«Diese Veränderungen zeigen, wie schnell sich die Region von einer schwachen Ausgangslage zu einer Führungsposition entwickelt», so fasst Ember seine Analyse zusammen.
Doch auch in anderen Regionen steigt die Popularität der Elektroantriebe. In Lateinamerika haben diese Autos in Uruguay einen Anteil von 27 Prozent erreicht, Mexiko und Brasilien verzeichnen weiterhin stetiges Wachstum. Gleichzeitig entwickelt sich die Türkei mit einem Anteil von 17 Prozent zu einem ernstzunehmenden Wachstumsmarkt für Elektroautos. Gemessen am Volumen sei die Türkei nun zum viertgrössten Markt für batterieelektrische Autos in Europa aufgestiegen, sagt Graham im Gespräch.
Chinesische Autos sind der Renner
Es gibt einen zentralen Grund, warum immer mehr Menschen in diesen Ländern Elektroautos kaufen: günstige Modelle aus China. In den vergangenen zwei Jahren machten Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern fast das gesamte Wachstum der chinesischen Elektroauto-Exporte aus, wie die Daten zeigen. Brasilien, Mexiko und Indonesien gehören zu den grössten Importeuren chinesischer Autos.
Aber zunehmend zeigt sich, dass diese Länder nicht nur Exportmärkte für China sein, sondern selbst von der Entwicklung der Technologie profitieren wollen – um neue Arbeitsplätze zu schaffen und heimisches Wirtschaftswachstum zu fördern. Indonesien habe zum Beispiel Einfuhrzölle für diejenigen Hersteller reduziert, die Produktionsstätten im Land eröffnen, sagt Graham. Das Land habe damit erhebliche Investitionen angezogen.
Diese Einschätzung bestätigte ein Regierungsbeamter laut Medienberichten am Freitag. Mehrere globale Autohersteller planten, ab 2026 mit der Produktion zu beginnen, um höhere Einfuhrzölle zu vermeiden. Wie zu erwarten, erwähnte der Beamte einige chinesische Unternehmen, aber auch Volkswagen und Citroën. In Vietnam werden derweil fast alle Elektrofahrzeuge vom lokalen Hersteller Vinfast verkauft. Eines seiner Modelle sei mittlerweile das meistverkaufte Auto des Landes überhaupt, sagt Graham.
Europas Autoindustrie kämpft um ihre Rolle
Diese Entwicklung wird auch in Zukunft anhalten und sollte den europäischen Autobauern zu denken geben. Denn sie müssen sich künftig in den Schwellenländern harter Konkurrenz stellen.
«Es gibt keine Anzeichen dafür, dass China die Elektrifizierung des Verkehrs verlangsamen würde, ganz im Gegenteil», sagt Laszlo Varro, der Vizepräsident für Strategie und Szenarios beim europäischen Erdölgiganten Shell und ehemaliger Chefökonom der Internationalen Energieagentur. Die grosse Herausforderung für die europäische Automobilindustrie sei nicht die chinesische Konkurrenz in Europa, sondern die chinesische Konkurrenz in den aufstrebenden Exportmärkten.