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Dürre in Frankreich

Frankreich, Charente-Maritime, extreme Dürre zeigt den Flussgrund der Loire. Bild: Getty Images / Mischa Keijser

Lebensräume

Wassermangel: Wo der Weltwasserrat einen Ausweg sieht

Es ist an der Zeit, von der Verschwendung zur Wiederverwendung von Wasser überzugehen, sagt Loïc Fauchon, Präsident des Weltwasserrats. Im Interview erklärt er, wo er die «grosse Revolution» dieses Jahrhunderts sieht.

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Wassermangel: Wo der Weltwasserrat einen Ausweg sieht

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SWI swissinfo.ch: In verschiedenen Teilen der Welt wird das Wasser immer knapper. Wird es Kriege um Wasser geben?

Loïc Fauchon: In der Geschichte hat es noch nie echte Kriege um Wasser gegeben. Menschen kämpfen um den Zugang zu einem Brunnen, zu einer Oase, aber das sind keine Kriege. Spannungen gibt es höchstens, wenn weniger Regen vom Himmel fällt oder wenn die Wasserressourcen übernutzt werden. Ich bin recht optimistisch, was die Wasserwirtschaft angeht. Letztes Jahr nahm ich am G20-Gipfel in Indonesien teil, und zum ersten Mal hörte ich, wie die Staatsoberhäupter über Wasser sprachen. Nach den schweren Dürreperioden in den Vereinigten Staaten und Europa haben wir in den letzten zwei Jahren ein echtes Bewusstsein dafür entwickelt.

Was sind die grössten Bedrohungen für die Wasserversorgung?

Eine davon ist die relativ unvorhersehbare Entwicklung des Klimas mit verzögerten Regenfällen, intensiveren Dürren und übermässigen Überschwemmungen, wie sie im letzten Jahr in Pakistan auftraten. Der andere ist das Bevölkerungswachstum.

Wie kann ausreichend Wasser für eine wachsende Weltbevölkerung gewährleistet werden?

Wir müssen weniger und intelligenter Wasser verbrauchen als bisher. In der Vergangenheit haben wir viel Wasser verschwendet. Jetzt müssen wir Innovationsgeist zeigen und die neuesten Technologien nutzen, um den Verbrauch zu senken. Schon ein paar kleine Massnahmen im Alltag und ein wenig gesunder Menschenverstand reichen aus, um 10-15 % zu sparen.

Loïc Fauchon

«Wir müssen weniger und intelligenter Wasser verbrauchen als bisher. In der Vergangenheit haben wir viel Wasser verschwendet. Jetzt müssen wir Innovationsgeist zeigen und die neuesten Technologien nutzen, um den Verbrauch zu senken.»

Loïc Fauchon

Präsident des Weltwasserrats

Es gibt aber Regionen auf der Erde, die immer trockener werden.

Wir müssen ausreichende Mengen an Wasser, vorzugsweise Qualitätswasser, für all jene Menschen bereitstellen, die nicht genug davon haben. Das können wir durch den Bau von Kanälen und den Transport von Wasser über grosse Entfernungen erreichen. Das ist nichts Neues, das wurde schon vor Jesus Christus in Mesopotamien gemacht. Eine andere Lösung ist die Entsalzung von Meer- und Brackwasser. Dank der Umkehrosmose sind die Kosten für die Entsalzung in den letzten 20 Jahren von etwa zehn Dollar pro Kubikmeter auf weniger als einen Dollar gesunken. Entsalztes Wasser ist für jedermann erschwinglich, derzeit produzieren etwa 70 Länder, darunter mehrere arme Staaten, auf diese Weise Süsswasser.

Entsalzungsanlagen verbrauchen jedoch viel Energie.

Das stimmt, aber sie verbrauchen immer weniger davon und werden mit erneuerbaren Energien wie Solarenergie oder Erdwärme betrieben. Der Nachteil ist eher ein anderer: Es fallen grosse Mengen an Salz an, mit denen wir nichts anzufangen wissen. Im Persischen Golf, wo die Gewässer relativ flach sind, haben die Entsalzungsanlagen von Kuwait, Dubai, Katar und Saudi-Arabien zu einem Anstieg des Salzgehalts geführt, was Folgen für die Artenvielfalt und die Ökosysteme hat. Anders ist die Situation im Mittelmeer, zum Beispiel an der libanesischen oder spanischen Küste, wo der Meeresboden tiefer ist.

Wie kann der menschliche Druck auf die Wasserressourcen verringert werden?

Eine Möglichkeit ist die Wiederverwendung des Abwassers. Dank einer immer leistungsfähigeren Aufbereitung ist das Wasser aus den Kläranlagen oft für den Verbrauch geeignet. Ein Pionierland ist Singapur, das seit Jahren Abwasser für die Wasserversorgung der Haushalte wiederverwendet. In Europa ist es noch nicht möglich, dieses Wasser für die Lebensmittel- oder Agrarproduktion einzusetzen. Aber das ändert sich jetzt langsam, und das wird die grosse Revolution dieses Jahrhunderts sein.

Die andere grosse Chance ist die Nutzung des Grundwassers, ein relativ unbekanntes Feld. Wir haben riesige Reserven, in Frankreich, der Schweiz und sogar unter der Sahara-Wüste. Die Unesco schätzt, dass wir nur 5 % der unterirdischen Ressourcen nutzen.

Die Schweiz will mehr Staudämme bauen. Ist das die richtige Strategie?

Wir brauchen mehr Reservekapazitäten, damit wir Wasser haben, wenn wir es brauchen. Das ist die Pflicht derjenigen, die regieren. Was würden die Menschen sagen, wenn eine Regierung zum Beispiel nicht genügend Medikamente oder Lebensmittel vorrätig hätte? Das Gleiche gilt für Wasser.

Der Weltwasserrat

Die internationale Organisation hat ihren Sitz in Marseille, Frankreich, und bringt Organisationen der Vereinten Nationen, akademische Einrichtungen, Regierungen, Gruppen der Zivilgesellschaft und Unternehmen des Privatsektors zusammen. Ihr Ziel ist es, Initiativen auf allen Ebenen rund um Wasserfragen zu fördern, um die Wassersicherheit in der Welt zu verbessern. Der Weltwasserrat steht auch hinter dem Weltwasserforum, der wichtigsten internationalen Konferenz zum Thema, die alle drei Jahre stattfindet. Wegen seiner Einbindung multinationaler Konzerne wird der Weltwasserrat von einigen Seiten als Lobbyorganisation kritisiert, welche die Privatisierung der Wasserversorgung letztlich fördere.

Luigi Jorio, «SWI swissinfo.ch» (07.07.2023)

Hier publiziert Sustainable Switzerland kuratierte Inhalte von SWI swissinfo.ch.

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