Doch was nach Russlands Angriff auf die Ukraine geschah, könnte sich durch den Iran-Krieg wiederholen: ein Energiepreisschock, der Öl und Gas für längere Zeit verteuert und damit die strombetriebene Wärmepumpe attraktiver macht. Denn: «Wenn sich Kunden gegen eine Wärmepumpe entscheiden, ist das in den meisten Fällen dem Preis geschuldet», sagt Basler.
Die nackten Zahlen sind eindeutig: Die Reparatur eines Gaskessels in einem Einfamilienhaus koste vielleicht bis zu 3000 Franken, heisst es bei Elcotherm. Kauf und Einbau eines neuen, verbrauchsärmeren Gaskessels schlagen mit bis zu 15 000 Franken zu Buche. Hingegen verschlingt die Wärmepumpe 40 000 Franken, auch weil die Installation viel aufwendiger ist und länger dauert.
Beim Hype wurde zu viel versprochen
Bei Neubauten von Wohn- und Gewerbeimmobilien ist die Wärmepumpe zwar Standard. Doch es harzt bei der Sanierung bestehender Liegenschaften. 80 Prozent des Heizungsmarktes in der Schweiz entfallen auf Renovationen.
Da gibt es viele Gründe, warum sich Bauherren für eine günstigere Alternative zur Wärmepumpe entscheiden: zum Beispiel, weil sie als Vermieter die Heizkosten ohnehin an die Mieter weitergeben. Oder weil ältere Ehepaare wissen, dass sie nicht mehr zwanzig oder dreissig Jahre in ihrem Häuschen leben werden. Ihnen reicht eine Reparatur.
Zudem haben sich manche Erwartungen nach dem Wärmepumpen-Hype während der Corona- und der Ukraine-Krise nicht erfüllt. «Es herrscht eine gewisse Ernüchterung», sagt der Elco-Chef Schürmann. Nicht alle Versprechen seien gehalten worden, zum Beispiel die in Aussicht gestellte Reduktion der Betriebskosten um die Hälfte im Vergleich mit einer fossilen Heizung. «Das ist nur unter idealen Rahmenbedingungen möglich. Im normalen Betrieb wird man diesen Wert schwerlich erreichen.»
Ähnlich wie bei einem Auto, das den beworbenen tiefen Spritverbrauch nur auf dem Teststand erreicht, kommt es beim Stromverbrauch der Wärmepumpe auch auf die äusseren Bedingungen, das Nutzerverhalten und die Konfiguration an. Ausserdem sind mit der Ukraine-Krise ebenfalls die Strompreise in der Schweiz gestiegen, was direkt auf die Betriebskosten durchschlägt.
Bitte keine neuen Subventionen
Ob das durch den Iran-Krieg auch passiert, muss sich zeigen. Die höheren Ölpreise sind schon an den Zapfsäulen ablesbar. Aber einen Nachfrageschub spürt die Branche noch nicht. «Wenn die Krise länger anhält, könnte es sein, dass die Abhängigkeit vom Öl und vor allem der hohe Preis wieder zu einem Grund werden, sich für die Wärmepumpe zu entscheiden», sagt Roger Basler von Meier Tobler.
Zwar hat das Interesse an Wärmepumpen seit dem Jahreswechsel wieder zugenommen. Der Wegfall des Eigenmietwerts sorge für mehr Nachfrage bei den Offerten, hat Basler beobachtet. Hausbesitzer prüfen, Renovationen vorzuziehen, solange sie noch steuerlich begünstigt sind. Die Bestellungen stiegen aber noch nicht gross an.
Höhere staatliche Förderungen wären laut Basler der falsche Weg, um den Markt zu beleben. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern war die Subventionierung von Wärmepumpen in der Schweiz ohnehin zurückhaltend. «Als Unternehmer wäre ich froh, wenn der Staat möglichst wenig eingreift», sagt auch René Schürmann. Sonst käme es nur zu Verzerrungen.
So wie im Kanton Baselland: Da ist es seit Anfang 2026 verboten, alte fossile Heizungen durch neue fossile Anlagen zu ersetzen. Die Folge war ein Verkaufsboom von Öl- und Gasheizungen vor dem Jahreswechsel. Seither herrscht Flaute am Markt. Weil die Regulierungen je nach Kanton stark variieren, herrscht schweizweit ein Flickenteppich.
Die Schweiz liegt weit vor Deutschland
Dabei ist die Schweiz auch ohne Politikeingriffe ein Wärmepumpenland. Jeder fünfte Haushalt heizte 2024 mit einer solchen, das zeigen offizielle Zahlen. Gemessen an der Verteilung auf die Bevölkerung rangiere die Schweiz im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld, ergab eine Erhebung der Branchenvereinigung European Heat Pump Association (EHPA). Mit grossem Abstand an der Spitze liegen Norwegen, Finnland und Schweden; am Ende der Tabelle unter anderem Deutschland und Grossbritannien.
Trotzdem bleibt das Potenzial gross. Rund 60 Prozent der Wohngebäude in der Schweiz sind älter als 45 Jahre. Ein ebenso grosser Anteil des Gebäudeparks wird noch mit Öl, Gas oder mit stromfressenden Elektroheizungen beheizt.
Bei dieser Vielfalt ist klar, warum Elcotherm in Vilters so viel Wert auf Schulungen legt: Die 400 Servicemitarbeiter fahren 1200 Einsätze pro Tag, meistens für die Wartung der Heizungen, und verbauen pro Jahr 500 000 Ersatzteile. Da sollten sie genau wissen, wo der Schraubenzieher anzusetzen ist.