Themendossier - Editorial Team

Die Ideenfabrik für das Bauen von morgen

Wenn es im deutschsprachigen Raum um Nachhaltigkeit bei Bauprojekten geht, ist das BKW Engineering Innovation Center führend. Es entwickelt mit der Unterstützung eines grossen internen und externen Netzwerks massgeschneiderte Lösungen mit zeitgemässen Angeboten.

Die Ideenschmiede des BKW Engineering Innovation Center in Metzingen. Bild: PD

21. September 2022

Gegenwärtig ist viel die Rede von ressourcenschonendem Verhalten und von nachhaltigem Leben. Stromspartipps machen die Runde, Elektroautos werden angeschafft und der persönliche ökologische Fussabdruck lässt sich mit einer App ganz einfach berechnen. Jede Verhaltensänderung, die im Alltag dazu beiträgt, Klima und Umwelt zu schonen, hat ihre Wirkung.

Aber den grössten Hebel gibt es in der Bauwirtschaft. 35 bis 40 Prozent ­aller klimaschädlichen Emissionen kommen aus dieser Branche, rund 60 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs werden für das Bauen verwendet. Diese Zahlen nennt Clément Dupin, Leiter des BKW Engineering Innovation Center, im Gespräch. Und da kommt seine Abteilung ins Spiel, die vor rund zwei Jahren aus dem ­Engineering-Netzwerk der BKW entstanden ist, um Wissenschaft, Wirtschaft, Technik und Kunden mit­einander zu verbinden. «Unser Ziel ist es, die Zukunft des Bauens neu zu prägen und entsprechende Lösungen zu entwickeln», sagt Dupin.

«Net Zero Climate Solutions»

Als konkretes Beispiel einer Aufgabenstellung, die an das Innovation Center herangetragen wird, nennt Clément ­Dupin einen Autohersteller, der seine gesamte Produktion nachhaltiger ­machen will. Der CO2-Ausstoss der Fabrik soll, so die Zielvorgabe, fast vollständig reduziert werden. «Die Dekarbonisierung erfolgt in diesem Fall über die Elektrifizierung, wobei nur Strom aus nachhaltigen Quellen zur Anwendung kommt», erklärt er die Heran­gehensweise. Eine grundlegende Herausforderung bei diesem Projekt sei die Frage, wie der saubere Strom beschafft und bewirtschaftet werde. «Wir müssen also auch eine passende Beschaffungs­strategie entwerfen.»

Unternehmen, die nachhaltiger werden wollen, und das sind heutzutage nahezu alle, müssten sich daher nicht nur technische und bauliche, sondern auch organisatorische Fragen stellen, die vielfach fast schwieriger zu beantworten seien. Das Innovation Center kann dank dem Netzwerk aus beratenden Ingenieuren und Planern in den Bereichen Energiewirtschaft, Elektrotechnik, Versorgungstechnik und ­Anlagenbau die Potenziale für eine wirtschaft­liche und CO2-freie Versorgung aufzeigen. ­«Genau an dieser Schnittstelle von Energie und Bauen ist das BKW ­Engineering Innovation Center mit seinen Net Zero Climate Solutions gefragt. Das kann sonst niemand im DACH-Raum», umreisst Dupin den Vorteil seiner Abteilung.

Ein zweites, komplett anders gelagertes, aber auch typisches Beispiel eines Projekts ist im Skisport angesiedelt. «Da haben wir den Auftrag bekommen, für die Skiweltcup-Speed­rennen in Zermatt/Cervinia, die an den ­Wochenenden vom 29./30. Oktober und 5./6. November 2022 stattfinden werden, ein besonderes Starthaus zu entwickeln», sagt Dupin. Die Anforderung sei gewesen, dass das Gebäude, das auf dem Gletscher installiert wird, leicht und schnell auf- sowie abbaubar sei, dem Wind widerstehe und aus nachhaltiger Produktion stamme.

Das Resultat lässt sich sehen: Das Starthaus ist aus einer pneumatischen Hülle gefertigt, bei deren Herstellung komplett auf PVC verzichtet werden konnte. Ausserdem handelt es sich um das erste Starthaus, das mit Solarstrom betrieben wird. Dafür kommt eine Photovoltaikanlage zum Einsatz. Damit wird gleich dreifach Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal finden Weltcuprennen am Matterhorn statt, führen die Rennen durch zwei Länder (Schweiz und Italien) und liefert das BKW Engineering Innovation Center das Starthaus.

Mischung aus Think-Tank und Start-up

Das Engineering-Netzwerk wurde ab 2015 als zusätzliches Standbein der BKW aufgebaut, zum Teil mit Akquisitionen, aber auch durch organisches Wachstum. Gegenwärtig gehören rund 50 Firmen mit etwa 3500 Mitarbeitenden dem Verbund an. Das BKW ­Engineering Innovation Center kann als eine Mischung aus Think-Tank und Start-up bezeichnet werden. Dabei werden Wissen, Innovationsfreude, Analyse, Tempo und Neugier miteinander verbunden und in Einklang gebracht. «Die Lust, neue Wege zu finden und zu gehen, die Leidenschaft und die Freude an Neuem treiben uns täglich an», beschreibt ­Clément Dupin seine Motivation. Er arbeitet mit seinem Team für konkrete Projekte mit Fachleuten aus dem ­Engineering-Netzwerk. Für die Entwicklung von Innovationen und ­Visionen steht im deutschen ­Metzingen als physischer Treffpunkt eine alte umgebaute Giesserei zur Verfügung. Dort, wo früher Teile für die nahe Auto­mobilindustrie in Stuttgart hergestellt wurden, entstehen heute neue Ideen für die Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft.

«Bei unserer Arbeit ziehen wir je nach Problemstellung über unser eigenes Netzwerk hinaus auch externe Spezialistinnen und Spezialisten aus Start-ups, Hochschulen oder Drittunternehmen hinzu», erklärt Dupin. Das Innovation Center hat die Funktion, Expertinnen und Fachleute aus allen Bereichen zusammenzubringen. «Wir koordinieren disziplinenübergreifend und koppeln die Sektoren.» In Abstimmung mit den Kunden analysiere das BKW Engineering Innovation Center die jeweilige Herausforderung und stelle dann das beste Team zusammen, um die Aufgabe zu meistern.

«Eine wichtige Funktion kommt auch dem Beirat zu, der uns in wirtschaft­lichen und wissenschaftlichen Fragen unterstützt und Marktchancen sowie Innovationspotenziale abklärt.» Dem Beirat gehört zum Beispiel Christoph Ingenhoven, Gründer von ingenhoven architects und Verfechter von Greenbuilding, an. Oder auch Werner Sobek, Bauingenieur und Architekt, emeritierter Professor und Experte für nachhaltiges Bauen.

Zuerst das Problem verstehen

Bei jedem Projekt, mit dem sich das ­Innovation Center beschäftigt, wird zuerst die Ausgangslage ermittelt, wie Clément Dupin ausführt. «Dabei geht es unter anderem um die Platzverhältnisse und den ökologischen Fuss­abdruck.» Aber auch die Kosten seien immer im Auge zu behalten. Unter Berücksichtigung aller Parameter erarbeitet das Innovation Center dann eine Lösung und wählt für deren Umsetzung die technischen Möglichkeiten aus. «Dabei orientieren wir uns pragmatisch an der optimalen und nicht an der maximalen Lösung», erklärt der Leiter des BKW Engineering Innovation Center. Ein Projekt müsse schliesslich immer auch bezahlbar und im Betrieb wirtschaftlich sinnvoll sein.

Viele der möglichen Herausforderungen lassen sich laut Dupin dank der Unterstützung digitaler Hilfsmittel schon in der Planungsphase durchspielen und auf die Projekte übertragen. Insgesamt fallen auf diese Weise noch keine hohen Kosten an. Beim Bauen werde dann zum Beispiel darauf geachtet, dass man mit weniger Material auskomme und dass das Abbruchmaterial recykliert und wiederverwendet werde. Stichworte: Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung zur Reduktion von CO2 als übergeordnetem Ziel. ­Zudem werde auch Wert auf die Verwendung von ressourcenschonenden Baumaterialien und auf die Schaffung von Grünflächen gelegt.

«Unsere Innovationen stellen wir in unserem internen Netzwerk natürlich allen Firmen zur Verfügung», erläutert Clément Dupin. Das seien Dienstleistungen und Produkte, die bei der ­Suche nach neuen Lösungen entstanden seien. Aus Sicht der Kunden sei es auch ein Vorteil, dass sie mit dem BKW ­Engineering Innovation Center nur einen einzigen Ansprechpartner hätten. «Wir suchen dann in unserem Netzwerk nach den richtigen Partnern für die sinnvollsten und nachhaltigsten Lösungen und machen die Unternehmen zukunfts­fähig.»

In erster Linie spricht das BKW ­Engineering Innovation Center mit seinem zeitgemässen Angebot grössere Firmen an, für die massgeschneiderte Lösungen gesucht und gefunden werden. «Wenn sich aber eine gute ­Lösung skalieren und wiederverwenden lässt, dann wollen wir sie auch kleineren Kunden oder Privatpersonen anbieten», blickt Dupin in die Zukunft. «Es ist auf jeden Fall eine faszinierende Aufgabe, im Auftrag unserer Kunden Tag für Tag die Zukunft hinsichtlich Planung und Bauen aktiv und nachhaltig mitzugestalten.»

Netzwerk

Die BKW Gruppe ist ein ­international tätiges Energie- und Infrastrukturunternehmen mit Sitz in Bern. Sie beschäftigt rund 11 500 Mitarbeitende. Das Netzwerk der BKW Gruppe zieht sich durch acht Länder in Europa. Ihre Dienstleistungen und Produkte bieten die insgesamt 130 Tochterfirmen an 276 verschiedenen Unternehmenssitzen und 103 Produktionsstandorten in den fünf Kompetenzmarken BKW Energy, BKW Building Solutions, BKW Engineering, BKW Infra Services und BKW Power Grid an.

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