber in einer Konsolidierungsphase befindet. Der Radar identifiziert dabei 305 Anbieter von Nachhaltigkeits-Software – 22 mehr als in der letzten Ausgabe. Einige von ihnen werden im Radar in kurzen Porträts vorgestellt.
Mit zahlreichen Informationen zu Tools und Trends unterstützt der Report Entscheidungsträger in Unternehmen bei der Auswahl passender Lösungen. Zudem zeigt er, welche Anforderungen ein modernes, datenbasiertes ESG- und Carbon-Management erfüllen muss.
Die regulatorische Unsicherheit zeigt Folgen: Viele Firmen haben Investitionsentscheidungen verschoben und nehmen sich mehr Zeit für die Einführung neuer Systeme. Dadurch steigt der Wettbewerbs- und Preisdruck im Markt. Für Unternehmen kann dies kurzfristig Vorteile bringen, wenn Lizenzkosten sinken und Gesamtpakete attraktiver werden. Diese Phase dürfte aber begrenzt sein. Spätestens ab 2028, wenn die EU-Zeitpläne greifen, dürfte die Nachfrage wieder deutlich anziehen.
Andererseits nutzen viele Anbieter die aktuelle Situation, um ihre Lösungen weiterzuentwickeln. Der Fokus verschiebt sich vom reinen Reporting hin zu datengetriebenen Anwendungen, vor allem für das Management von Lieferketten und Lieferantenrisiken. Neben grossen ESG-Plattformen gewinnen spezialisierte Nischenanbieter an Bedeutung, die sich auf einzelne Branchen oder spezifische Funktionen konzentrieren.
Wichtiges Steuerungsinstrument
Parallel dazu erkennen immer mehr Firmen, dass Nachhaltigkeitsmanagement weit mehr ist als die Erfüllung regulatorischer Vorgaben. Compliance bleibt zwar wichtig. Doch wer Nachhaltigkeit nur als Pflichtübung betrachtet, verschenkt Potenzial. «Nachhaltigkeit kann die Wirtschaftlichkeit einer Firma auf mehrere Arten unterstützen: Zu denken ist beispielsweise an Kosteneinsparungen durch höhere Effizienz und weniger fossile Energiequellen, eine bessere Reputation bei Kunden und Talenten oder neue Geschäftschancen durch nachhaltige Produkte», erklärt Marion Roeder, Business-Development-Managerin für datengetriebene Nachhaltigkeit bei Swisscom. Verantwortungsvolles Wirtschaften kann die Marktposition stärken, Kunden langfristig binden und die Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen. Gleichzeitig verbessert ein nachhaltigkeitsorientiertes Risikomanagement die Fähigkeit, auf Klimarisiken oder Störungen in Lieferketten zu reagieren.