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zwei Dscheladas
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Zwei Dscheladas im Zoo Zürich: Die Direktion hat aus Gründen der Populationskontrolle zehn Affen töten lassen. Bild: IMAGO

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Der Zoo Zürich hat zehn gesunde Affen getötet. «Sonst wäre es zu schweren Auseinandersetzungen gekommen», sagt der Direktor Severin Dressen

Nun reicht eine Tierschutzorganisation Strafanzeige ein.

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Der Zoo Zürich hat zehn gesunde Affen getötet. «Sonst wäre es zu schweren Auseinandersetzungen gekommen», sagt der Direktor Severin Dressen

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Der Zoo Zürich hat vor wenigen Tagen zehn Dscheladas töten lassen. Die Tiere, auch Blutbrustpaviane genannt, lebten in der Anlage des Semien-Gebirges. Laut Angaben des Zoos war dieser Schritt unumgänglich, um die soziale Hierarchie innerhalb des nun 38 Tiere umfassenden Clans zu stabilisieren.

«Nichts zu tun, wäre keine Option gewesen», sagt der Zoodirektor Severin Dressen zur NZZ. Ohne den Eingriff würde es bei den Dscheladas sonst zu schweren, das Tierwohl gefährdenden Auseinandersetzungen kommen.

Die Tötung gesunder Tiere ist laut Dressen immer «die letzte Option» und erfolgt erst, wenn sämtliche Alternativen ausgeschöpft seien. Im Herbst 2025 konnte der Zoo bereits sechs Dscheladas erfolgreich an einen anderen europäischen Zoo abgeben. Allerdings seien die Kapazitäten dort nicht grenzenlos, auch andere Zoos kämpften mit der Überalterung der Population.

Die Nachzucht der Affen sichert den Fortbestand der Art im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Obwohl die Dscheladas auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion derzeit nicht als unmittelbar gefährdet gelten, ist der Populationstrend in der Wildnis abnehmend. Die Primaten werden zunehmend aus ihrem natürlichen Lebensraum, dem Hochland Äthiopiens, durch Landwirtschaft und Bevölkerungswachstum verdrängt. Der Bestand von rund 30 000 Tieren ist stark rückläufig.

Nach Angaben des Zoos Zürich wurden ausschliesslich Affen unterschiedlichen Alters getötet, die keinen Beitrag zum Erhalt der Gesamtpopulation leisten konnten. Die Euthanasie sei zudem tierschutzkonform durchgeführt worden: Die Affen wurden zunächst betäubt und anschliessend schmerzlos getötet. Die toten Tiere wurden der Forschung zur Verfügung gestellt.

Strafanzeige von Tierschutzverein angekündigt

Die Tötung hat bei der Tierschutzorganisation Peta Deutschland Empörung ausgelöst. Sie wolle Strafanzeige erstatten, teilte Peta am Dienstag mit. Dabei spart sie nicht mit martialischen Worten. Zoos entwickelten sich zu einem «Wildtierschlachthaus», in dem «Überschusstötungen» zunehmend salonfähig gemacht würden.

Die gezielte Tötung gesunder Tiere hat in der Vergangenheit auch in anderen Zoos für Schlagzeilen gesorgt. Besonders bekannt wurde der Fall einer Giraffe im Kopenhagener Zoo im Jahr 2014, die trotz weltweiten Protesten getötet und vor den Augen der Besucher an Löwen verfüttert wurde.

In der Schweiz sorgte 2023 der Basler Zoo mit der Tötung eines Orang-Utan-Babys für Aufsehen: Die Mutter verstarb kurz nach der Geburt, worauf sich der Zoo entschied, das gesunde Jungtier einzuschläfern. Einer der emotionalsten Fälle ereignete sich 2014 im Berner Tierpark Dählhölzli. Nachdem der Bärenvater «Misha» eines seiner Jungen vor den Augen vieler Besucherinnen und Besucher getötet hatte, entschied die Zoodirektion, auch das zweite, noch lebende Jungtier einzuschläfern.

Solche Vorfälle rücken die Herausforderungen der Wildtierhaltung immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Der Direktor Severin Dressen verteidigt das Vorgehen des Zoos Zürich: «In der Natur erfolgt die Regulierung einer Population natürlich, beispielsweise durch Krankheiten, Fressfeinde oder das Abwandern von Tieren.» Diese Faktoren fehlten in einem Zoo. Daher müsse hier der Mensch die Regulierung übernehmen, da eine Population sonst Gefahr laufe, von Überalterung betroffen zu sein und instabil zu werden.

Konkret gebe es hierfür drei Stellschrauben: die Verhütung, die im Sinne des Tierwohls nur sehr selektiv anzuwenden sei. Fortpflanzung sei ein Grundbedürfnis von Tieren. Hinzu komme die Abgabe von Tieren und als letzte Option der Tod. Deshalb ist die Tötung von Tieren nach Angaben des Zoos manchmal unumgänglich.

Die Tötungen seien aber nichts «Pavianspezifisches», sagt der Zoodirektor. Auch andere Tierpopulationen würden so kontrolliert, allerdings sei das öffentliche Interesse bei Affen viel grösser als etwa bei Tauben oder Meerschweinchen.

Transparente Kommunikation ist dem Zoo Zürich wichtig

Der Zoodirektor Dressen hat Verständnis dafür, dass die Tötung der Tiere bei manchen Besucherinnen und Besuchern für Irritationen sorgt: «Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, wenn die Tötung von zehn Dscheladas im ersten Moment aus einer emotionalen Sicht wenig verständlich ist.»

Der Zoo sieht es aber als seine Aufgabe, dieses Thema transparent zu vermitteln.

Der Zoo kommuniziert auch in anderen Fällen offen, wenn Tiere getötet werden müssen oder verendet sind. So etwa bei den Elefanten: In den letzten Jahren verendeten mehrere Jungtiere, nachdem sie sich mit einem Herpesvirus angesteckt hatten. Der Zoo hält an der Elefantenzucht fest, was ihm Kritik von Tierschutzorganisationen einbrachte.

Bald soll wieder ein Jungtier die Gruppe ergänzen: Die Elefantenkuh Indi ist trächtig, die Geburt soll zwischen Ende April und Anfang Juni stattfinden. Man sei «vorsichtig optimistisch», teilt der Zoo mit. Die Geburt und die ersten Wochen seien immer die heikelsten Momente im Leben eines Jungtiers. Weil Indi aber schon mehrmals geboren hat, sei man zuversichtlich.

Maria-Rahel Cano, Jana Kehl, «Neue Zürcher Zeitung» (11.03.2026)

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Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

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