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Steve Marcus / Reuters
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Das Potenzial ist gross, doch derzeit werden in den USA nur leichte seltene Erden raffiniert: Hier die Mountain Pass Mine der Firma MP Materials in Kalifornien. Steve Marcus / Reuters

Wirtschaft

Seltene Erden verarbeitet nur China in grossem Stil. Die USA wollen jetzt aufholen – aber der Vorsprung ist riesig

Für viele moderne Technologien braucht es seltene Erden. Die Trennung und die Veredelung beherrschen aber nur wenige Firmen in Amerika. Noch tun die USA nicht genug, um bei Know-how und Infrastruktur aufzuholen. Kann Australien aushelfen?

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Seltene Erden verarbeitet nur China in grossem Stil. Die USA wollen jetzt aufholen – aber der Vorsprung ist riesig

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Die USA sind bei den seltenen Erden stark auf China angewiesen. Von dieser Abhängigkeit wollen sie sich so schnell wie möglich lösen. Für die USA ist es nicht nur eine ökonomische Herausforderung, sondern auch eine militärische: Seltene Erden sind in vielen Verteidigungssystemen verbaut.

Das Energieministerium und das Verteidigungsministerium haben darum in den vergangenen sechs Monaten eine Reihe von Fördermassnahmen beschlossen. Eine entscheidende Rolle spielt die Firma MP Materials mit Sitz in Las Vegas, die seltene Erden in der Mountain Pass Mine abbaut.

Die amerikanische Regierung beteiligt sich finanziell an MP Materials und unterstützt die Firma zusätzlich mit 150 Millionen Dollar, um die Veredelung seltener Erden auszubauen. Ausserdem finanziert sie den Bau einer firmeneigenen Fabrik, die Magnete herstellt. Das Energieministerium gab am 1. Dezember ausserdem bekannt, dass es die Verbesserung heimischer Lieferketten für die Elemente der seltenen Erden mit 134 Millionen Dollar fördern werde.

Fachleute äussern trotz diesen Ankündigungen ernste Bedenken. Derzeit sei nicht zu erkennen, wie die USA in den kommenden Jahren ausreichend Kapazitäten aufbauen könnten, um die Abhängigkeit von China zu brechen. Denn das nötige Know-how lässt sich nicht auf Knopfdruck generieren. Die Anstrengungen müssen noch erheblich intensiviert werden.

China beherrscht den Markt für die Verarbeitung

Seltene Erden sind für moderne Technologien so essenziell wie nur wenige andere Substanzen. Sie stecken etwa in Magneten, Batterien, Bildschirmen, Sensoren, Katalysatoren und Stahllegierungen. Man braucht sie für Elektronikprodukte, grüne Technologien und Rüstungsgüter. Das Problem für den Westen besteht nicht nur darin, dass die meisten seltenen Erden in China abgebaut werden. Das Land dominiert auch die weitere Verarbeitung.

Benoit Tessier / Reuters

Samarium zählt zu den Metallen der mittelschweren seltenen Erden.

Chemisch betrachtet gibt es 17 seltene Erden, aber nur 15 sind kommerziell interessant. Selten sind die Elemente überhaupt nicht – in der Erde findet man sogar sehr viele Vorkommen. Stets stecken in den Mineralgemischen der Erze alle seltenen Erden gleichzeitig.

Die grosse Herausforderung besteht darin, die seltenen Erden aus den Erzen zu extrahieren und sie zu raffinieren, also zu veredeln. Erst anschliessend können sie in Produkte wie zum Beispiel Magnete eingebaut werden. China ist bei der Trennung und der Raffination seltener Erden mit grossem Abstand führend.

Dieses Druckmittel setzt China jetzt gezielt ein – in Wirtschaftskriegen und zur Schwächung konkurrierender Staaten. In diesem Jahr erliess das Land strenge Exportbeschränkungen für die seltenen Erden sowie für Zwischenprodukte. Zwar wurden die Beschränkungen inzwischen wieder gelockert. Dennoch führte der temporäre Exportstopp dem Westen seine Abhängigkeit vor Augen – vor allem bei der Trennung und der Raffination.

Die Crux ist die Aufspaltung der seltenen Erden

Harald Elsner arbeitet in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Die Trennung der seltenen Erden sei zwar in Chemiebüchern gut beschrieben, sagt der Geologe. «Aber in der Praxis ist es doch ein bisschen anders als in der Theorie.» Vor allen Dingen, wenn es darum gehe, hochreine Produkte zu erzeugen.

Leichte seltene Erden lassen sich relativ einfach voneinander separieren. Besonders anspruchsvoll ist aber die Trennung der mittelschweren und schweren seltenen Erden, denn diese Substanzen ähneln sich chemisch sehr stark. Das Know-how sei derzeit nur in wenigen Ländern vorhanden, sagt Elsner.

Derzeit mangelt es in den USA an den Kenntnissen und an der Infrastruktur, um seltene Erden in ausreichendem Umfang zu trennen, zu raffinieren und weiterzuverarbeiten. Das sagt Daniel O’Connor, der Geschäftsführer von Rare Earth Exchanges – die Informationsplattform für das Thema seltene Erden mit Sitz in Salt Lake City gibt auch Ratings heraus.

Die Regierung unter Trump habe zwar mehr in Bewegung gesetzt als jede andere amerikanische Regierung zuvor, sagt O’Connor. Aber das sei nicht genug. Seiner Ansicht nach unterschätzt die amerikanische Regierung die Grösse und Komplexität der Herausforderung.

Um aus den Erzen der seltenen Erden Substanzen in einer solchen Reinheit zu erhalten, dass sie sich verwenden liessen, seien manchmal Hunderte Einzelschritte mit verschiedenen chemischen Prozessen erforderlich, sagt der Amerikaner. «Ich sage den Leuten oft: Stellen Sie sich das ähnlich wie die Raffination von Rohöl vor.» Fachleute mit entsprechenden Kenntnissen fehlten den USA derzeit.

Es gibt Fabriken in den USA, aber die Kapazität ist gering

In den USA laufen heute drei Fabriken zur Verarbeitung seltener Erden: Neben MP Materials betreiben auch Energy Fuels und Phoenix Tailings eigene Anlagen. Das Potenzial dieser Firmen ist zwar gross, doch in allen drei Fällen geht es derzeit nur um die Raffination von leichten seltenen Erden – dabei sind gerade die mittelschweren und die schweren seltenen Erden besonders gefragt.

Ausserdem gibt es in den USA zwei kleinere Projekte. Dabei geht es ebenfalls um die Raffination leichter seltener Erden. In Wyoming baut die Firma Rare Element Resources eine Pilotanlage auf. «Was da noch fehlt, ist ein Grossinvestor», sagt Harald Elsner von der Bundesanstalt. Das Projekt der Firma Ucore Rare Metals in Louisiana hält er für wenig aussichtsreich.

Kartengrundlage: © Openstreetmap, © Maptiler Schwarz: laufende Fabriken; grau: Projekte. NZZ / s

Verarbeitung seltener Erden in den USA und Kanada Mehrere Fabriken sind in Betrieb oder bereiten den Start vor

Grosse Anstrengungen, Kapazitäten für die Raffination seltener Erden aufzubauen, laufen auch im benachbarten Kanada. Der Saskatchewan Research Council betreibt eine Pilotanlage für die leichte Kategorie. Von 2027 an sollen dort schwere seltene Erden verarbeitet werden. Ob ein Projekt der Firma Torngat Metals in Quebec Aussicht auf Erfolg hat, muss sich noch zeigen. Kurz: Derzeit ist eine funktionierende Verarbeitungskette für seltene Erden in Nordamerika noch nicht in Sicht. Eher auf der anderen Seite des Pazifiks.

Australien baut seine Verarbeitungskapazität aus

Die australische Firma Lynas Rare Earths betreibt eine eigene Mine für seltene Erden, die Mount Weld Mine. Im Frühling wurde Lynas mit einer neuen Fabrik in Malaysia zum ersten Produzenten mittelschwerer und schwerer seltener Erden ausserhalb von China: Die Anlage in Malaysia stellt Dysprosiumoxid her. Dysprosium wird vor allem für spezielle Magneten benötigt.

Im Herbst eröffnete Lynas dann eine Fabrik für die Extraktion seltener Erden in Australien selbst, die grösste ausserhalb von China. Separiert wird das Seltenerdmaterial weiterhin in Malaysia. Ein grosser Teil der Produktion gehe nach Japan, sagt O’Connor von Rare Earth Exchanges.

Weil die USA derzeit über keine Anlagen wie die von Lynas verfügen, müssen sie grosse Mengen an seltenen Erden importieren. Darum haben sie vor kurzem eine milliardenschwere Zusammenarbeit mit Australien in diesem Bereich angekündigt.

Melanie Burton / Reuters

Gefässe mit Seltenerdmineralien. Sie stammen aus dem Bergwerk Mount Weld der australischen Firma Lynas Rare Earths.

So sind ausserdem mehrere Verträge zu erklären, die amerikanische Firmen im Herbst mit der belgischen Firma Solvay abgeschlossen haben. Als eine von ganz wenigen Firmen ausserhalb Chinas ist Solvay in der Lage, an seinem Standort in La Rochelle in Westfrankreich seltene Erden zu raffinieren.

Die USA müssten viel systematischer vorgehen

Damit die USA eine Chance bekommen, bei den seltenen Erden auf eigenen Füssen zu stehen, müssen sie den systematischen Ansatz von China besser verstehen. Seit mehr als zwanzig Jahren verfolge Peking eine nationale Strategie, um wichtige Segmente der Lieferkette zu dominieren, sagt O’Connor.

«Die meisten der weltweit führenden Experten für die Verarbeitung von seltenen Erden befinden sich derzeit in China», sagt der Amerikaner. Da China seinen staatlich kontrollierten Sektor immer stärker reguliere, könnten viele Fachleute aufgrund von Passbeschränkungen nicht einmal mehr reisen. Dieser Fachkräftemangel sei nach wie vor ein erhebliches Hindernis für Amerika.

China baut seine Kapazitäten weiterhin aus und setzt sie gezielt ein, um ausländische Wettbewerber aus dem Markt zu verdrängen. «Wenn Peking sich entscheidet, den Markt in den nächsten Jahren mit billigen Materialien zu überschwemmen, kann dies westliche Betriebe fast augenblicklich unrentabel machen», sagt O’Connor.

O’Connor fordert, dass die USA eine neue Generation von Metallurgen, Chemikern und Verfahrenstechnikern ausbilden. «Wir müssen den heimischen Produzenten Kaufpreise oder eine langfristige Abnahme garantieren und gleichzeitig ein Ökosystem für die Lieferkette aufbauen.»

Es sei ausserdem wichtig, die Allianzen mit Kanada, Japan, Südkorea, Europa und Australien zu verstärken. Die USA müssten seltene Erden als die strategische Priorität behandeln, die sie tatsächlich darstellten.

Sven Titz, «NZZ am Sonntag» (05.01.2026)

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Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
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