Die Hitze setzt den Städten zu – doch sie ist nur eine von vielen Herausforderung der Zukunft
Städte stehen zunehmend unter Druck: Die Temperaturen steigen, und gleichzeitig zieht es immer mehr Menschen in die urbanen Räume. Dennoch sind Städte auch ideale Orte für Experimente und Innovationen. Es gibt zahlreiche Ideen, sie für den Klimawandel zu wappnen. In ganz Europa werden neue Konzepte entwickelt – doch ihre Umsetzung ist schwierig.
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Die Hitze setzt den Städten zu – doch sie ist nur eine von vielen Herausforderung der Zukunft
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• • Kalina Oroschakoff
Städte stehen zunehmend unter Druck: Die Temperaturen steigen, und gleichzeitig zieht es weltweit immer mehr Menschen in urbane Räume – auch in Europa. Städte bekommen jedoch nicht nur die extremen Auswüchse des Klimawandels zu spüren; diese reichen von Hitzewellen über Starkregen und Überschwemmungen bis hin zu heftigen Stürmen.
Zugleich sind sie ideale Orte für Experimente und Innovationen. Es gibt zahlreiche Ideen, sie für den Klimawandel zu wappnen. In ganz Europa werden neue Konzepte entwickelt und Projekte lanciert – doch ihre Umsetzung ist schwierig. Denn die Anpassung an den Klimawandel ist nicht nur eine technische Herausforderung. Sie ist auch ein gesellschaftliches und kulturelles Unterfangen und kostet Geld. Das birgt Zielkonflikte.
Ein neues Klima für die Schweiz
Der Klimawandel verändert die Schweiz, und besonders betroffen sind die Städte. Die jüngsten Klimaszenarien für die Schweiz, die im vergangenen Herbst veröffentlicht wurden, zeigen, worauf sich das Land einstellen muss: Es wird wärmer. Die Sommer werden trockener. Wenn es regnet, dann heftiger. Die Winter werden schneearmer, dafür aber regenreicher.
Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser oder Dürre sind schon heute ein Problem für die Infrastruktur. Sie überfordern die Kanalisationen vieler Städte, führen zur Verschlechterung der Wasserqualität und schaden der Vegetation. Steigende Risiken durch Hochwasser und andere Extremereignisse verursachen hohe Investitionskosten.
Hitzewellen belasten die Menschen
Gerade die Hitze belastet die Bevölkerung und zwingt Stadtverwaltungen, neue Pläne und Programme zu entwickeln, um damit umzugehen.
Denn die meisten Städte sind nicht für Hitze gebaut. Im Sommer staut sich die Wärme, Gebäude sowie asphaltierte Strassen und Plätze heizen sich auf, und kühlende Luft findet kaum ihren Weg in die engen Gassen der Innenstädte. Es fehlt an Schattenspendern – seien es Bäume, Gebäude oder andere Infrastrukturen. Besonders ältere und kranke Menschen leiden darunter. Und das wird zunehmend zu einem Problem für viele Gemeinden in der Schweiz und in ganz Europa, denn die Bevölkerung wird älter.
Die «Winternation» Schweiz werde künftig weniger über Schnee, dafür mehr über Kühlung nachdenken müssen, sagt Roesler – und über die Kosten sowie den steigenden Energiebedarf. Denn «die steigende Zahl an Hitzetagen und Tropennächten vermindert das nächtliche Abkühlungspotenzial deutlich». Hinzu kommen die Versiegelung der Städte und «fehlende oder blockierte Durchlüftungsachsen».
Schon heute zeigen Daten, wie stark der Bedarf an Kühlung mit steigenden Temperaturen zunimmt. Die Zahl der sogenannten Kühlgradtage habe sich zwischen den 1960er- und den 2020er-Jahren von rund 45 auf 90 Tage verdoppelt, sagt Roesler.
Kühlung – mit und ohne Klimaanlage
Eine Antwort auf die kommende Hitze ist die Klimaanlage. In Europa ist der wachsende Bedarf daran bereits heute ein politisch aufgeladenes Thema. Überraschend ist das nicht: Klimaanlagen schützen zwar vor Hitze, treiben zugleich aber auch den Klimawandel voran.
Der Grund ist einfach: Die Geräte verbrauchen viel Strom. Daten aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass sie vor allem die Nutzung fossiler Brennstoffe erhöht haben. Gleichzeitig ist unbestritten, dass Klimaanlagen die Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler Menschen verbessert haben – insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo die Nachfrage stark steigt. Sie ermöglichen es, trotz Hitze produktiv zu sein, zu denken und zu arbeiten. Während Hitzewellen retten sie zudem Menschenleben.
Inspiration dafür, wie Kühlung – mit und ohne Klimaanlagen – gelingen kann, gibt es längst. Im Nachbarland Italien gilt Mailand als Beispiel dafür, wie Grünflächen und Wohnraum zusammengedacht werden können, sagt Roesler. Gärten in Innenhöfen sowie begrünte Terrassen und Balkone prägen dort das Stadtbild. Auch von der asiatischen Metropole Singapur könne man lernen: Dort wird intensiv mit Grünflächen, Bäumen sowie begrünten Fassaden und Balkonen gearbeitet, um Kühlung zu schaffen – drinnen wie draussen.
Bäume auf Balkonen: Mailand gilt als Beispiel dafür, wie Grünflächen und Wohnraum zusammengedacht werden können. Bild: Imago
Bäume über alles
Viele dieser Konzepte finden sich auch in den Plänen von Städten wie Zürich wieder. Bereits vor einigen Jahren wurden dort Massnahmen angekündigt, um Strassen, Plätze und Gebäude auf die zunehmende Hitze vorzubereiten. Im Fokus stehen dabei vor allem neue Bäume und zusätzliche Grünflächen. Indem Bäume Wasser verdunsten, kühlen sie die Luft und spenden Schatten. Zudem arbeiten Städte daran, künftig mehr Wasser im Boden versickern zu lassen oder in Rückhaltebecken aufzufangen. Das soll nicht nur für Kühlung sorgen, sondern auch das Risiko von Überschwemmungen verringern.
Doch so einfach lassen sich diese Konzepte nicht immer umsetzen. Städte müssen zahlreichen, teils konkurrierenden Anforderungen gerecht werden. Sascha Roesler spricht deshalb von «raumbezogenen Zielkonflikten», insbesondere bei Massnahmen gegen die Hitze. Diese konkurrieren, so sagt er, häufig «mit Anforderungen an den motorisierten Individualverkehr und den Langsamverkehr».
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Dieser Artikel behandelt folgende SDGs
Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.