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Ein Laptop besteht aus vielen global produzierten Komponenten. Öffentliche Beschaffungen können hier soziale und ökologische Standards setzen.
Ein Laptop besteht aus vielen global produzierten Komponenten. Öffentliche Beschaffungen können hier soziale und ökologische Standards setzen.

Ein Laptop besteht aus vielen global produzierten Komponenten. Öffentliche Beschaffungen können hier soziale und ökologische Standards setzen. Bild: Adobe Stock

Produktion & Konsum Partner Inhalt: Berner Fachhochschule

Was kostet der Staatslaptop wirklich?

Öffentliche Beschaffungen sollen nicht nur günstig, sondern auch nachhaltig sein. Gerade bei Laptops, Tablets und Smartphones ist das anspruchsvoll: Rohstoffe stammen teils aus Risikogebieten, die Montage erfolgt oft unter prekären Bedingungen. Wer IT mit Steuergeld einkauft, muss deshalb mehr beachten als den tiefsten Preis.

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Der Korruptionsskandal im Seco oder das Bündner Beschaffungskartell zeigen: Das Beschaffungsrecht mag manchmal mühsam sein – doch die Regeln bei öffentlichen Beschaffungen dienen öffentlichen Interessen wie dem fairen Wettbewerb, Transparenz und auch der Nachhaltigkeit. So besagt das 2021 revidierte Beschaffungsgesetz, dass öffentliche Steuergelder wirtschaftlich, volkswirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltig eingesetzt werden sollen.

Beschaffungen als Balanceakt

In der Praxis ist nachhaltige Beschaffung deutlich komplizierter. Der Begriff Nachhaltigkeit ist vage und steht oft im Spannungsfeld mit dem fairen Wettbewerb. Was bedeutet wirtschaftliche Nachhaltigkeit? Das billigste Angebot oder das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?

Auch der Begriff «volkswirtschaftliche Nachhaltigkeit» ist unklar und umstritten. Klar ist nur, dass eine Bevorzugung heimischer Firmen nicht mit dem Beschaffungsrecht vereinbar wäre – ein Streitpunkt, der bei einem Zuschlag der SBB an Siemens statt Stadler Rail im vergangenen Herbst die Gemüter bewegte.

Auch bei der ökologischen Nachhaltigkeit kann CO₂-Reduktion nicht über alles gestellt werden: Lokale Lieferanten dürfen nicht nur wegen kurzer Transportwege bevorzugt werden – entscheidend ist die CO₂-Bilanz der gesamten Lieferkette. Und bei der Lieferkette setzt auch die soziale Nachhaltigkeit an: Der Staat soll darauf achten, keine Produkte einzukaufen, die unter ausbeuterischen Bedingungen oder mit Kinderarbeit produziert wurden.

Staatliche Vorbildrolle bei sozial nachhaltiger Beschaffung

Dass der Staat eine Vorbildrolle übernehmen kann, zeigt ein berner Beispiel bei der Textilbeschaffung: Bernmobil schrieb im April 2026 die Beschaffung von 880 Uniformen für über 1 Mio. CHF aus. Als Bedingung verlangte die Behörde, dass die Lieferantin Mitglied der «Fair Wear Foundation» ist – eine Organisation, die versucht sicherzustellen, dass ihre Mitglieder grundlegende arbeitsrechtliche Standards einhalten, etwa das Verbot von Kinderarbeit, die Zahlung existenzsichernder Löhne und die Gewährleistung sicherer Arbeitsbedingungen. Das Kriterium stiess auf Kritik, weil es den Markt einschränkt und Firmen ohne Mitgliedschaft ausschliesst. Experten hingegen sehen die Anforderung als notwendig, um einen Mindeststandard an Arbeitssicherheit und fairen Arbeitsbedingungen gewährleisten zu können.

Ob die Markteinschränkung rechtlich zulässig ist, wird ein Gericht entscheiden müssen. Fakt ist aber: Gerade in Branchen mit hohem Risiko für Menschenrechtsverletzungen lohnt es sich für Beschaffende, solche sozialen Kriterien in Ausschreibungen aufzunehmen – sei es verpflichtend oder fakultativ.

Hohe Lieferkettenrisiken auch in der Technologiebranche

Nicht nur der Textilsektor, auch der Technologiesektor birgt hohe Risiken für die Menschenrechte: Endgeräte wie Laptops, Tablets oder Smartphones werden oft unter prekären Bedingungen produziert. Zudem bestehen auch erhebliche ökologische Risiken – von hohem Energie- und Wasserverbrauch über Chemikalienbelastung bis hin zur unsachgemässen Entsorgung von E-Waste.

Ein Träger in der Shabara-Mine in der Demokratischen Republik Kongo. Der Abbau von Kobalt, das auch in Batterien für Elektrogeräte steckt, ist vielerorts mit problematischen Arbeitsbedingungen verbunden. Bild: Electronics Watch

Die Probleme beginnen bereits bei der Rohstoffförderung, wo die Sicherheit der Arbeiterinnen und Arbeiter häufig nicht gewährleistet ist – besonders in Konfliktregionen, wo Minen teilweise von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden oder wo der Arbeitsschutz nicht durchgesetzt wird. Ein weiterer kritischer Punkt sind die Fabriken, in denen die Montage erfolgt: Niedriglöhne und lange Arbeitszeiten sind hier noch immer an der Tagesordnung. Diese Missstände haben System: Um Kosten zu sparen lagern Markenfirmen die Produktion gezielt in Niedriglohnländer aus, in denen Sozial- und Umweltstandards nicht umgesetzt werden werden.

Öffentliche Beschaffung als Hebel für nachhaltige Digitalisierung

Globale Lieferketten mit vielen Zulieferern erschweren die Kontrolle für Beschaffungsverantwortliche. Nichtsdestotrotz können Beschaffungsbehörden aktiv werden: Sie können mit sensibilisieren durch Fragekataloge zur Einhaltung oder – wie Bernmobil – verbindliche Spielregeln in Ausschreibungen verankern, auch bei IT-Beschaffungen. Dazu gehören Anforderungen an faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und die Überprüfung von Lieferketten durch unabhängige Organisationen. Nur so kann der Staat sicherstellen, dass Steuergelder nachhaltig eingesetzt werden und die Digitalisierung nicht auf dem Rücken der Beschäftigten in globalen Lieferketten erfolgt.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde von der Berner Fachhochschule im Rahmen der Partnerschaft mit Sustainable Switzerland selbst erstellt.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
11 - Nachhaltige Städte und Gemeinde
12 - Verantwortungvoller Konsum und Produktion

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