Wochenfokus - Editorial Team

«Die Schweiz nimmt ihre Verantwortung wahr»

Die Schweiz glänzt, wenn es um Wohlstand und Wohlergehen geht. Doch was kostet unser Konsum die Umwelt? Antworten des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO).

Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) Bild: PD

1. Juni 2022

Am 13. Mai 2022 fand der Swiss Overshoot Day statt. Das heisst, würden weltweit alle so leben wie wir Schweizer:innen, bräuchten wir die Ressourcen von 2,8 Erden. Nun, gemessen an den gesamthaften CO2-Emissionen verursachen wir im internationalen Vergleich nicht so viel, lagern jedoch auch einen Grossteil davon aus. Dreimal so viel CO2-Emissionen benötigt der Import verglichen zu dem, was wir produzieren.

Insgesamt weisen wir mit 14 Tonnen einen überdurchschnittlich hohen Pro-Kopf-Ausstoss aus. Laut My Climate landen wir so auf Platz 16 der höchsten Verbraucher. Würden alle Menschen nach dem Lebensstandard der Schweizer:innen leben, würde der Klimawandel noch viel stärker vorangetrieben werden.

Wie schaffen wir es, die Ressourcen nicht überzustrapazieren?

Zwar etabliert sich Nachhaltigkeit hierzulande zum immer wichtigeren Wert, doch sollen Wohlstand und Wohlergehen nicht beeinträchtigt werden. Wir weisen uns gerne als Recyclingweltmeister aus, vergessen dabei aber, dass wir auch rekordmässig Abfall produzieren. Natürlich – die Spuren der Verschmutzung oder des Klimawandels sind hier kaum sichtbar. Ist es also nicht ein gravierender Fehler, nur das inländische Konsumverhalten anzuschauen?

Eine Antwort darauf liefert Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO): «Diese Diskussion wird immer wieder geführt. Deshalb setzen wir uns für die Internalisierung der externen Kosten sowie die Stärkung der Innovationstätigkeit ein», sagt Ineichen-Fleisch. «Die Ursachen für die heutige Übernutzung der natürlichen Ressourcen liegen zum einen an Marktunvollkommenheiten, da Ökosystemleistungen oft keinen Preis haben und somit tendenziell übernutzt werden. Zum anderen liegen institutionelle Mängel vor, insofern als es an einer wirksamen globalen Umwelt-Gouvernanz fehlt.»

Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) geben einen Rahmen vor, um klimathematische Ziele zu erreichen. Was trägt das SECO mit seinen Aktivitäten bei, damit wir die Agenda 2030 schaffen? Darauf antwortet das Staatssekretariat für Wirtschaft: «Das SECO ist bei der Umsetzung von fast allen SDGs direkt national oder international involviert. In diesem Rahmen nimmt die Schweiz ihre Verantwortung wahr.» Hierzu ein paar Beispiele des Staatssekretariats für Wirtschaft:

  • SDG 8 (nachhaltiges Wirtschaftswachstum):
    «Die Strategie zur Aussenwirtschaftspolitik 2021 verfolgt das Ziel, in der Schweiz und in ihren Partnerländern Wohlstand und nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen. Einen besonders wirkungsvollen Effekt ergibt es, wenn eine internationale Abstimmung stattfindet.»

  • SDG 9 (Arbeitsbedingungen):
    «Das SECO unterstützt Unternehmer:innen, inklusive und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu schaffen, z.B. durch die Programme Sustaining Competitive and Responsible Enterprises, kurz SCORE, und Better Work in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).»

  • SDG 12 (Stärkung der Unternehmensverantwortung):
    «Die Massnahmen in den Aktionsplänen zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen (CSR) sowie für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) tragen dazu bei, dass Schweizer Unternehmen in den globalen Wertschöpfungsketten nachhaltig produzieren.»

  • SDG 13 (Klimawandel):
    «Die finanziellen Mittel der internationalen Zusammenarbeit (IZA) im Klimabereich werden von 300 Millionen Franken pro Jahr zwischen 2017 und 2020 bis Ende 2024 auf rund 400 Millionen Franken pro Jahr angehoben. Das entspricht rund 15 Prozent der IZA-Mittel. Diese werden vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gemeinsam eingesetzt, um in den Partnerländern den Klimawandel einzudämmen oder den Ländern zu helfen, sich an dessen Folgen anzupassen.»

Ganz konkret: Was kann jede und jeder Einzelne hierzulande tun?

Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch führt aus: «Die Agenda 2030 ist sehr breit, so dass in der Tat jede und jeder Einzelne etwas zur Zielerreichung beitragen kann. Und da wir alle auch unterschiedliche Rollen in der Gesellschaft wahrnehmen, sind die Anknüpfungspunkte vielfältig: Wir als Konsument:innen können bei den täglichen Konsumentscheidungen in den Bereichen Ernährung/Lebensmittel, Klima, Tourismus und Biodiversität etwas beitragen. Aber auch als Arbeitnehmende oder Arbeitgebende sowie als Mieter:innen beziehungsweise Immobilienbesitzer:innen können wir beim Energieverbrauch einen Beitrag leisten.»

Das Ziel, bis 2030 die nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen zu erreichen, ist ehrgeizig. Durch die Entwicklung neuer nachhaltiger Produkte und der Implementierung energie- und ressourceneffizienteren Prozesse kommen wir dem Ziel aber näher. «Einen wichtigen Teil tragen hier alle Steuerzahler:innen bei», ergänzt Ineichen-Fleisch. Wir wäre es mit einer wilden Idee bei all den helvetischen Millionären: Lenkungsabgaben in Form von Umweltsteuern? Fortsetzung folgt …

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